Angeln an Talsperren mit betonierten Ufern – Reservoirs

Beim Angeln an Talsperren mit betonierten Ufern gibt es wichtige Merkmale, die vom Angler beachtet werden sollten, weil sie für die Fische interessant sind

Unter Wasser ist das Angeln an Talsperren mit betonierten Ufern sehr abwechslungsreich. Auch wenn sie an der Oberfläche recht einförmig wirken. Zu den weltbekannten Angelgewässern zählen die britischen Reservoirs. Das sind Talsperren, die meist mit Forellen erstklassig besetzt sind und wie gute Vereinsgewässer gepflegt werden. Die Regenbogen- und Bachforellen der Reservoirs sind wild und misstrauisch, doch ihre Größe, Kondition und Kampfkraft sind die Anstrengungen allemal wert.

Angeln an Talsperren

Angeln an Talsperren mit betonierten Ufern

Die traditionsreiche Fischerei in den Reservoirs hat sogar eigene Angelgeräte hervorgebracht, z. B. die lange Fliegenrute, die „Reservoir-Rute“. Da auch bei uns das Fischen in der Reservoir-Tradition immer beliebter wird, wollen wir einen Blick unter die Wasseroberfläche eines echten britischen Reservoirs werfen, des Queen Mother Reservoirs in Berkshire.

 

Eintöniges Gewässer?

Auch in betonierten Talsperren gibt es wichtige Merkmale, die vom Angler beachtet werden sollten, weil sie für die Fische interessant sind.

 

Angeln an Talsperren, Plattformen.

Die Ränder der Talsperre fallen nicht durchgehend als schräge Ebene ab, die Schräge ist nämlich alle 1,5 bis 4,5 m unterbrochen durch 1 m breite Stufen, die zum Grund hinabführen. Über diesen Plattformen sammeln sich Schlamm und Pflanzenteile und schaffen so einen idealen Lebensraum für Insekten, die Fische, z. B. Fluss- und Kaulbarsche, anziehen (die ihrerseits Forellen anlocken). So braucht man nicht weit draußen zu angeln.

Die Forellen kommen manchmal zum Fressen bis ans Ufer, besonders wenn das Wasser etwas aufgewühlt ist – dadurch bricht sich das Licht stärker als in klarem Wasser. Weniger aufmerksame Angler werfen oftmals zu weit aus.

Angeln an Talsperren

Angeln an Talsperren. Das ist in England üblich. Man angelt von Wurfstegen aus. Sie bieten eine stabile und ebene Standfläche zum Auswerfen. Der Nachteil. Die Forellen können den Angler gut ins Auge fassen.

 

Angeln an Talsperren, Slipanlagen.

Das sind schräge Ebenen, auf denen man Boote zu Wasser lässt. Sie befinden sich am flachen Ende der Talsperre. Unter ihnen sammelt sich viel Schlamm, und wo es Schlamm gibt, sind die Insekten nicht weit.

 

Angeln an Talsperren, Türme.

Die Ein- und Ausfluss Türme befinden sich an der tiefsten Seite der Talsperre. An manchen Ausfluss Türmen gibt es Wendeltreppen, die sich bis zum Grund der Talsperre fortsetzen. Zu Saisonbeginn stehen große Forellen über den schlamm bedeckten Stufen und fressen dort Zuckmücken- und Köcherfliegenlarven.

Im Hochsommer benötigen Forellen kühles, sauerstoffreiches Wasser, 10° C ist ihre bevorzugte Temperatur. Die meisten Talsperren haben an der Oberfläche und im hellen Licht einen hohen- Sauerstoffgehalt. Forellen nehmen aber nur dann Nahrung auf, wenn sie kühle Stellen mit abgeschwächtem Licht finden.

In vielen betonierten Talsperren gibt es in den Einfluss Türmen Belüftungsgeräte, die das tiefe Wasser mit Sauerstoff anreichern. Auf diese Weise bekommen die Forellen das für ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden so wichtige sauerstoffreiche Wasser und können leichter zur Nahrungsaufnahme bewegt werden.

Kraut.

