Meister Angler Dave Harrel in Twyford am Avon

Alles, was der Meister-Angler Dave Harrel anfasst, funktioniert perfekt, zum Beispiel bei einer Angel-Session an einem seiner Lieblingsplätze, dem berühmten Avon.

Angler Dave Harrel, es ist 9.00 Uhr morgens in Twyford am Avon in Warwickshire. Das Wetter ist klar aber windig, Schauer sind vorausgesagt.

Angler Dave Harrel

Mit fünf Jahren begann Dave Harrel mit der Angelei an Kanälen. Heute ist er einer der besten Match-Angler Englands, der viele Wettkämpfe gewann, bevor er im Jahre 1984 zum Shakespeare-Team kam. Er hat 1987 für die englische Nationalmannschaft gefischt und war Matchman of the Year im Jahre 1988/89.

 

9.30 Uhr Die Montage

Die Angelplätze am Avon sind, wie oft in Großbritannien, nummeriert. Dave Harrel wählt den Platz Nr. 13, weil es ein beliebter Sommerstandplatz der Döbel ist, und man mit einem großen Fang rechnen kann.

Match-Angler Dave Harrel lässt sich Zeit mit dem Auspacken und Montieren seiner Angelgeräte. Niemals würde er seine Bequemlichkeit beim Fischen der Eile opfern. Er weiß, wie er seinen Angelplatz bequem gestaltet; jeder gute britische Matchfischer ist daran zu erkennen, dass er alles aus einer sitzenden Position machen kann.

Während er seine Angelgeräte aufbaut, füttert er sechsmal Caster (Madenpuppen) und Hanf an, etwa zwei Hände voll, 2:1 gemischt. Das Anfutter geht in die Mitte des Flusses. Nach Daves Erfahrung stehen hier die Döbel. Außerdem verliert man leicht Fische, wenn man nahe an den Ufern mit Seerosen anfüttert und fischt.

Match-Angler Dave Harrel arbeitet mit einer leichten und einfachen Montage – eine Waggler-Pose mit eingesetzter Antenne („Insert-Waggler“), der Haken wird knapp über dem Boden gefischt. Dave braucht die Tiefe nicht auszuloten, weil er das Wasser kennt. Am Haken sind zwei bronzefarbene Maden. Dave macht es wie viele Match-Angler: Er würzt seine Maden mit Kurkuma. Das färbt die Maden ebenfalls.

Das dünne Vorfach (0,6 kg Tragkraft) erfordert eine Rute mit sehr weicher Spitze. Dave Harrel ist ein Perfektionist.

Er hat seinen eigenen Rutenblank entworfen – eine 13 Fuß-Rute (3,90 m) mit einer eingespließten Vollkohlefaserspitze.

Sein Motto ist: „Im Zweifel immer anschlagen“. So auch jetzt, und ein kleiner Hasel wird gefangen. Mit der feinen Spitze des Wagglers sieht Dave wesentlich mehr von diesen vorsichtigen Bissen. Bei der dünnen Antenne spucken die großen Fische einen Köder auch viel seltener aus, weil die Pose ihnen weniger Widerstand entgegensetzt.

Ein häufiger Fehler

Wer die Pose zu weit aus dem Wasser ragen lässt, wird den Anbiss der kleinen Fische verpassen. Das ist nach Daves Ansicht einer der üblichen Fehler. Wer viele Fische fangen will, der sollte die Pose ganz sensibel austarieren.

Angler Dave Harrel

Das ist die hohe Kunst des Anfütterns:

Match-Angler Dave Harrelpräpariert seinen Angelplatz, bevor er den ersten Wurf macht. Für diese Kunst des Anfütterns ist Dave Harrel berühmt. Viele Wettkämpfe konnte er damit gewinnen. An diesem Tag schaffte er es, immer die Fische am Angelplatz zu halten.

 

9.50 Uhr Das Gewürz

Der erste Wurf geht weit über den Angelplatz hinaus. Dave hat es lieber, wenn er die Montage in den Angelplatz zurückziehen kann; so werden die Fische nicht verjagt.

10.00 Uhr Ein Boot kommt

Ein Boot passiert den Angelplatz und wirbelt das Wasser auf. Es wird etwas getrübt, und Dave ist sicher, dass die Fische jetzt fressen.

