Meisterangler Matthias Rebaschus am Feenteich

Der Match-Experte Meisterangler Matthias Rebaschus fischte am Feenteich, der an die Außenalster grenzt

Es ist noch dunkel, als Matthias Rebaschus am Feenteich sein Gerät aufbaut. Dieser Angelplatz gehört zum schönsten, was Hamburg zu bieten hat: ein kleiner Teich am Rand der Außenalster, die Straße heißt passend „Schöne Aussicht“; geangelt wird gegenüber dem Gästehaus des hamburgischen Senats, einer spätklassizistischen Villa, die vor mehr als hundert Jahren als „Lusthaus“ gebaut wurde. Matthias Rebaschus kennt die Alster seit 30 Jahren. Schon als Kind hat er dort gefischt.
Meister-angler Matthias Rebaschus

Matthias Rebaschus mit einem Rotauge, das er auf zwei Maden an der Matchrute gefangen hat. Vorfach war ein schwarzes „Soft-Dacron“.

Dieser beliebte Angelplatz ist meist schnell besetzt, deshalb sind wir so früh hier. Am meisten wird den Aalen, Karpfen, Schleien und Hechten nachgestellt. Matthias möchte heute aber Brassen fangen, seine Spezialität. Der Teich liegt in einem kleinen Park mit massigen alten Buchen, Kastanien und Eichen, die so dicht am Ufer stehen, dass sie kaum Regen durchlassen und das Werfen erschweren.

Seit Wochen hat es in Hamburg in diesem Sommer jeden Tag geregnet. Die hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um 15 Grad – Angelwetter ist das nicht gerade. Für heute ist sogar Gewitter mit Hagel angesagt.

Der Feenteich hat einen 20 m breiten Gürtel von Seerosen, und am Angelplatz haben die Angler eine etwa 5 m breite Schneise in die Seerosen gefischt. So idyllisch der Platz auch ist, so schwierig ist hier die Fischerei. Denn das Ufer ist sehr flach. Noch in 20 m Entfernung ist das Wasser nicht mehr als 1 m tief. In dieser Entfernung vom Ufer wird Matthias Rebaschus fischen.

5:30 Uhr Aufmontieren

Drei Ruten werden montiert: eine 3,90 m lange Matchrute mit einem leichten Waggler-Floß, eine 3,60 m lange Matchrute, eine „Hardy Matchmaker“, mit einem schweren Waggler und eine 2,60 m kurze Zitterspitzenrute.

Matthias sammelt alte Angelgeräte, und seine „Hardy Matchmaker“ würde er, wie er sagt, „nie hergeben“. Die Sonne bricht durch den Dunst; weit entfernt auf dem Wasser sehen wir Ringe von steigenden Fischen. Noch weiter draußen rauben Hechte. In den Seerosen Geräusche von „schmatzenden“ Fischen und Enten. Noch ein Problem: Im Ufergrund aus Bauschutt läßt sich kein Rutenhalter in den Boden stecken.

Thema des Tages ist das Wetter, und ob es überhaupt möglich ist, gut zu fangen. Um die Brassen zu überlisten, hat Matthias Rebaschus sein spezielles Grundfutter mitgebracht. Verrät er das Rezept? „Gern“, sagt er. „Das Geheimnis liegt nicht in den Zutaten, sondern in der Zubereitung.“

Es ist ein lockeres, krümeliges Grundfutter, das mehrere Möglichkeiten der Anfütterung bietet: Locker zum Ball geformt, zerplatzt es an der Wasseroberfläche. Stärker zusammen gepresst, geht der Ball im Mittelwasser auf, das Futter sinkt dann als Wolke. Sehr stark zusammengedrückt, zerfällt der Futterball am Grund. Matthias hat keine Maden im Futter, und die Bälle werden kräftig zusammengedrückt.

Meisterangler Matthias Rebaschus

In Matthias‘ Posenkasten passen bis zu 30 cm lange Posen. Der Kasten ist aus Sperrholz selbstgebastelt und hat eine variable Einteilung. „Leider gibt es für den Matchfischer keinen sinnvoll konstruierten Kasten im Handel“, sagt Matthias.

 

6.10 Uhr Anfüttern

Matthias Rebaschus wirft mehr als zwölf apfelsinengroße Bälle des Lockfutters weit ans Ende der Seerosen. Ein paar kleine Fische an der Wasseroberfläche spritzen weg. „Jetzt können wir ein halbe Stunde warten, bis die Brassen sich am Anfutterplatz eingefunden haben“, sagt er. Die Angelruten liegen auf kurzen Holzpfählen am Ufer bereit.

Als erstes wird die Zitterspitzenrute ausgeworfen. Es ist eine moderne „Tri-Cast Wand“. An der 15er Schnur befindet sich ein kurzschenkliger 10er „Gamakatsu“ – Angelhaken. Es ist ein einfache Seitenblei-Montage mit drei SSG-Schroten an einem Silikon-Schlauch. Das Vorfach ist 80 cm lang. Die 15er Schnur (Tragkraft 1,6 kg) ist, so Matthias, „das mindeste für den Feenteich. Die Gefahr, dass die Fische an dünner Schnur in den Seerosen verloren gehen, ist zu groß“.

