Traun, einer der besten Salmonidenflüsse Europas

Peter Gathercole hat in Österreich die Traun besucht, dieses Wasser wollte er unbedingt kennenlernen – und er profitierte von den Flugangeltipps

Die Traun entspringt im gebirgigen Mittelösterreich und mündet 350 km weiter nördlich bei Linz in die Donau. Obwohl sie keineswegs leicht zu befischen ist, gilt sie als einer der besten Flüsse Europas. Ihr klares, kraftvoll fließendes Wasser beherbergt einen gesunden Bestand an ungehindert steigenden Fischen, die Fliegenfischer aus aller Welt anlocken.

Als ich diese geheiligten Wasser das erste Mal besuchte, befand ich mich in Begleitung von Roman Moser, dem erfahrensten Angler der Traun, und Charles Jardine, einem der bekanntesten britischen Flugangler.

Roman, ein geradezu legendärer Angler, hat den größten Teil seines Lebens damit verbracht, an der Traun zu fischen. Sein Erfindungsgeist ist der Schlüssel seines Erfolgs, und jedes Stück seiner Ausrüstung hat die „Moser-Behandlung“ bekommen. Seine Fliegenkästchen quellen über vor neuen, aber auch altbekannten Mustern.

Traun, einer der besten Salmonidenflüsse Europas

Bei Gmunden ist die Traun breit und schnellfließend. Solche Fluss Abschnitte hatte Roman meist im Sinn, wenn er seine vielen Taktiken und Techniken entwickelte.

 

Wildwaten

Charles und ich wollten an einer Strecke in der Nähe von Gmunden fischen, Romans Heimatort. Hier ist der Fluss breit und schnell fließend und bahnt sich seinen Weg durch eine baumbestandene Schlucht.

Obwohl die Traun zumindest teilweise von einem Wasserkraftwerksystem gebändigt wird, ist sie immer noch wild und ursprünglich, und ihre Ufer sind nicht leicht zugänglich. Verbaute Uferpartien gibt es hier nicht, und die besseren Fische erreicht man oft nur durch Waten im tiefen Wasser und durch Wurfakrobatik.

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Traun

Roman Moser mit einer schönen Traun-Äsche. Nach zwanzig Jahren Angelerfahrung an der Traun weiß er mehr über ihre Fische und deren Fressgewohnheiten als jeder andere.

 

 

Roman kennt diese Schwierigkeiten. Er hat bereits mehrere geflochtene Vorfächer entwickelt, die eine Blei-Seele haben. Damit kann der Angler die Fliege auch bei stärkster Strömung in die Standtiefe des Fisches bringen. Diese Vorfächer funktionieren unter allen möglichen Bedingungen und reichen von der ultraleichten Polypropylen-Ausführung bis hin zum „Bottom Bouncer“, der einen eingewobenen Metallfaden enthält. Roman hat sich einige Tage Zeit genommen, um uns die besten Plätze und fängigsten Methoden vorzuführen.

Am meisten hat uns beeindruckt, wie er mit kleinen, goldköpfigen Fliegen tiefstehende Regenbogenforellen und Äschen aus einer sehr tiefen und kraftvollen Strömung fing.

Romans Wurfstil und -technik waren so perfekt, dass er mit seinen selbstgemachten, schnell sinkenden Vorfächern und einem Sight-bob (Bissanzeiger) die Tiefe und Abtrieb Geschwindigkeit seiner Fliegen exakt bestimmen konnte. Charles und ich brauchten eine Weile, bis wir mit Romans Methoden zurechtkamen. Obwohl die Fische während der Schlüpfzeit der Insekten ganz zutraulich an die Wasseroberfläche stiegen, waren sie keineswegs leicht zu fangen und nahmen nur natürlich wirkende Imitationen an.

Traun

Charles drillt einen Fisch zwischen Felsbrocken. Als wir beiden Gast Angler Romans Methoden beherrschten, verbesserten sich auch unsere Fangergebnisse.

 

Ein spektakulärer Kampf

Charles hatte es besonders das Nymphen Fischen im tiefen Wasser (über 3 m)angetan, wobei er stets flussauf warf und schon bald Äschen von über drei Pfund landen konnte. Traun Äschen sind wegen ihrer Art zu kämpfen etwas ganz Besonderes: Auf tiefe, bohrende Fluchten folgen spektakuläre Sprünge – dabei strahlen ihre stahlgrauen Flanken und die Fahne (die riesige Rückenflosse) in der Sonne Österreichs.

Bei unserem ein wöchigen Besuch fingen wir einige bildschöne Forellen und Äschen, manche über drei Pfund. Sie lieferten einen sagenhaften Kampf und wurden allesamt der Traun zurückgegeben. Vielleicht sehe ich ja die eine oder andere von ihnen beim nächsten Besuch wieder!

Traun

Aus kristallklaren, ungestümen Wassern landet Charles ein wahres Prachtexemplar von einer Traun Äsche.

 

Köcherfliegen

Roman Mosers Spezialgebiet sind die an der Traun massenhaft vorkommenden Köcherfliegenarten. Sie schlüpfen im Fluss und werden als Larve (Sprock), Puppe und ausgewachsen von Forellen und Äschen gefressen. Einige der größeren, dunkleren Arten schlüpfen hier an der Traun auch tagsüber, was sonst nur nachts geschieht. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass in der Mittagssonne während der Schlüpfzeit geangelt wird.

Traun

Äschen wie diese sind nur einer der vielen Gründe, weshalb die Traun Fliegenfischer aus der ganzen Welt anlockt.

 

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