Kanalangler Dave Berrow in Market Drayton

Dave Berrow ist einer der besten britischen Kanalangler, er ist darauf spezialisiert, mit ultrafeinen Montagen und der langen Kopfrute zu arbeiten. Am Shropshire Union Canal zeigt er seine Taktik.

Der Shropshire Union Canal liegt in Mittel-England. Kanalangler Dave Berrow fischt in der Nähe der kleinen Stadt Market Drayton. Es ist Ende Mai, und an diesem Morgen scheint die Sonne schon ganz kräftig aufs Wasser.

Kanalangler Dave Berrow

Dave Berrow hat das Zählen seiner Wettkampfsiege längst aufgegeben. Erfolge hat er in fast allen Gewässertypen errungen: in Kanälen, in Fließgewässern, wie dem berühmten Trent, und auch in stehenden Gewässern.

 

10.45 Uhr Zerbrochene Brücke

Dave hat sich einen Angelplatz neben einer zerbrochenen Brücke gesucht. Diese Strecke ist für den Kanal nicht typisch. Hier gibt es Bäume. Am gegenüberliegenden Ufer stehen Eichen, kleine Weiden und Hagedornbüsche. Genau gegenüber von Daves Angelplatz wirft eine Weide ihren Schatten auf das ockerfarbene, vom Bootsverkehr stark getrübte Wasser.

 

11.00 Uhr Die lange Rute

Kanalangler Dave Berrow wird hauptsächlich mit einer bis zu 11 m langen Schnur an seiner 14 m langen Kopfrute aus Kohlefaser fischen. Er montiert aber auch eine ganz kurze Rute von 2,6 m Länge, ebenfalls eine Kopfrute, mit der er das diesseitige Ufer beangeln kann. So kann er weiter fischen, wenn ein Boot vorbeikommt. Für seine drei Montagen hat er zwei extra Sätze der ersten drei Topteile der Rute dabei. Heute fischt er eine Zuckmücken- und eine Castermontage. Caster sind verpuppte Fliegenmaden.

 

11.15 Uhr Aufmontieren

Kanalangler Dave Berrow öffnet eine Lade seiner Sitzkiepe. Auf Plastikaufwindern sind dort die fertigen Montagen. Auf jedem Aufwinder befindet sich die Hauptschnur, Pose, Bebleiung, Vorfach und ein Gummiband, das alles zusammenhält.

 

11.40 Uhr Der beste Köder

„Das ist der beste Köder“, sagt Kanalangler Dave Berrow, als er ein nasses Paket aus Zeitungspapier auswickelt. Das Paket enthält ein Pfund Zuckmückenlarven. Zuckmückenlarven sind rot, und die Fische lieben sie. Die tanzenden Wolken von Mücken, über dem Kanal zeigen, dass die Fische die roten Larven hier gut kennen.

Mit dem Grundfutter gibt sich Dave besondere Mühe. Er macht eine trockene Mischung von Van Den Eynde „Supercup“ und „Beet“ in gleichen Portionen. Er wässert nur die Ecken des Grundfutters. Am Anfang gibt er sehr wenig Wasser dazu, um das Futter quellen zu lassen. Wenn er das Futter richtig gemischt hat, wird ein Futterball im Wasser erst nach zehn Minuten aufbrechen. Zum Schluss mischt er 150 g Zuckmückenlarven in das Grundfutter.

 

Rote Zuckmückenlarve

Rote Zuckmückenlarven (Chironomus) gehören zu den besten Ködern für Weißfische. Man kann sie im Aquarienfachhandel kaufen. Die Larven leben im schlammigen Gewässergrund. Man kann sie auch mit einem Kratzkescher fangen. Die Larven werden vom Schlamm getrennt, in feuchtes Zeitungspapier eingewickelt und kühl gelagert.

 

11.45 Uhr Anfüttern

Kanalangler Dave Berrow formt vier Grundfutterbälle, etwas kleiner als ein Tennisball. Zwei dieser Bälle werden stärker zusammen gepreßt, so dass sie erst nach 15 Minuten aufbrechen. Alle vier Futterbälle fliegen ans andere Ufer. Vier weitere Bälle in Taubeneigröße werden am diesseitigen Ufer eingeworfen.

 

11.50 Uhr Ausloten

Dave hat am anderen Ufer eine Angeltiefe von 60 cm gemessen. Er stellt die Montage etwas tiefer als 60 cm ein, damit der Köder auf dem Boden aufliegt. An diesem Angelplatz schießt er erstmal einige gute Portionen Hanf und Caster mit dem Katapult, um auch ein paar Rotaugen anzulocken.

 

11.55 Uhr Der Start

Kanalangler Dave Berrow beginnt, am diesseitigen Ufer zu fischen, damit sich der gegenüberliegende Angelplatz noch etwas entwickeln kann. Die weiße Spitze seiner Pose ist so supergenau ausgebleit, dass sie nicht aus dem Wasser ragt – nur die Oberflächenspannung des Wassers hindert sie daran zu sinken.