In manchen Talsperren gibt es Krautwuchs, besonders im Sommer, wenn die Sonne das Wasser aufheizt. Krautbetten. die sich bis zur Lichtgrenze hinauf erstrecken, sind beliebte Aufenthaltsorte für Insekten und Fischbrut.

Betonierte Talsperren Angeln

Angeln an Talsperren. Auf den ersten Blick sehen betonierte Talsperren wie diese – das Queen Mother Reservoir – ziemlich langweilig aus. Wer jedoch die Besonderheiten eines solchen Gewässers kennt, kann zu erstklassigen Fangergebnissen kommen.

 

Buhnen und Landungsstege.

Hier versammeln sich Nichtedelfische, die von großen Forellen mit Vorliebe gefressen werden. Überall, wo es Schutz gibt, gibt es auch Fischbrut. Solche Bereiche lassen sich am wirkungsvollsten vom Boot aus mit mehreren kleinen Streamern beangeln, mit denen Brutfische nachgeahmt werden sollen.

Da die Wasserqualität in betonierten Talsperren hervorragend ist, sind die Forellen meist wohlgenährt und gesund – schließlich steht ihnen eine reiche Auswahl der verschiedensten Wassertiere als Nahrung zur Verfügung.

 

Schnecken

Schnecken fressen Algen, Insektenlarven und Fischeier; sie bilden eine wichtige Nahrungsgruppe. Man findet sie in der Nähe von Krautbetten und in schlammigen Bereichen.

 

Daphnien

Daphnien (Wasserflöhe) sind außerordentlich wichtige Glieder in der Nahrungskette. Große und kleine Forellen sind wild auf diese proteinreichen Tierchen. Daphnien sind zwar klein (3 mm), aber sie vermehren sich rasend schnell, besonders im Hochsommer. Da sie kein helles Licht mögen, begeben sie sich nachmittags in die tieferen Bereiche der Talsperre und kommen mit abnehmendem Licht wieder näher an die Oberfläche. Daphnien tragen mehr als alle anderen Nahrungselemente zur Größe und Kraft der Regenbogenforellen bei.

 

Stechmücken

Stechmücken (Chironomiden) sind neben den Daphnien die zweitwichtigsten Futtertierchen. Wenn man gegen Saisonende den Mageninhalt eines Fisches untersucht, kann man feststellen, dass er voller Zuckmücken Larven (die Larve der Stechmücke) ist. Am Queen Mother Reservoir schlüpfen die Zuckmücken Larven im April in großer Zahl, während es von Mai bis Juni ruhiger wird. Zwischen Juli und Oktober nimmt die Schlüpf Tätigkeit wieder zu – das Wasser kocht dann abends förmlich von den vielen Zuckmücken Larven.

 

Bachflohkrebse

Bachflohkrebse sind eine gute Nahrungsquelle für Forellen zu Saisonbeginn und – ende, wenn die Aktivität der Insekten geringer wird. Man findet sie am Grund der Talsperre und zwischen Kraut und Pflanzenteilen.

Regenbogenforellen

Angeln an Talsperren. Wer solche Regenbogenforellen (0,9 kg) im Hochsommer fangen will, muss tiefe Stellen mit einem Boot befischen und der Schnur viel Zeit zum Absinken geben.

 

Angeln an Talsperren – Nichtedelfische

Nichtedelfische wie Stichlinge, Kaul- und Flussbarsche sowie Groppen sind in den meisten Talsperren zahlreich vorhanden – selbst wenn sie nicht eingesetzt werden. Der Fischlaich verfängt sich im Gefieder von Wasservögeln. Wenn diese von Wasser zu Wasser fliegen, werden viele Nichtedelfische von Enten, Blässhühnern und Gänsen in Talsperren Flüsse eingebracht. Von ihnen ernähren sich Forellen besonders im Winter und im zeitigen Frühjahr.

