Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Angler Dewi Evans zeigt die Kunst des Äschenangelns am Bala Lake und River Dee. Dewi muss sein ganzes Können aufbringen.

Angler Dewi Evans. Von den schneebedeckten Aran Mountains bläst der Wind herab auf den Bala Lake (auch als Llyn Tegid bekannt). Es ist Mitte Januar, und das tiefste Tiefdruckgebiet seit hundert Jahren zieht über Nordwales. Mit ihm kommen eisige Winde, Schnee und Hagel.

Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Eine vom Wind geschüttelte Gestalt steht inmitten der Gareth Edwards-Senke auf der Brücke und sucht das tosende Wasser des Bala Lake ab. Der größte natürliche See in Wales ist ungefähr 6 km lang und 1,5 km breit. Vermutlich ist er der einzige britische See mit einem nennenswerten Äschen Bestand.

Und das ist auch der Grund, weshalb Dewi Evans heute hier ist:

Äschen. Dewi hat sein ganzes Leben lang in Wales auf Äschen geangelt und weiß, wo er sie fangen kann. Allerdings bei diesem Wetter… Neben Bachforellen, Lachsen, Barschen, großen Hechten und Ferox-Forellen in der Tiefe gibt es im Bala auch den Gwyniad, eine Waliser Weißfischart, ähnlich dem schottischen Blaufelchen oder dem Schnäpel in Cumbria.

Dieser geheimnisvolle Fisch ist außerordentlich selten, und man findet ihn nur im Bala Lake.

Fliegenfischen in einer geschützten Ecke des winterlichen Bala Lake. Im Hintergrund sieht man, wie stark das Wasser dort aufgewühlt ist.

 

10:00 Uhr Erst zum River

Dee Dewi entschließt sich, den See vorläufig auszusparen und sich statt dessen auf den River Dee zu konzentrieren, wobei er sich für den Fluss Abschnitt gleich unterhalb der Brücke interessiert, wo der Fluss aus dem See austritt.

Und die Taktik? „Bei so einem Wetter kann man mit der Fliege keinen Fisch fangen. Der starke Wind ist nicht so sehr das Problem – obwohl er natürlich das Werfen erschwert – , problematisch ist vielmehr das braun getrübte Wasser.“ „Wir sind ja eigentlich keine Grundangler sondern Fliegenfischer, aber falls erforderlich können wir unsere Taktik auch ändern“, sagt Dewi und setzt seine 12 ft (3,7 m) lange Matchrute zusammen.

Er montiert eine Antennenpose mit Körper und eine Schnur von 3 lb (1,4 kg) Tragkraft, die er direkt mit einem Haken der Größe 14 verbindet.

Wie die zwölf Jähre alte Rolle wirkt auch die Pose ziemlich veraltet. Als Dewi unsere etwas erstaunten Blicke bemerkt, erklärt er: „Mit Technik haben wir hier nicht viel am Hut. Wir verwenden, was wir im Kasten haben. Manch einer hängt eine Stationär rolle an eine Fliegenrute und fischt dann mit Würmern und Maden.“ Dewi folgt einem Pfad zum Flussufer und begibt sich an eine Angelstelle etwa 100 m oberhalb vom Zusammenfluß mit dem River Tryweryn.

Er wählt ein paar weiße Maden aus seiner Köderdose, ködert sie an und wirft in die Flußmitte ein. „Ich versuche jetzt, so weit wie möglich auszuwerfen und werde mich mit der Pose allmählich wieder zum Ufer zurückarbeiten. Dann werfe ich etwa einen halben Meter näher ein und arbeite mich wieder in einem rechten Winkel durch.

Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Dewi Evans lebt seit seiner Geburt in Bala und angelt seit seinem sechsten Lebensjahr auf Forellen und Äschen. Er betreibt inzwischen ein Angelgerätegeschäft in der Stadt. 1991 vertrat Dewi Evans die Waliser Nationalmannschaft in den Commonwealth Fly Fishing Championships am Llyn Brenig. Es macht ihm Spaß, Fliegenfischer jeden Alters am See und am Fluss anzuleiten. Am liebsten angelt er aber natürlich selbst, und einmal hat er 97 Äschen an drei Abenden gefangen.