Die Sonne geht über den Villen auf, eine herrliche Stimmung. Doch das Wasser ist bei vollem Licht plötzlich wie ausgestorben. Keine Ringe, keine Bewegung, nichts. „Man muss warten, bis am Anfutterplatz die kleinen Blasen aufsteigen; bis Strudel zeigen, dass die großen Brassen da sind.“

An der Zitterspitze ist eine weitere Spezialität von Matthias: Ein Stück Brotkruste wird aufgespießt, drumherum weicher Brotteig geknetet. Bei dieser Mischung muss man mit dem Anhieb warten, weil die Brassen erst am Teig lutschen. Große Brassen mögen weichen Teig. „Es ist allerdings hier immer die Frage, was die Brassen momentan lieber mögen: Brot, Maden oder Würmer“, sagt er.

Meisterangler Matthias Rebaschus

Der Feenteich im Morgengrauen. Diese Stelle gilt als der schönste Angelplatz Hamburgs. Der Feenteich an der Straße „Schöne Aussicht“ liegt an der Außenalster und wird seit 300 Jahren wegen seiner idyllischen Lage bewundert.

 
7:05 Uhr Der erste Fisch

Die Spitze zuckt, der Anhieb kommt erst, als sich die Rute deutlich biegt. Ein kleiner Brassen hat den Brotköder genommen, doch der Angler ist nicht zufrieden. Am Anfutterplatz ist immer noch kein Zeichen der Fische, keine Blasen, nichts. Nieselregen setzt ein.

Der nächste Wurf bringt wieder einen kleinen Brassen, der noch im Wasser abgehakt wird. Ein Kescher kommt den ganzen Tag nicht zum Einsatz. Matthias trägt Hüftstiefel und steht im flachen Wasser. Das Abködern der kleinen Fische geht blitzartig, meist berührt er den Fisch gar nicht. Die rechte Hand fasst den Haken, dreht ihn kurz, schon ist der Fisch befreit und weggeschwommen. „Ich fische fast nur mit angedrückten Widerhaken. Der Haken fasst schneller, und die Fische sind einfacher abzuhaken“, sagt er. Die meisten Fische sind im Oberkiefer gehakt, nur zweimal greift der Brassen-Experte zum Hakenlöser.

Meisterangler Matthias Rebaschus

Der zweite Anfütterplatz am Feenteich, direkt zwischen den Seerosen. Matthias hat die Zitterspitzenrute ausgeworfen. Mit der 2,60 m kurzen Angelrute kann man unter den Bäumen weit und zielgenau werfen.

7:15 Uhr Kleine Fische

Wieder bringt der Brotköder einen 20 cm großen Brassen. Der Regen hört auf, aber der Himmel ist bedeckt, und es wird noch schwüler. „Kein Brassenwetter“, sagt Matthias Rebaschus. „Entweder soll es regnen ohne Ende, oder die Sonne soll richtig scheinen; es ist zu wechselhaft.“ Trotzdem beißen die Brassen. Alle um 20 cm. Beeindruckend, mit welcher Präzision die 2,60 m kleine Zitterspitzenrute immer wieder die Brassen fängt. Kein Anhieb geht daneben. Immer wieder das sekundenlange Zucken, dann die Biegung in der Spitze – der Anhieb (nur ein leichtes Zur-Seite-Ziehen) -, und die Rute ist rund gebogen.

Meisterangler Matthias Rebaschus

Ein einfacher Trick: Wenn man den Schaumstoff am Rutenhalter mit Sinkmittel (Spülmittel) benetzt, sinkt die Leine immer gut ab.

8:15 Uhr Neue Taktik

Meister-Angler Matthias Rebaschus wechselt zur Matchrute. Ein Drennan-Driftbeater („Mein Lieblingsfloß“), das 2,5 SSG-Schrote trägt, ist als Waggler montiert. Zwei SSG-Schrote plus ein AAA-Schrot fixieren das Floß nur an seinem Fuß auf der Schnur. Am Vorfach ist noch ein Nr. 1-Schrot. Das besondere an dieser Montage: Matthias hat ein Geflechtvorfach gewählt, ein schwarzes „Soft-Dacron“, das 1,5 kg trägt. Der Vorteil? „Große Brassen stören sich genau sowenig wie Karpfen an diesem superweichen Material. Außerdem schneidet Dacron manchen Stengel einer Wasserpflanze glatt durch“, sagt er. Diese Karpfenvorfächer seien für die Fischerei in der Nähe von Seerosen „die beste Idee der letzten Jahre“

Meisterangler Matthias Rebaschus

Matthias‘ Montage für die kleine Zitterspitzenrute: An der 15er Schnur ist ein 10 cm langer Seitenarm mit dem Blei am Silikonschlauch. Das Vorfach ist etwa 80 cm lang.

8:30 Uhr Dauerfeuer

Es haben sich immer noch keine großen Brassen (oder auch Karpfen und Schleie, wie Matthias Rebaschus bemerkt) am Angelplatz gezeigt. Die Waggler-Montage fliegt weit in den Feenteich, wird über den Futterplatz zurückgezogen. Am Angelhaken sind jetzt zwei Maden. Und mit dem Katapult werden dutzendfach Maden nachgefüttert.