10.11 Uhr Der erste Döbel

Ein paar Sekunden nachdem das Boot vorbei gefahren ist, wird der erste Döbel auf die doppelten Caster gefangen. Es ist kein großer – etwa 230 g schwer -, aber es ist der Anfang. Der nächste Wurf bringt wieder einen kleinen Döbel, und nach einer Pause von etwa einer Minute ist der Fluß plötzlich voll von Döbeln, einer größer als der andere.

Ohne Warnung gibt es einen Gewitterschauer, aber die Fische kümmert das nicht. Nach sechs weiteren Würfen wiegen die Döbel, die er fängt, über 1 kg. Dave kann sie nicht einfach herankurbeln. Er muss die plötzliche Flucht des Fisches in das Kraut am anderen Ufer abbremsen.

Match-Angler Dave Harrel mag nicht mit der Getriebebremse arbeiten. Statt dessen pariert er die Flucht des Fisches, indem er zurück kurbelt, weil er dadurch „mehr Kontrolle über den Fisch hat“.

Angler Dave Harrel

Selbst beim Anfüttern mit dem Katapult sind Daves Augen immer auf der Spitze der Waggler-Pose gerichtet. 

10.40 Uhr Die Döbel

Jedes Mal, wenn mit dem Katapult Anfutter ins Wasser kommt, zeigen sich sofort große, langsame Wirbel an der Wasseroberfläche. Obwohl Angler Dave Harrel mit Hanf und Caster anfüttert, kommen jetzt viele große Döbel, die schon knapp unter der Wasseroberfläche auf das Futter warten.

Match-Angler Dave Harrel stellt die Pose auf eine Tiefe von 30 cm ein. Im Sommer beißen die Fische oft im Oberflächenwasser, besonders an sonnigen Tagen. Sofort hat Dave einen weiteren Biss, und der Döbel schießt auf das andere Ufer zu. Die Flucht ist schnell gestoppt, der Fisch ist schon am Landungskescher. Da erblickt der Döbel das Kraut an dieser Uferseite und versucht, dorthin zu flüchten. Einige Sekunden lang muss Dave Schnur geben, doch dann kann er den Döbel in den Kescher ziehen.

Es ist der größte Fisch es Tages mit einem Gewicht von 1,4 kg.

Tipp

Wer ständig mit dem Katapult lose Maden oder anderes anfüttert, muss aufpassen, nicht zu viel Futter einzubringen. Sehen Sie in den Schlund der Fische, die Sie fangen. Wenn Sie dort viel Futter sehen, füttern sie weniger an – sonst würden sich die Fische am Futter sattfressen. Ist kein Futter im Schlund, kann man stärker anfüttern. Sechs oder sieben Brocken von Anfutter wie Maden oder Mais ist genau richtig.

Angler Dave Harrel

Angler Dave Harrel bremst wieder einen Avon-Döbel ab, der die zwei Caster genommen hat. Er stoppt den Fisch, bevor er das Schilf am anderen Ufer erreicht. Dave benutzt, wie viele britische Matchangler, eine alte schwedische Abu-Kapsel-rolle, deren Bremse sich auf das Fischen mit sehr feinen Schnüren abstimmen lässt. 

 

11.00 Uhr Verlorener Fisch

Die Bisse lassen nach, und Match-Angler Dave Harrel ködert jetzt zwei rote Maden an. Er hat immer ein paar rote Maden dabei. Der Erfolg kommt sofort mit einem Fisch, der die Rute durchbiegt und dem die Flucht ins Kraut gelingt. Die Döbel sind dadurch nicht verärgert und beißen weiter.

Der erfolgreiche Köderwechsel beweist, was Dave den ganzen Tag sagt. „Wer nichts fängt, muss etwas verändern – Köder, Tiefe, Anfutter, Montage, Angelplatz, Hakengröße irgendwas, von dem man meint, es könne helfen.“

Angler Dave Harrel

Volle Konzentration auf den nächsten Biss. Angler Dave Harrel trägt auch im Regen seine Angelweste mit dem Shakespeare-Aufdruck. Wie viele besonders talentierte britische Angler fischt er für eine Firma, die ihn sponsort. Dies gehört heute in der Heimat des Angelns einfach dazu. 

