Der goldene Mahseer, ein Mitglied der Karpfenfamilie

John Bailey und Paul Boote reisten mit einem Filmteam in den Dschungel von Kaschmir – um den riesigen Mahseer zu fangen.

Als sie mich fragten, in welchem Teil der Welt ich am liebsten fischen würde, zögerte ich nicht. „Am oberen Ganges in Indien auf Mahseer, das ist mein Traumziel“, sagte ich. Dass die Transatlantik- TV -Station es ernst meinte, konnte ich zunächst kaum glauben. Aber als sie fragten, was ein Mahseer ist, da wusste ich, dass ich sie hatte. Der Mahseer ist einer der aufregendsten Süßwasserfische der Erde, und ich sollte einen für die Kamera fangen.

Mahseer

Und dann kam der Regen …

Monate später fanden sich Paul Boote, ein britischer Mahseer-Experre, ein Kamerateam und ich wieder im Himalaya, mitten im prächtigsten Monsunregen. Die Stadt stand unter Wasser. Im Hotel tropfte es, und ganze Dörfer waren in Gefahr, weggeschwemmt zu werden. In der Zwischenzeit war es flussaufwärts, dort wo wir fischen wollten, zu einem ungewöhnlichen Wasseranstieg gekommen. Unglücklicherweise passt so etwas nicht in den Fahrplan eines Fernsehteams, und mit dem Regen floss uns die Zeit davon.

Beim ersten Anzeichen, dass das Ende des Monsuns gekommen war, fuhren wir in die Berge, in die oberen Regionen des Ganges. Der Mahseer würde jetzt von seinem Laichgeschäft in den Quellbereichen der Flüsse zurückkehren, so hofften wir. Ein Mahseer-Angler gab uns den Tipp, bei einem großen schwarzen Stein, der in der Mitte des Flusses lag, zu fischen. Die Fische würden kommen, wenn der Stein vollständig zu sehen ist. Als wir den Fluss erreichten, sahen wir nur rauschendes Wasser. Wir konnten nicht einmal die Spitze des schwarzen Steines erkennen.

Wir bauten unser Camp am Zufluss eines kleineren Flusses des Ganges auf und warteten. Auf der einen Seite des Flusses hatte das Wasser die Farbe von Schokolade, auf der anderen Seite reichte der Dschungel bis ans Ufer.
Mahseer

Da lacht man gern in die Kamera: John Bailey präsentiert einen prächtigen Mahseer. Der Fisch ist ein Mitglied der Karpfenfamilie. Er sieht ein bisschen wie eine Barbe aus, hat sehr große Schuppen und eine. einmalige Färbung. Wie bei der Barbe, ermöglicht der stromlinienförmige Körper dem Fisch, in stärkster Strömung zu stehen.

Der Mahseer

Für die Briten ist der Mahseer der stärkste Fisch der Welt. Sie kennen ihn aus ihrer Kolonialzeit in Indien. Der Mahseer sieht ein bisschen aus wie eine Kreuzung zwischen Karpfen und Barbe. Er lebt in den schnellen Flüssen des Himalaya, die zum Ganges fließen. Während der Regenzeit steigen die Mahseer in die Flußoberläufe, um zu laichen.

Wenn der Regen aufhört, kehren sie zu ihren Futterplätzen in den unteren Flußbereichen zurück. Wer zu früh zum Fischen kommt, steht im Regen, und das Wasser ist zu hoch. Wer zu spät kommt, wird die Fische nicht mehr fangen können, denn sie sind in den Weiten des Ganges verschwunden. Der Mahseer ist wegen der Netz- und Dynamitfischerei und der Wasserverschmutzung im Bestand bedroht.

 

 

Der schwarze Stein

Das Wetter wurde freundlicher, die Temperaturen stiegen. Es wurde heller, und der Regen hörte endlich auf. Mit dem fallenden Wasserstand stieg die Spannung. Wir wussten, dass die Fische kommen würden. Schließlich ragte der schwarze Stein stolz aus dem Wasser hervor, die Zeit war reif. Aufgeregt wartete ich auf den ersten Biss. Ich glaubte, gut vorbereitet zu sein – bis der Biss kam.

So etwas hatte ich noch nie erlebt. Die alten Klischees von einem D-Zug, den man drillt, kamen mir in den Kopf, als der Mahseer den Fluss hinabschoss. Ich lief ihm nach, aber nach 100 m konnte ich nicht mehr. Während ich nach Luft schnappte, schwamm der Fisch wie eine Dampfwalze weiter. Als ich den Wobbler ein kurbeln konnte, sah ich die Drillige: zerquetscht von den Schlundzähnen des Mahseer.

Mahseer

John Bailey und Paul Boote stehen bis zu den Knien im Ganges. Sie geben jeder ihrem gefangenen Mahseer die Freiheit wieder.

Über John Bailey

John Bailey ist nicht nur in England ein bekannter Angelautor. Es heißt, dass er schon mit dem Fischen begonnen hat, bevor er laufen konnte. John Bailey unterrichtete Geschichte, bevor er beschloss, professioneller Angler und Angelautor zu werden. Als Autor oder Co-Autor hat er mehr als zehn Bücher veröffentlicht. Er schreibt für Dutzende von Angelzeitungen, die auf dem englischsprachigen Markt erscheinen, arbeitet für Radio und Fernsehen. Dabei hat er immer noch Zeit, kapitale Fische zu fangen: ein 1,6 kg Rotauge, einen 16,5 kg Hecht, einen 15,9 kg Karpfen, einen Rekord-Saibling von 2,5 kg und eine 5,2 kg schwere Barbe .

 

Good-bye, Monster!

In den nächsten zwei Tagen arbeiteten wir viel. Wir landeten Mahseer von mehr als 50 lb (22,7 kg), und in der letzten Nacht ging der Traum in Erfüllung. In dem fahlen Licht war ich weit hinaus gewatet in das warme Wasser, als etwas Riesiges biss. Ohne zu stoppen, wurde mir 200 m Angelschnur von der Rolle gerissen.

Dann stoppte der Fisch, und ich konnte seine Fluchtrichtung ändern. Der Fisch schoss auf mich zu, und so etwas wie ein Drill wurde möglich. Der Kampf in der Dunkelheit dauerte 1 1/2 Stunden. Ab und zu konnte ich den goldenen Rücken des Mahseer aufblitzen sehen. Dann hatte ich ihn. Ich konnte den Fisch zum Ufer bringen. Er lag auf der Seite – das Monster gab sich geschlagen. Die indischen Träger kamen, um den Fisch zu wiegen, aber da rutschte der Haken aus dem Maul, und ganz langsam verschwand der Schatten seines riesigen Körpers im Ganges.

Mahseer

Hier verneigt sich eine Rute im Drill vor dem Mahseer. Es ist eine Karpfenrute mit einer Testkurve von 3 Ib (1,4 kg). Der Mahseer kämpfte 40 Minuten, bis er gelandet werden konnte.

 

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