Die Pose schießt sofort ins Wasser und Dave fängt einen kleinen Gründling. Nachdem der Fisch abgehakt wurde, fischt Dave weiter mit der Zuckmückenlarve. Dave sagt: „Im Winter, wenn die Zuckmückenlarven fester sind, kann“ man mit einer Larve bis zu 17 Fische fangen.“

 

12.05 Uhr Am anderen Ufer

Kanalangler Dave Berrow fischt die lange Kopfrute jetzt in zwei Partien. Die drei Spitzenteile sind zusammengesteckt. An der Spitze ist ein elastisches Gummi und die Hauptschnur von 1,5 m Länge. Diese drei oberen Teile werden auf den unteren Teil der Rute gesteckt.

Zum Beködern und Abködern wird die lange Rute immer unterhalb des dritten Spitzenteils getrennt. Dave fischt am gegenüberliegenden Ufer mit Zuckmückenlarven. Die Spiegelungen der Bäume auf dem Wasser machen es sehr schwer, die gelbe Posenspitze zu erkennen. Plötzlich ist die gelbe Pose weg – ein schneller Biss eines Rotauges – aber Dave hat ihn verpaßt. Er wirft sofort wieder aus. Die Pose schießt weg, und ein Fisch kämpft gegen das Gummiband an der Spitze der Rute. Dave teilt die Rute. Er hält nur noch die drei Spitzenteile in der Hand und keschert ein 120 g Rotauge.

Kanalangler Dave Berrow

Mit der langen Kopfrute und der verkürzten Schnur kann Dave Berrow exzellent am gegenüberliegenden Ufer eines Kanals fischen. Je nach Bedarf kann er die Pose ganz ruhig halten oder sie mit der Strömung
mitführen. 

12.15 Uhr Das Schiff

Alles sieht sehr gut aus, bis ein großes Schiff vorbeikommt. Dave Berrow zieht die lange Posenrute zurück – und ärgert sich.

 

12.20 Uhr – Neues Futter

Das Schiff hat die Fische nicht verjagt, aber das Anfutter ist weg, und der Angelrhythmus ist gestört. Dave schießt mit dem Katapult etwas Hanf und Caster nach, um am anderen Ufer das Interesse der Rotaugen wachzuhalten. Alle drei oder vier Minuten wirft er einen Ball Grundfutter von Walnußgröße an das diesseitige Ufer.

Kanalangler Dave Berrow

Hier wird die ganz leichte englische Angeltechnik in Perfektion gezeigt. Dave benutzt eine kleine Kopfrute, bei der zwischen Spitze und Hauptschnur ein elastisches Gummiband geschaltet ist. Er muss den Fisch, ein 113 g Rotauge, keschern, weil das Band zu elastisch ist; er könnte den Fisch mit der Hand nicht erreichen.

12.30 Uhr Castermontage

Kanalangler Dave Berrow entscheidet sich jetzt für die Castermontage am entfernten Ufer. Die Caster liegen auf dem Grund. Dieses Floß ist sehr gut sichtbar – ein schöner roter Punkt im Wasser.

 

Der Anti-Tangle-Trick

Kanalangler Dave Berrow fixiert die Olivette mit einem oberhalb von ihr angeklemmten Nr. 12 Schrot. Damit wird sie gestoppt und kann auf der Leine nicht hin und her schießen. Das ermöglicht genaue Würfe. Die Leine verheddert sich nicht.

 

12.45 Uhr Perfekte Kontrolle

Kanalangler Dave Berrow hat gerade einen kleinen Brassen gefangen – aber es läuft nicht so, wie er es sich wünscht. Dave probiert jetzt Hanf am Haken aus. Mit der langen Kopfrute fischt er ein einzelnes Hanfkorn genau im Schatten der Weide am gegenüber liegenden Ufer. Plötzlich bleibt die Pose stehen, Dave versucht, sie wegzuziehen, und er fängt ein gutes Rotauge von 170 g.

Kanalangler Dave Berrow

Dies ist eines der typischen Rotaugen, die Kanalangler Dave Berrow auf Hanf gefangen hat. Wer mit Hanf fischt, der muss eine Weile warten, bis sich die Fische an diesen Köder gewöhnt haben. Dann aber beißen sie meist extrem gut. Dave hat sehr viele Matches mit Hanf gewonnen. 

 

13.00 Uhr Fast fünf Pfund

Die Angelbedingungen sind bei weitem nicht ideal – es ist heiß und windstill – aber die Rotaugen stehen am Lockfutter. Kanalangler Dave Berrow kommt in einen guten Angelrhythmus. Er kann die größeren Rotaugen mit Hanf fangen. Bis zum späten Nachmittag hat er 2,3 kg Fische gefangen – unter den ungünstigen Bedingungen eine respektable Leistung.

Kanalangler Dave Berrow

Am Ende des Angeltages hat Kanalangler Dave Berrow etwa 2,3 kg Rotaugen, Gründlinge, Barsche und kleine Brassen gefangen. Keiner der Fische wiegt über 230 g, aber es war für ihn ein Vergnügen, die Fische an dem leichten Gerät zu erbeuten . 

