Stauseen im Winter, die Zeit der Raubfisch-Experten

Stauseen im Winter auch wenn auf den ersten Blick öd und langweilig erscheinen mögen, so sind sie doch immer eine Reise wert

Stauseen im Winter denn der Winter ist die Zeit der großen Raubfische.

Stauseen im Winter

Stauseen im Winter. Dieses Wasser mag abweisend und eintönig erscheinen, und dennoch sind schöne Winterfänge hier kein Problem. Am Grund einer Talsperre finden sich viele Besonderheiten, die für Fische interessant sind, z. B. versunkene Hecken und alte Gebäude.

Gestaute Bäche oder Flüsse sind für jeden Angler eine wahre Freude, denn diese Seen, die vom Menschen geschaffen wurden, sind nicht nur anglerisch, sondern auch im Sommer landschaftlich sehr reizvoll. Mit dem Einbruch des Winters scheinen allerdings viele Stauseen im Winter ihren Reiz zu verlieren. Die Wasserfläche ist weit und leer, und fast bekommt man den Eindruck, als müsse man auf gut Glück drauflos angeln, denn wie soll man jetzt noch die Fische finden? Doch so schlimm ist es keineswegs. Es gibt durchaus Anhaltspunkte und Regeln, wie man bei Stauseen im Winter vorgehen sollte.

 

Besonderheiten an Stauseen im Winter entdecken

Die für das Auffinden von Fischen interessanten Landschaftsmerkmale sind bei Stauseen im Winter nicht so leicht zu entdecken wie an anderen Gewässern. Es gibt keine Inseln und keine sichtbaren, nah unter der Wasseroberfläche liegenden Sandbänke, und die meisten Krautbetten sind bei Einbruch des Winters bereits abgestorben (sofern es im Sommer überhaupt welche gegeben hat).

 

Staumauer und Überlaufturm

Die einzigen sichtbaren Anhaltspunkte an einem Stausee sind die Staumauer und der Überlaufturm. Die unmittelbare Umgebung dieser beiden Bauwerke kann im Winter eine hervorragende Angelei bieten. Von der Staumauer aus kann man das tiefe Wasser leicht erreichen. Hierher zieht es im Winter viele Fische; sie leben von den Nahrungspartikeln, die sich am Fuß der Mauer angesammelt haben. Auch der Überlaufturm bietet den Fischen Schutz und Futter.

Viele Angelfische finden reichlich Nahrung inmitten der Algen, die am Sockel und an den Wänden des Überlaufturms wachsen. Diese Algen gewähren auch zahlreichen Insekten Schutz, von denen sich wiederum Rotaugen und Brassen gern ernähren. Durch den Schutz des Überlaufturms werden im Winter auch zahlreiche kleine Fische und Fischbrut angelockt, die ihrerseits die beiden wichtigsten Raubfische in Stauseen, Hecht und Barsch, auf sich aufmerksam machen.

Stauseen im Winter

Stauseen im Winter. Plötzlich einsetzendes warmes Wetter kann im Winter schöne Fänge bringen. Der Temperaturanstieg regt die Fresstätigkeit der meisten Fische an. Wenn es sehr mild ist, werden sogar die Rotaugenschwärme eine Zeitlang ins flache Wasser zurück gelockt; dabei bevorzugen sie im Winter eigentlich die tieferen Stellen.

Stauseen im Winter

Stauseen im Winter. Eine zugefrorene Angelstelle ist noch lange kein Grund zu verzweifeln – nach wenigen Stunden hat die Sonne den See vom Eis befreit, und dann winken wieder schöne Fänge.

 

 

Tipp Stauseen im Winter

Der Winter ist die Zeit der Raubfisch-Experten, vor allem der Hechtangler. An vielen Talsperren und Stauseen im Winter lohnt die Anreise nur dann in der kalten Jahreszeit, wenn das Kraut abgestorben ist. Eine Winterreise an einen Stausee, wie zum Beispiel die Hohenwarte-Talsperre in Thüringen, muss bestens geplant werden. Wer kein eigenes Boot mitbringt, muss reservieren. Das geschieht bei der Vorbestellung der Angelerlaubnis. Meist kann man auch Gewässerkarten bekommen, die Tiefenlinien zeigen.

