Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

An einem grauen Januartag treffen wir Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum, wo er einen Hecht von zehn Pfund fangen will.

Angler John Watson beim Winterangeln wird es sicher nicht leicht haben. Auch wenn es im Wensum viele Fische gibt, ist dieser Fluss nicht gerade berühmt für große Exemplare. Der Wensum fließt mitten durch Norwich. Für die meisten Einheimischen ist er einfach nur da, um überquert zu werden – oder um bei einem romantischen Abendessens vom schwimmenden Restaurant den Ausblick zu genießen. Angler John Watson allerdings sieht die Romantik dieses Flusses in der Hechtangelei.

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

Die Hechte werden hier bis zu 11 kg groß – ein nicht zu verachtendes Gewicht. Doch das schönste am Wensum ist die Menge der Fische. John ist sich sicher, dass er einige von ihnen fangen wird. Ob sein Optimismus begründet ist, muss sich aber erst noch herausstellen.

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

Angler John Watson beim Winterangeln. John Watson fischt schon seit über zwanzig Jahren auf Hecht und ist extra nach Norfolk gezogen, um näher an seinem Lieblingsfisch zu sein. Seine Methoden sind manchmal unorthodox, aber die Ergebnisse gleichbleibend gut. Er ist überzeugt, dass man vom Ruderboot aus am meisten von den Gewässern in Norfolk hat.

John nimmt gerne Zuschauer zum Hechtfischen mit. Sein Boot hat er mit einem Teppichboden ausgelegt, schließlich hält er sich hier am liebsten auf. Auch wenn er es nicht versprechen kann, ist er sich ziemlich sicher, dass er uns heute einen Zehnpfünder präsentieren wird.

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

Angler John Watson beim Winterangeln. John setzt zum Anschlag an, als seine Pose auf die Reise geht. Die festgemachten Boote bieten sowohl den Futterfischen als auch den räuberischen Hechten Deckung.

 

Angler John Watson beim Winterangeln. 10:00 Uhr Am Fluss

Wir erreichen die Angelstelle, und John bietet die ersten Köderfische an der Schleppangel an. Er wirft einige Köderfische ins Kielwasser aus und schleppt sie langsam hinterher, wobei er nur ein klein wenig schneller als die träge Strömung rudert.

Dann bewegt er sich flussauf, doch das Schleppen flussab ist ebenso wirkungsvoll. „Die Strömung ist so langsam, dass es keine Rolle spielt, in welche Richtung wir rudern.“ Da es keinerlei auffällige Anhaltspunkte gibt – eintöniger könnte ein Fluss mit solch flachem Grund und den steilen Uferböschungen gar nicht sein – rudern wir eben mit der Schleppangel von einem Ufer zum anderen und hoffen, so irgendwann den Fisch zu finden.

Angler John Watson beim Winterangeln. John angelt mit zwei ähnlich montierten Ruten.

Die Köderfische hängen unter einem Hechtschwimmer, der sie vom Grund fernhält und als Bißanzeiger dient. John ködert zwei kleine Rotaugen mit Lippenköderung an, damit sie recht natürlich hinter dem Boot hertreiben.

Dieser Flussabschnitt des Wensum ist nicht gerade umwerfend. An beiden Ufern stehen Fabriken. Ein kleines Stück flussab fließen der Wensum und der Yare zusammen, und dort gibt es auch Bäume und Felder, aber die Hechte scheinen es hier zu mögen.

Und tatsächlich schießt der Schwimmer seitlich weg. John nimmt die Rute in die Hand und nimmt Fühlung mit dem Fisch auf; aber als John zu ziehen beginnt, lässt der Hecht die seltsame Beute wieder los. Die Flanken des Köderfischs sind von Bißspuren übersät.

Es sieht also ganz so aus, als könnten wir in diesem ruhigen wenn auch etwas langweiligen Fluss auf unsere Kosten kommen.

Wieder taucht die Pose ab, als ein Hecht die leichte Mahlzeit aufnimmt. Leider ist es jedoch nicht der von John herbeigesehnte Zehnpfünder und erst recht kein Zwanzigpfünder, sondern ein gewöhnlicher Dreipfünder.

Immerhin ein schöner Start. Ist ein Fisch erst einmal gehakt, versteht man auch, was der Teppich im Boot soll. Während John sich bei der Landung, des Fischs bewegt, dämpft der Teppich nämlich das Geräusch der Füße auf dem Bootsboden ab.

Diese Schwingungen können Fische im kilometerweiten Umkreis in die Flucht schlagen.

 

 

Angler John Watson beim Winterangeln. Johns Schleppangel

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

 

Angler John Watson beim Winterangeln.11:00 Uhr Ein besserer Fisch

John rudert langsam stromauf und macht immer wieder Pausen, damit die Köderfische aufsteigen und absinken können. Da taucht eine seiner Posen entschlossen ab. John nimmt Fühlung auf und setzt den Anschlag. „Das ist ein besserer Fisch“, freut er sich. „Ein viel besserer Fisch“.