 

Das Fischen mit der Kopfrute

Nachdem in Deutschland das wettbewerbsmäßige Fischen kaum noch stattfindet, hat die Kopfrute an Beliebtheit verloren. Trotzdem gibt es noch viele Angler, die die Kopfrute bevorzugen. Dazu gehören vor allem junge Angler, weil man mit dieser Rute schnell gute Fischtaktiken lernen kann.

 

 

Das Fischen mit der Kopfrute wurde in Frankreich und Belgien entwickelt, wo es heute noch meisterlich betrieben wird. In den letzten Jahren haben allerdings auch die britischen Matchfischer bewiesen, dass sie mit diesen Geräten sehr gut umgehen können – und dass wir von ihnen eine Menge lernen können.

 

Die Montagen von Kanalangler Dave Berrow

Kanalangler Dave Berrow

Montage für den Nahbereich

Diese Montage ist für die blitzschnelle Angelei auf Gründling. Weil die Fische sehr klein sind, kann Kanalangler Dave Berrow mit dünner Schnur fischen. So beißen die Fische besser, und die Bisse sind eher zu sehen.

Die Hauptschnur hat eine Tragkraft von 0,5 kg, das Vorfach eine Tragkraft von 0,34 kg. Im Winter fischt Kanalangler Dave Berrow mit einem Vorfach von 0,17 kg.

Die Pose hat einen runden Körper aus Balsaholz, Stab und Antenne sind aus Bambus. Der runde Körper stabilisiert das Floß. Das obere Öhr ist am unteren Ende des runden Körpers angebracht. So kann er auch bei Wind mit versunkener Schnur fischen. Die Pose trägt eine 0,5 g Tungsten-Olivette, ein Nr. 10 Bleischrot und 3 Nr. 12 Bleischrote. Damit sinkt das Floß genau bis zur Spitze der Antenne.

Kanalangler Dave Berrow nimmt einen 24er Au Lion D’Or – Haken Nr. 1219b mit einem dünnen nachgehärteten Draht. Er ist widerhakenlos und sehr stark. So kann man die Fische problemlos und schnell abhaken.

Kanalangler Dave Berrow

Wenn ein Boot den Kanal passiert, fischt Dave mit diesem Floß am nahen Ufer. Der runde Körper hält das Floß in turbulentem Wasser sehr ruhig.

Kanalangler Dave Berrow

Montage für Caster (Madenpuppen)

Diese Montage ist für größere Fische – Rotaugen und kleine Brassen. Die Hauptschnur trägt wieder 0,5 kg, jedoch befindet sich zwischen Rutenspitze und Schnur ein Stück elastisches Gummiband.

Das Floß hat eine kuppelförmige Spitze, die Posenachse ist aus Draht. Dieses Floß aus Balsaholz wird oben und unten befestigt. Vier Bleischrote der Größe Nr. 10 lassen das Floß so weit sinken, dass nur noch die Kuppel zu sehen ist. Diese Kuppel ist sehr leicht zu erkennen.

Kanalangler Dave Berrow nimmt einen Haken der Größe 20, es ist ein Mustad-Zuckmückenhaken Nr. 314. Dave bevorzugt diesen dünnen Haken für die Madenpuppen und das Fischen mit der Brotflocke. Mit dem langen Schenkel kann er die Fische schnell abhaken, und die sehr scharfe Spitze dringt in die Hülle der Madenpuppen ein, ohne die Madenpuppe zu verletzten.

Kanalangler Dave Berrow

Wer am gegenüberliegenden Ufer im flachen Wasser fischen will, braucht eine kurze Pose. Eine lange Pose würde die Fische verschrecken.

Kanalangler Dave Berrow

Montage für Zuckmückenlarven

Mit dieser Montage fängt Kanalangler Dave Berrow Gründlinge, kleine Rotaugen und kleine Brassen am gegenüberliegenden Ufer mit der langen Kopfrute. Auch bei dieser Montage ist zwischen die Spitze der Kopfrute und der Hauptschnur ein Stück elastisches Gummiband geschaltet. Damit kann er auch etwas größere Fische sicher drillen.

Die Hauptschnur hat eine Tragkraft von 0,5 kg und das Vorfach eine Tragkraft von 0,34 kg.

Das Floß hat einen Körper aus Balsaholz, die Achse und die Antenne der Pose sind aus Vollkohlefaser. 0,25 g sind nötig, damit die Pose bis zur unteren Spitze sinkt. Die Schnur wird durch das obere Öhr gefädelt und auf der Achse unten mit einem kleinen Stück Silikonschlauch befestigt. Silikonschläuche beschädigen die Schnur nicht so wie ein Plastikschlauch.

Der Haken der Größe 24 stammt von der italienischen Firma Ignesti, aus der Serie der silbergefärbten Zuckmückenlarven haken. Dave Berrow bevorzugt diesen Haken, weil er sehr scharf und dünndrähtig ist.

Kanalangler Dave Berrow

Kanalangler Dave Berrow hat seine Montagen auf einem Aufwinder. Alle Montagen sind fertig ausgebleit, so dass sie sofort zum Einsatz kommen können.

 

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