11.20 Uhr Wie Sardinen

Match-Angler Dave Harrel fängt weitere Döbel auf die doppelte rote Made. Alle sind um 1 kg schwer. Dave lacht: „Sonst ist es hier nicht so gut.“

 

 

11.35 Uhr Das Geheimnis

In einer der wenigen Pausen, die Angler Dave Harrel macht, erklärt er eines der Geheimnisse seines Erfolgs: „Es hängt alles davon ab, wie geschwind man arbeiten kann. Wenn man einen guten Arbeitsrhythmus gefunden hat, dann geht es einfach.“ Und: „Jeder Angler muss sich auf das Fischen ohne Eile, aber in einer effektiven Gangart konzentrieren.“

Angler Dave Harrel

Dieser Fisch konnte sich nicht in das Kraut flüchten. Angler Dave Harrel zieht den dicken Döbel über den Rand des Landungsnetzes. Während des ganzen Angeltages verlor er kaum einen Fisch. 

 

11.40 Uhr Hasel tanzen

Angler Dave Harrel füttert jetzt nur noch Maden an. Die Döbel sind nicht scheu geworden, aber die Beisswut der letzten halben Stunde ist vorbei. Von einer Sekunde auf die andere fängt Dave jetzt Hasel. Dann zehn und nochmal zehn.

Es ist genauso wie er gesagt hat: Im Sommer bringt das Anfüttern mit Maden die kleinen Fische an den Haken, so dass sich die großen Döbel verärgert zurückziehen. Die Maden ziehen die Hasel auch an die Wasseroberfläche. Mit drei weiteren Würfen treibt die Gier die Hasel sogar fast aus dem Wasser. Angler Dave Harrel kurbelt einen weiteren Hasel ein: „Mit den Maden ist der Angelplatz zerstört.“ Aber wer will schon den ganzen Tag lang 1 kg schwere Döbel fangen?

Angler Dave Harrel

Und hier ist der Fisch. Es ist der größte Fisch des Tages. Er wiegt etwas mehr als 1,4 kg. Auf dem Foto wird der Fisch schnell abgehakt, denn am Angelplatz warten noch viele Fische, die auch diese Größe haben. 

 

12.15 Uhr Schlechte Zeiten

Wenn die Sonne hier am höchsten steht, ist die schlechteste Angelzeit. Die Fische nehmen weiter Futter, und es wird Zeit, den Köder wieder zu wechseln. Mit zwei Caster am Haken sollen die Döbel aktiviert oder die Hasel vertrieben werden, um den Döbeln wieder eine Chance zu geben. Der gewünschte Erfolg stellt sich zwar nicht voll ein, aber  Match-Angler Dave Harrel fängt einige größere Fische.

 

13.00 Uhr Fast 30 Pfund

Die Mittagszeit ist da – in weniger als vier Stunden hat Dave 13,6 kg Döbel und Hasel und einige Barsche gefangen. Der Tag mit ihm hat gezeigt, was es ausmachen kann, den Köder und das Anfutter zu wechseln (und nicht zu vergessen, die Angeltiefe). Das Ganze hätte auch geklappt, wenn es nicht so viele Fische gegeben hätte. Unter normalen Umständen muss man immer bereit sein, etwas Neues auszuprobieren. Das ist Unterschied zwischen einem Top-Angler und dem Fischen auf gut Glück.

Angler Dave Harrel

Angler Dave Harrel zeigt den Fang des Tages: Mehr als 27 Pfund Döbel und Hasel, aber auch einige Barsche. 

 

Anfütter- Taktiken

Beim Angeln im Fluss muss man sicherstellen, dass das Futter auch wirklich am Angelplatz ankommt. Das Futter muss da sein, wo der Haken ist — mitten im Angelplatz. Nur so kann man die Fische dort halten.

Im Normalfall sollte man erst den beköderten Haken einwerfen und dann das Anfutter, damit der Haken so lange wie möglich im Wasser ist. Wenn die Fische vorsichtig und heikel werden, kann man sie oft zum Biss reizen, wenn man erst anfüttert. Dann sinkt der später eingeworfene Haken genau zwischen dem Anfutter ab. Für Fische ist es so schwieriger, den Haken am Köder zu erkennen.

Die Höhe, in der die Fische stehen, lässt sich mit einem anderen Futter ändern. Schweres Futter, wie Hanf, sinkt schneller. Die Fische gehen tiefer. Leichtes Futter, wie Maden, hat den gegenteiligen Effekt.

Tipp

An manchen Angeltagen lässt die Attraktivität von weißen Maden nach einigen Stunden nach. Wenn man dann zu roten Maden wechselt, kann sich das schnell wieder ändern.

 

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