Echolote sind Erfolgsgaranten (vorher nach möglichen Verboten fragen). Das Wichtigste für das Angeln an Stauseen im Winter sind Tipps von ortsansässigen Anglern. Es lohnt sich immer, in örtlichen Angelgeschäften nachzufragen. Auch Fremdenverkehrsämter vermitteln fast immer einen Angelexperten, der auch telefonisch Auskunft gibt. Die wichtigste Frage ist natürlich.

Wann werden Hechte (Zander, Barsche) gefangen? Wer eine Reise plant, sollte nur bei optimalen Wetterbedingungen fahren. Dazu genügt ein kurzer Anruf, und man erfährt, ob ungünstiger Ostwind herrscht. In dem Fall kann man zu Hause bleiben. Wer bei falschem Wind im Boot sitzt, fängt nichts, friert und ärgert sich nur.

 

Versunkene Dörfer in Stauseen im Winter

Echte Talsperren entstanden durch das Fluten von Tälern, die in vielen Fällen besiedelt waren. Unter der Oberfläche solcher Stauseen bieten die Reste versunkener Hecken, Straßen und Zäune, Scheunen und Brücken, die über das ursprüngliche Flussbett führten, hervorragenden Fischstandplätze. Solche fangversprechenden Stellen findet man am ehesten, wenn man sich alte Landkarten ansieht, die das Gebiet vor dem Fluten des Tals zeigen. Einfacher ist es natürlich, sich die Stellen von Einheimischen zeigen zu lassen.

Vom Boot aus

Wo das Fischen vorn Boot aus erlaubt ist, hat sich das Echolot als unschätzbare Ausrüstung, bewährt. Damit sucht man den Grund nach Gräben und Erhebungen ab, oder man macht das alte Flussbett ausfindig. An solchen Stellen können sich immer Fische aufhalten. Steilabfälle sind besonders interessante Sammelplätze für fast alle Fischarten. Ein sorgfältig platzierter Köder am Fuß eines Steilabfalls kann für schöne Fänge sorgen.

 

Das Wetter beobachten

Während der kalten Wintermonate sollte man die Flachwasserbereiche nicht befischen. Wenn es richtig kalt ist, halten sich in den Flachwasserbereichen eines Stausees praktisch überhaupt keine Fische auf, daher wäre es reine Zeitverschwendung, dort zu fischen. Hier bewahrheitet sich wieder einmal der nicht zu widerlegende Spruch: „Man kann den Fisch nicht fangen, wenn er nicht da ist.“ Allerdings kommt es vor, dass die Fische bei milderem Winterwetter gelegentlich in Flachwasserbereiche zurückkehren. Das zeigt, dass auch das Wetter bei der Fischsuche eine wichtige Rolle spielt.

Jede Fischart reagiert anders auf die Wetterbedingungen im Winter. Wie im Sommer folgen die meisten Fische auch im Winter dem Wind. Rotaugen- oder Brassen Angler sollten sich nicht scheuen, direkt gegen den Wind zu fischen. Nur allzu viele Angler machen den. Fehler, sich zum Fischen die am besten geschützten und bequemsten Stellen auszusuchen doch so macht man keine Beute.

Alle Fische scheinen auf einen plötzlichen Temperaturanstieg positiv zu reagieren. Wenn es eine Zeitlang kalt war, kann unvermittelt einsetzendes milderes Wetter mit höheren Temperaturen die meisten Fische zum Fressen anregen, und dies ist die beste Angelzeit. Ein plötzlicher Kälteeinbruch kann das Gegenteil bewirken die meisten Fische stellen ihre Fresstätigkeit ein und nehmen sie erst dann wieder auf, wenn sich die Temperatur nach einigen Tagen stabilisiert hat. Die wichtigsten Fischarten in Stauseen sind Hechte, Barsche, Zander, Rotaugen und andere Weißfische.