Die Rutenspitze verneigt sich kräftig in Richtung der noch unsichtbaren Beute. „Mit diesem muss ich mir mehr Zeit lassen als mit dem letzten.“ John ist ganz entspannt, was sich jedoch rasch ändert, als die Schnur erschlafft und der Hecht abkommt.

John kann seine Enttäuschung nicht verbergen. „Zum Teufel, den habe ich nur verloren, weil ich einen einzelnen Drilling nehme und der Köderfisch ein bisschen groß war.“

An dieser Rute verwendet er ab sofort eine Schnappangel. „Den Zehnpfünder werde ich schon noch herausholen, keine Sorge.“ Diesen Satz sollte man sich vielleicht merken. Vor uns zieht ein langer Güterzug vorbei, und in der Nähe ist eine Fabriksirene zu hören. Nach 15 Minuten ohne Hechtkontakt entschließt sich John, in einen anderen Bereich zu rudern. Etwa 20 Minuten flussauf haben einige Boote festgemacht, die kleineren Fischen Schutz bieten und so häufig auch Hechte anziehen.

Angler John Watson beim Winterangeln. John führt vor, wie man am schnellsten einen kleinen Hecht abködert, der den Haken im Rachen hat. Wer es sich nicht zutraut, den Hecht zu halten, sollte ihn zum Abködern auf einen feuchten Leinensack legen.

Angler John Watson beim Winterangeln. 11:40 Uhr Wo beginnen?

Bei so vielen Booten weiß man gar nicht, wo man beginnen soll. „Wenn wir nach den Futterfischen Ausschau halten, sind wir auf dem richtigen Weg, sagt John und zieht die Schleppangel auf der Suche nach steigenden Fischen und Blasen an den Booten entlang.

Eine halbe Stunde vergeht, und das letzte der festgemachten Boote ist in Sicht, ohne dass wir auf einen Fisch gestoßen wären.

Weder kleine Fische noch Hechte. Da kommt das „Floating Restaurant“ in Sicht, ein schwimmendes Restaurant, das uns daran erinnert, dass es Zeit zum Mittagessen ist. Doch als wir darauf zurudern, zeigt John auf einen kleinen, dunklen Umriss im Wasser. Ein Laube, und wo es einen gibt…

Fische, wo man hinschaut. Und nicht nur Lauben. Ganz nah beim Floating Restaurant springt ein kleines Rotauge aus dem Wasser, vom Grund kommen unaufhörlich Blasen nach oben. „Ich glaube, hier werden wir eine Weile bleiben“, sagt ein aufgeregter John ganz leise.

 

Tipp Empfindlicher Kiemenbogen

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

Angler John Watson beim Winterangeln. Sitzt der Haken nicht vorn am Maul oder in der Kieferschere, entfernt man ihn durch einen Kiemendeckel. Vorsicht! Nicht die stark durchbluteten Kiemenbögen beschädigen.

 

Angler John Watson beim Winterangeln. Tipp Leisetreter

Wer vom Boot aus angelt, darf sich nur möglichst wenig bewegen. Stellt man sich hin, kann man vom Fisch gesehen werden und Geräusche wirken sich ebenfalls negativ aus. Sie werden vom Bootsrumpf noch stärker übertragen als vom Ufer.

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

Angler John Watson beim Winterangeln. Johns unverkennbares Lächeln, als er den dicksten Hecht des Tages zu Gesicht bekommt. Gerade schickt sich der Hecht an, unter das Boot zu schwimmen.

 

Angler John Watson beim Winterangeln. 12:50 Uhr Bühne frei

John führt die Schleppangel am Restaurantschiff entlang, doch von Hechten keine Spur. Also geht John am anderen Ufer vor einem noblen Hotel mit Glasfront vor Anker und lässt die Hechtschwimmer mit der Strömung abtreiben.

Die Fische sind auch auf dieser Seite des Flusses aktiv, obwohl es hier keine Boote gibt. Dafür ist der Grund sehr uneben, und die meisten Futterfische halten sich in den tieferen Löchern auf. Wahrscheinlich auch die Hechte. Daher ist John vor Anker gegangen. Mit der Schleppangel würde er viele Hänger riskieren oder in zu flachem Wasser angeln.

Die Köderfische sind noch keine fünf Minuten im Wasser, als eine der Posen plötzlich nervös wird. John beobachtet sie genau. Sie schießt in Richtung Ufer, John nimmt die Rute auf und bekommt Fühlung mit dem Fisch. Es entbrennt ein kurzer Kampf, der jedoch für Johns Rute (Testkurve 2,5 lb) kein Problem ist.