Das Katapult trägt knapp 20 m weit. Ein Maden-Regen geht auf die spiegelglatte Wasseroberfläche nieder. Dann wird ein zweiter Angelplatz mit dem Katapult und Mais präpariert. Der zweite Platz liegt nur gut zwölf Meter entfernt fast in den Seerosen. Gefischt wird dort erstmal nicht.

8:50 Uhr Bunte Strecke

Es ist jetzt richtig warm geworden. Matthias Rebaschus legt die Matchrute nicht aus der Hand. Die Pose zuckt weg. Ein kleines Rotauge hat gebissen. Kommentarlos hakt Matthias es ab. Dann schießt er Maden nach. Zweimal zieht er nach Bissen nur ausgelutschte Maden heran. Dann folgt wieder ein kleiner Brassen. Dann ein Barsch und eine gut 20 cm lange Rotfeder. Ein hübsch gezeichneter Fisch, über den sich. eigentlich jeder Matchfischer freut. „Schade“, meint Matthias. „Diese bunte Strecke zeigt, dass heute anständige Brassen in Mengen nicht mit Brot anzulocken sind.

Meisterangler Matthias Rebaschus

Eine Art Mini-Tiroler-Hölzel ist diese Seitenbleimontage, die sich kaum verheddert: Ein Wirbel an der Dacron-Leine wird in einen Silikonschlauch gezogen. Im Schlauch sind Bleischrote. Die Montage kann man leicht selbst anfertigen; den Silikonschlauch gibt es günstig im Modellbauladen.

9:30 Uhr Jetzt mit Wurm

Matthias Rebaschus gibt den ersten Anfütterplatz auf. Jetzt kommt die 3,90 m lange Matchrute zum Einsatz. Ein vorgebleiter Eigenbau-Waggler aus einem Pfauenfeder- Kiel, der nur mit 2 BB-Schroten fixiert ist. Es gibt kein weiteres Schrot. Am 10er Haken ist ganz leicht gehakt ein zwei Zentimeter langes Stück Tauwurm. Der Tauwurm wird am zweiten Angelplatz auf dem Mais angeboten.

Meisterangler Matthias Rebaschus

Matthias Rebaschus ködert ein Rotauge mit einem Hakenlöser ab. Der Matchfischer hat für unterschiedlich große Haken drei Angelhakenlöser dabei.

10:00 Uhr Die Überraschung

Lange tat sich nichts. Doch jetzt ist etwas am Haken. Wir lachen, als es aus dem Wasser kommt: eine Muschel. Da hat doch tatsächlich eine Teichmuschel das Wurmstück mit ihren Schalen eingeklemmt.

 

10:15 Uhr Na endlich!

Nach der Muschel kommt nun der lang erwartete ganz langsame Biss. Ein 35 cm langer Brassen hat das Wurmstück genommen. Gut eine Dose Mais ist jetzt im Wasser. Matthias Rebaschus füttert mit dem Katapult Mais nach. Und endlich steigen auch die kleinen Bläschen auf. Vier weitere Bisse gibt es noch. Es sind vier Brassen, die man alle vorzeigen kann.

Meisterangler Matthias Rebaschus

Ein Brassen wird gelandet. Das Wasser ist flach, der Fisch muss nicht gekeschert werden. Matthias Rebaschus ködert den Fisch noch im Wasser ab, wenn er ihn nicht entnehmen will.

11:00 Uhr Einpacken

Die fünf Stunden, die wir uns vorgenommen hatten, sind nun zu Ende. Die Sonne knallt jetzt vom Himmel. Es ist April-Wetter im August. Matthias Rebaschus hat mit einem Fang von 23 Fischen zeigen können, wie man unter widrigen Bedingungen an einem idyllischen Platz gut angeln kann, indem man einfach testet, testet, testet.

Meisterangler Matthias Rebaschus

gut 30 cm langer Brassen, den Matthias Rebaschus mit einem kleinen Tauwurmstück auf einem Bett von Maiskörnern an dem zweiten Anfütterplatz gefangen hat.


Anfütter-Mischung

Matthias Rebaschus Erfolgs-Mischung zum Anfüttern enthält frisches Weißbrot und helles Semmelmehl. Die Herstellung ist zeitaufwendig. Das Brot wird in 2-cm-Würfel geschnitten und so lange eingeweicht, bis es sich komplett voll Wasser gesogen hat. Das dauert gut eine Stunde. Dann werden die Brotstücke mit der Hand gut ausgedrückt.

Dazu braucht Matthias Rebaschus eine Viertelstunde. Das ausgedrückte Brot wird mit trockenem Paniermehl vermischt, bis alles eine feucht- krümelige Konsistenz hat. Dazu benutzt er einen Haushalts-Quirl, der in einer Bohrmaschine steckt. Matthias verwendet kaum Geschmacksstoffe. „Wirklich frisches Brot hat den besten Duft“, sagt er.

 

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