 

 

11:00 Uhr Viel Wasser abdecken

Die Äschen anzufüttern ist sinnlos. Wir müssen viel Wasser abdecken und den Fisch finden. Dann gibt es dort ziemlich sicher noch mehr.“

Bei der recht kräftigen Strömung entschließt sich Dewi, an eine besser geschützte Stelle mit befestigtem Ufer gleich oberhalb des Zusammenflusses mit dem Tryweryn zu wechseln. Noch einmal wirft er aus, lässt die Pose mit offenem Schnurfangbügel abtreiben und zieht seinen rechten Winkel, wobei die rote Antenne der Pose senkrecht aus dem Wasser ragt und in der Strömung auf und ab tanzt.

Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Angler Dewi Evans lässt die Posen Antenne an diesem eiskalten Januartag zum größten Teil aus dem Wasser schauen, was den Vorteil hat, dass er besser zwischen Bissen und Hängern unterscheiden kann.

„Äschen gehen nicht gezielt auf Futtersuche wie Forellen. Sie fressen instinktiv. Sehen sie in der Strömung etwas vorbeischwimmen, nehmen sie es einfach. Sie müssen aber in Stimmung sein. Man kann sie nicht reizen wie einen Lachs, sondern muss ihnen den Köder direkt vor die Nase setzen.“

Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Eine Äsche hat den Köder genommen und setzt ihre Rückenflosse bei der Flucht ins raue Wasser ein. Angler Dewi Evans setzt den Fisch jedoch unablässig unter Druck.

 

11:30 Uhr Walisisches Wunder

Die Pose taucht bei der Annäherung ans Ufer ein- oder zweimal ab, doch der Haken hat sich nur im Kraut verfangen. An der Äschenfront ist absolut nichts los, also unternimmt Angler Dewi Evans einen kurzen Ausflug an den nahen River Tryweryn, der nach einem Wehr in den Dee mündet.

Da fällt ihm zwischen den Felsen etwas auf, das grünlich und weiß wie ein Mistelzweig leuchtet. Bei näherer Betrachtung stellt sich das geheimnisvolle Leuchten als keltische Überraschung heraus, ein Gwyniad. Der Fisch wurde von der rauen Strömung an Land gespült.

Den Gwyniad bekommt man nicht oft zu Gesicht, doch Angler Dewi Evans hat über die Jahre immer wieder welche gesehen. „Wenn sie frisch sind, riechen sie noch stärker nach Gurke als ein Stint“, meint er. „Sie laichen im Januar und Februar und werden während eines Sturms manchmal aus der Tiefe emporgewirbelt und ans Ufer gespült.“

Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Eine Äsche aus dem Grenzbereich des River Dee, dort, wo der Fluss aus dem See austritt. Angler Dewi Evans stieß nur wenige Meter vom Ufer auf den Fisch, der seine beiden Maden in einem ruhigeren Wasserbereich abfing.

 

Tipp Dewis Rat

„Je nach Jahreszeit muss man beim Äschen angeln unterschiedlich vorgehen. Im Sommer nehme ich Haken der Größe 10-20 und eine 16er Schnur. Ich verwende dann auch ein etwas längeres Vorfach und werfe etwas sorgfältiger aus.“

 

Äschen-Rig

Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Dewi verstellte zwar immer wieder mal die Tiefe seiner Angel, aber die meiste Zeit bot er die Maden direkt über dem Grund an.

12:00 Uhr Der rote Drachen

Angler Dewi Evans konzentriert sich darauf, die Pose etwa 2 m vom Ufer abtreiben zu lassen. Sie schwimmt am Ufer entlang und geht schließlich unter. Dewi schlägt an, und die Pose taucht wieder auf. Doch nun biegt sich die Rute anständig durch. „Da haben wir wohl einen Fisch an der Angel“, und im nächsten Moment bestätigt ein silbriges Plätschern seine Worte.

Die Äsche kämpft verzweifelt, doch bald liegt sie am Ufer, ihre Rückenflosse blitzt rot wie der Drache auf dem Waliser Wappen. „Ein schöner, großer Fisch von über einem Pfund, und gleich vorn an der Lippe gehakt“, sagt Angler Dewi Evans, während er ihn untersucht.