Ein fetter Fünfpfünder. John wirft einen neuen Köderfisch zur selben Stelle und setzt sich. Zum Nachdenken bleibt jedoch keine Zeit, weil dieselbe Pose schon wieder untertaucht. „Ein schöner Fisch. Aber das habe ich ja vorhin auch schon gesagt, oder?“

Nach kurzem Kampf kommt der Fisch doch noch an die Oberfläche. „Nun, da ist ja unser Zehnpfünder“, sagt John, der alles andere als unglücklich ist. Mit einem kräftigen Schwanzschlag und viel Getöse schwimmt der Hecht direkt unter das Boot. John setzt einen seitlichen Zug an, um ihn vom Ankerseil fernzuhalten. Der Hecht beugt sich und schießt wieder ins freie Wasser zurück.

Ehe man sich versieht, hat John den Fisch in Reichweite. Er landet ihn von Hand. Die versprochenen zehn Pfund hat der Fisch, er wiegt genau 5,8 kg. „So, jetzt kann ich mich entspannen“, freut sich John Watson. Wie schon die anderen beiden Fische war auch dieser Hecht ein fetter, gedrungener Bursche, auf dessen Kosten sich eine ganze Menge Blutegel schadlos hielten.

„Diese Fische stehen vermutlich ganz in der Nähe der Futterfisch-Schwärme am Grund, und die Blutegel kommen aus dem Schlamm.

Die Hechte müssen sich wohl nicht sehr anstrengen, um sich ihre Mahlzeit zu holen“. Wo wir gerade von Mahlzeiten sprechen: Der Geschäftsführer des Hotelrestaurants ist herausgekommen, um mit John ein Wörtchen nach dem Motto „Hier können Sie nicht angeln, guter Mann!“ zu wechseln.

Ausgerechnet jetzt, wo John angefangen hat zu fangen. Der Wirt behauptet, dass wir seine Gäste stören. Wir behaupten, dass er unser Angeln stört. John erklärt ihm, dass der Fluss öffentlich sei, und John kommt schon so richtig in Fahrt, als wider Erwarten doch noch der gute Ton siegt.

In zehn Minuten werden wir eine Mittagspause einlegen, was unserem beleidigten Gastwirt sicherlich gefallen wird. Gerade als er wieder fortgeht, taucht die Pose ein letztes Mal unter, und John hakt einen plumpen Vierpfünder. Das macht insgesamt vier Fische und zwei, die verloren gingen. Und es ist erst Mittag.

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

Angler John Watson beim Winterangeln. Ganze 5,8 kg. John ist sichtlich erleichtert, nachdem er uns doch einen Zehnpfünder versprochen hatte. Alle Hechte wurden – wie in Großbritannien üblich zurückgesetzt.

 

Angler John Watson beim Winterangeln. 14:00 Uhr So ist’s recht

Nach einer köstlichen Pastete will John zurück zum ersten Angelplatz. Er hat das Gefühl, als hätte er dort am Morgen einiges verpasst. Kaum ist John losgerudert, greift ein Grashecht von etwa drei Pfund den Köderfisch an Zehn Minuten später erliegt ein kräftiger Hecht von 2,5 kg den Verlockungen des Köderfischs.

Weitere 15 Minuten vergehen, ohne dass sich etwas tut. John denkt bereits ans Zusammenpacken. Sechs Hechte sind kein schlechtes Ergebnis für einen Angeltag. Denkt er. Die Pose schießt ab, und wenige Minuten später zappelt ein Hecht an der Wasseroberfläche, der problemlos gelandet wird. „Ich glaube“, sagt er, „dies ist unser zweiter Zehnpfünder. Nicht schlecht.“ Es war mir ein Vergnügen.

Doch es hat nicht sollen sein. Der „Zehnpfünder“ wiegt nur 4,4 kg. Macht nichts, sieben Hechte sind ein großartiges Ergebnis.

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

Angler John Watson beim Winterangeln. In letzter Sekunde hätten wir beinahe noch einen Zehnpfünder gefangen. Mit seinen 4,4 kg ist dieser Fisch trotzdem ein toller Hecht.

 

Angler John Watson beim Winterangeln. Tipp, am besten mit Boot!

Im Winter liegen die Hechte oft am Grund, und ein geschleppter Köderfisch landet fast genau über ihnen, was manchmal Fische zum Anbiß reizt, die gar keinen Hunger haben. Ist man dann so beweglich wie John Watson in seinem Boot, kann man seine Begeisterung für den Wensum gut verstehen.

Angler John Watson beim Winterangeln am Wensum

Angler John Watson beim Winterangeln. John setzt einen weiteren Kämpfer aus dem winterlichen Wensum zurück. Er wirft ihn nicht einfach ins Wasser, sondern achtet darauf, dass der Fisch mit dem Kopf voraus hineingleitet.

 

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