 

Nachfolgend einige Ratschläge für erfolgreiches Angeln an Talsperren mit betonierten Ufern

Nach einem kalten Winter haben sich die überwinterten Forellen und auch die eingesetzten ins tiefe, wärmere Wasser zurückgezogen. Hier, in etwa 12 m, sollte man jetzt fischen. Wer im tiefen Wasser am Grund angelt, muss bedenken, wie lange die Schnur benötigt, um abzusinken. Viele Angler missachten dies. Die Fliege bzw. der Streamer müssen immer auf einer Ebene mit der Forelle angeboten werden. Am besten benutzt man eine Uhr, oder man zählt. Wenn man mit einer extra schnell sinkenden Schnur angelt, die 15 cm pro Sekunde absinkt, und wenn die Wassertiefe 12 m beträgt, so ist die Schnur nach einer Minute und 20 Sekunden am Grund.

 

Beim Fischen im tiefen Wasser (über 12 m) muss das Boot verankert werden.

Nach einem milden Winter mit nicht zu niedrigen Wassertemperaturen kann man so manchen Fisch in Tiefen zwischen 12 m und Ufernähe antreffen. Die überwinterten Fische sind in den tiefsten Bereichen und stehen direkt über dem Grund, wo sie sich von Zuckmücken Larven, Bachflohkrebsen und Fischbrut ernähren. Zu den Taktiken unter diesen Bedingungen zählt das Fischen mit einer extra schnell sinkenden Schnur und kleinen Streamern wie der „Boobie-Fly“, die man am Grund entlang führt.

In der Saisonmitte verwendet man am besten eine schwimmende Schnur, ein langes Vorfach (15 ft=4,6 m) und eine Nymphe. Die Forellen fressen jetzt vor allem Daphnien sowie Zuckmücken- und Köcherfliegenpuppen. Durch beständigen Wind können sich Daphnien und Stechmückenpuppen in einem Bereich der Talsperre ansammeln. Wer mit Rückenwind auswirft, hat es leichter als beim Kampf gegen den Wind. Doch das Werfen gegen den Wind macht sich in Form schöner Forellenfänge bezahlt.

In der Spätsaison angelt es sich am Ufer der Talsperre am besten, besonders wenn die Forellen die Fischbrut gegen die Einfassung des Betonbeckens drängen. Nach den ersten Frösten suchen die Forellen den Schutz des tiefen, warmen Wassers auf. Die meisten Angler packen deshalb Ende September ihre Angelsachen weg. Doch für einen Angler an einem Reservoir wäre dies Unsinn. Die Talsperre ist wie eine riesige Thermosflasche. Das warme Wasser bleibt lange Zeit warm und das kalte Wasser lange Zeit kalt.

Die Landung einer Forelle

Angeln an Talsperren. Die Landung einer Forelle am Betonufer einer Talsperre ist nicht einfach. Man muss sich vor dem rutschigen grünen Rand in Acht nehmen.

 

Am Gewässergrund

Für das Angeln am Grund einer Talsperre sollte man keine mittelschnell oder langsam sinkende Schnur verwenden. Mittelschnell und langsam sinkende Schnüre sind wegen ihrer geringeren Materialdichte nicht sehr schwer. Die Folge: Beim Einholen hebt sich die Schnur vom Grund ab, und die Fliege wird in mittlerer Wassertiefe angeboten, wo man sie gar nicht haben möchte. Viele Angler sind der Ansicht, dass sich extra schnell sinkende Keulenschnüre besser zum Angeln am Grund eignen als Schuss Kopf-Schnüre, weil Keulenschnüre auf beinahe der ganzen Länge am Grund liegen. Das am Schuss Kopf angebrachte Monofil-Schnurstück steigt im Wasser gern auf.

 

Ein häufiger Fehler beim Angeln an Talsperren

Viele Angler beachten nicht, dass Farbe und Gewicht einer Fliege wichtiger sind als der Fliegentyp und die richtige Wassertiefe. Vor Beginn des Angelns sollte man sich also fragen: „Kann ich in diesem Bereich mit meinem Angelgerät erfolgreich fischen?“

Überwinterte Regenbogenforelle

Angeln an Talsperren. Makellose, kapitale überwinterte Regenbogenforellen wie diese machen betonierte Talsperren für Fliegenfischer so interessant.

 

Tipp für das Angeln an Talsperren

Bevor man das Angeln an Talsperren beginnt, sollte man mit dem Fischereiaufseher plaudern.  Er kennt die Besonderheiten der Talsperre und kann wertvolle Tipps geben.

 

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