 

Hecht

Diese Fischart entwickelt wahrscheinlich die stärkste Fresstätigkeit von allen. Der Hecht nimmt den ganzen Winter hindurch Nahrung auf, bei allen Witterungs- und Wasserverhältnissen, und zwar von den Oktobertagen mit milden Winden bis hin zum Winter mit Eis und Schnee. Allerdings gehen die Fänge bei zunehmender Kälte etwas zurück. Im Winter bevorzugen Hechte das tiefere Wasser und bleiben am liebsten in der Nähe der Staumauer und des Überlaufturms.

Wo sich Fischbrut oder Schwärme von Kleinfischen aufhalten, sind die Hechte normalerweise nicht weit. Hechte kann man in Stauseen mit allen normalen Methoden fangen, wobei Köderfische am fängigsten sind. Mit einer Segelpose lassen sich auch abgelegene Standplätze erreichen, wie etwa Steilabfälle außerhalb der Wurfweite.

Stauseen im Winter

Stauseen im Winter. Der Hecht ist im Winter die beste Beute des Stauseeanglers. Kapitale Exemplare, wie diese 9,7 kg schwere Schönheit, lassen sich bei fast jedem Wetter mit Köderfischen fangen.

 

Tipp Wälzer und Steiger

Bei der Fischsuche im Winter muss man auch auf sich wälzende und an die Oberfläche steigende Fische achten oder Angler an anderen Plätzen beobachten. Im Winter trifft man auf Hechte, Rotaugen und Brassen, doch wenn die Witterung plötzlich milder wird, kann man mit etwas Glück auch einen der Sommerfische fangen: Karpfen, Rotfedern oder Schleien.

Stauseen im Winter

Stauseen im Winter. Sonnenuntergang am Stausee. An Stellen, die etwas Schutz bieten, lohnt sich die Fischsuche ganz besonders. Rotaugen und Brassen fängt man am besten im Morgen-grauen oder am Abend mit Tauwurm, Brot oder Maden.

 

Barsch

Ähnlich wie Hechte suchen auch Barsche die Nähe zur Fischbrut, doch sie halten sich auch gern in Hänger trächtigen Bereichen auf, wie am Überlaufturm, an ehemaligen Gebäuden oder Mauern, an denen es geschützte Stellen gibt. Die besten Köder auf Barsch sind Tauwürmer, kleine Köderfische oder Spinnköder. Während der kältesten Wintermonate sollte man nicht auf Barsche angeln. Die beste Fangzeit ist von Mitte Oktober bis Anfang Dezember, bevor die ersten strengen Fröste auftreten, und dann wieder im Februar und März, wenn es auf den Vorfrühling zugeht und das Wetter gegen Ende der Saison wieder wärmer wird.

 

Brassen und Rotauge

Diese beiden Fischarten verhalten sich im Winter ganz ähnlich wie Barsche. Beide ziehen in großen Schwärmen durch das tiefere offene Wasser oder schwimmen an der Staumauer entlang. Die Brassen verfolgen auch gern den Verlauf des alten Flussbetts. Sowohl Brassen als auch Rotaugen haben etwas gegen Eiseskälte. Die besten Angelbedingungen liegen dann vor, wenn das Wetter rau und windig und das Wasser nach einem heftigen Regen getrübt ist. Tauwürmer, Brot und Maden sind die besten Köder auf Brassen und Rotaugen. Optimal ist es, wenn man diese Köder im Morgengrauen und am Abend bis wenige Stunden nach Einbruch der Dunkelheit anbietet (falls dies an dem betreffenden Stausee erlaubt ist).

 

Am schwierigsten: der Zander in Stauseen im Winter

Wer Zander im Winter in Stauseen fangen will, braucht nicht nur genaueste Ortskenntnis. Man muss auch wissen, wo sich die Zander gerade aufhalten. Besonders in Stauseen haben Zander nämlich je nach Jahreszeit andere Standplätze. Wer auf gut Glück angelt, hat meist keine Chance. Da hilft nur der Ratschlag ortsansässiger Angler.

 

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