„Äschen sind mit Muskeln nur so bepackt und können gut kämpfen. Normalerweise setzen sich die größeren Fische an den Anfang des Schwarms. Hier könnten noch mehr sein. Und so ködert Angler Dewi Evans nochmals zwei Maden an.

Etwa eine halbe Stunde lang erforscht er das Wasser und bietet den Köder in unterschiedlichen Tiefen an. Er bekommt jedoch keinen Fischkontakt. Jetzt wird es Zeit, den Bala Lake selbst in Augenschein zu nehmen.

Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Das Ufer bei Llangower Point am Bala Lake. Nachdem er wegen des starken Windes zu große Probleme mit dem Fliegenfischen hatte, vertraute Angler Dewi Evans dann doch lieber wieder auf die Posenangel und Maden.

 

13:00 Uhr Auf zum Bala Lake

Zwei Wildgänse fliegen in geringer Höhe am Fluss entlang, über die Autobrücke hinweg und quer über den See. Weiter oben kreist ein Schwan orientierungslos am Himmel. Durch den hohen Luftdruck und den heftigen Wind ist er vollkommen verwirrt. Unter der Brücke versucht Angler Dewi Evans sein Glück an der Stelle, wo der Fluss den See verlässt. „Normalerweise stehen hier die großen Fische, doch heute ist es zu ungemütlich; wir versuchen es an einer besser geschützten Stelle des Sees.“

Die Bedingungen am See sind so schlecht, dass Angler Dewi Evans seinen Angelplatz nicht nach Belieben wählen kann. Er ist gezwungen, ein gutes Stück um den Bala Lake herum zum Llangower Point zu fahren. Dort ist der See nicht weit vom Ufer schon etwa 50 m tief. Als wir aussteigen, bricht plötzlich ein heftiger Hagelschauer los. Er dauert nicht lange, aber die Eiskörner prasseln uns schmerzhaft ins Gesicht.

Angler Dewi Evans beim Äschen angeln am Bala Lake

Inmitten von Hagelkörnern wiegt Angler Dewi Evans seinen Fang. Das Wetter war typisch für North Wales im Januar: kräftiger Wind, Hagel, leichter Schneefall und hin und wieder einmal ein Sonnenstrahl. Der Bala Lake liegt am Rande der Snowdonia-Berge und ist dadurch extremen Witterungseinflüssen ausgesetzt.

 

13:30 Uhr Spürbar ruhiger

An dieser Seite des Sees ist es spürbar ruhiger. Dewi packt die 10 ft (3 m) lange Loomis-Fliegenrute aus, watet in den See hinein und beginnt auszuwerfen und einzuholen. Er verwendet eine Wet Cel II WF6-Schnur.

Am vorderen Ende hat er ein 2,7 m langes sinkendes geflochtenes Vorfach und ein weiteres Stück steife Monofilschnur von 2,7 kg Trag-kraft und 1,8 m Länge angeknüpft. „Man muss für diese schweren Fliegen eine Keulenschnur verwenden. So bekommt man sie weit hinaus, ohne die Rute zu überlasten.“

Er führt die beiden Fliegen im rauen Wasser, eine „Double Viva“ Größe 16 an der Spitze und eine „Soldier Palmer“ am Springer. „Ich werde es mit der Viva versuchen, weil sie eine gute Standardfliege und zudem ein wenig beschwert ist“, erklärt Angler Dewi Evans.

 

14:30 Uhr Fliegen im Wind

Für wenige Minuten kommt die Sonne hervor und spiegelt sich in einer schneebedeckten Bergspitze in der Ferne. Der Wind bläst weiterhin kräftig, und Dewi hat alle Mühe, seine Fliegen auszuwerfen. Dann versucht er sein Glück eine Weile mit der Köder Angel, doch falls es hier überhaupt Äschen gibt, sind sie nicht besonders beißfreudig. Angler Dewi Evans lässt sich seinen Optimismus nicht nehmen und kehrt an die Stelle am Dee zurück, wo er vorhin die Äsche gefangen hatte. Doch bei diesem einen Fisch soll es heute bleiben.

Angler Dewi Evans kehrt zum Abschluß noch einmal zum Fluss zurück. Während er die letzten Würfe am River Dee ausführt, trommeln ihm schon wieder Hagelkörner ins Gesicht.

 

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