Specimen-Hunting auf große Aale, der Zeitpunkt ist wichtig

Specimen-Hunting auf große Aale, die meisten großen Aale werden zwischen Juni und September gefangen.

Beim Specimen-Hunting auf große Aale geht es nicht um Schnürsenkel-Aale, die aus der Schnur einen grauenvollen Schleimballen machen.

Specimen-Hunting auf große Aale, der Zeitpunkt ist wichtig

In den meisten stehenden Gewässern gibt es große Aale. In der Nähe von Inseln, Krautbetten, umgestürzten Bäumen oder in Krautbetten halten sie sich besonders gern auf.

 

Einmal und nie wieder

Im Gegensatz zu kapitalen Karpfen und Hechten werden große Aale in England fast nie mehrfach gefangen. Große Karpfen und Hechte sind durch das typische Schuppenmuster und die Zeichnung natürlich leichter wiederzuerkennen als ein Aal. Aber wahrscheinlich stimmt es, dass große Aale nur sehr selten mehr als einmal gefangen werden. Nur weiß niemand genau, warum dies so ist.

Erst wenn man einen wirklich großen Aal gefangen hat eine „Schlange“ von einem Kilo oder mehr kann man verstehen, was diesen außergewöhnlich kräftigen Fisch so interessant macht. Andere Fischarten, wie Karpfen und Barben, kämpfen ausdauernd und kraftvoll, aber früher oder später ermüden sie und können in den Unterfangkescher geführt werden. Aale hingegen geben niemals auf der Kampf geht bis zum letzten Zentimeter Schnur.

 

Wo man große Aale findet

Sie werden selten gefangen und manchmal gar nicht beachtet, doch gibt es in den meisten Gewässern große Aale. Alle kapitalen Aale zwischen fünf und zehn Pfund stammen aus kleinen Gewässern aus Weihern zum Beispiel. Deutschlands Rekord-Aal (6,04 kg) kommt aus der Niepkuhle bei Krefeld. Unabhängig von der Gewässerart fühlen sich große Aale immer am wohlsten in der Nähe von Inseln, Felsen, Krautbetten, unterspülten Ufern und umgestürzten Bäumen. Gerne graben sie sich auch im weichen Schlamm, feinen Kies oder Sand ein.

 

Auf den Zeitpunkt kommt es an

Die meisten großen Aale werden zwischen Juni und September gefangen.

Die besten Zeiten sind: eine Stunde vor Sonnenuntergang bis gegen Mitternacht und dann wieder in der Frühe eine Stunde vor Morgendämmerung bis Sonnenaufgang. Gelegentlich werden im Winter beim Hechtangeln mit totem Köderfisch oder auch beim Boilie-Fischen ganz große Aale gefangen.

Lockstoffe mit Fisch oder Krabbenaroma scheinen am besten zu sein. Zum Aalangeln sind praktisch alle Wetterlagen geeignet, vom heißen, feuchten Klima mit bedecktem Himmel bis hin zu bitterkalten, sternklaren Nächten. Doch abgesehen vom Wetter sollte die Wassertemperatur grundsätzlich zwischen 10 und 18 °C liegen. Nicht höher und nicht tiefer.

Man hat herausgefunden, dass Aale bei bedecktem Himmel und schlechter Sicht unter Wasser immer am Grund nach Nahrung suchen, wobei sie mit ihrem fein entwickelten Geruchssinn die Beute aufspüren. Ist der Himmel jedoch klar besonders bei Vollmond jagen Aale häufig auch aktiv in mittlerer Wassertiefe und in der Nähe der Oberfläche, wobei sie nach Fischbrut suchen.

 

Standard-Laufblei-Montage zum Specimen-Hunting

Specimen-Hunting auf große Aale

Specimen-Hunting. Dieses Rig eignet sich für Gewässer mit wenig Schlamm und Kraut bei bedecktem Himmel, wenn die Sicht schlecht ist und die Aale am Grund nach Nahrung suchen. Immer ein Drahtvorfach verwenden!

Specimen-Hunting auf große Aale

Specimen-Hunting. Zwei beliebte Köder zum Aalangeln Tauwürmer

Specimen-Hunting auf große Aale

Specimen-Hunting. Ein halber Sandaals. Aale haben einen fein entwickelten Geruchssinn, daher ist es sinnvoll, die Duftspur des Köders durch Eintauchen in Flavour (Aromamittel) zu verstärken.

Das Gerät

Ein großer Aal ist ein ungeheuer starkes Tier, und die Ausrüstung des Anglers darf keinerlei Schwachstellen haben. Ruten: Zum Aalangeln eignet sich jede Karpfen- oder Hechtrute. Zum Distanzfischen nimmt man am besten eine Rute mit schneller Verjüngung und Spitzenaktion, damit der Haken auf große Entfernungen gut gesetzt werden kann.

Zum Angeln im Uferbereich empfiehlt sich eine weichere Rute mit durchgehender Aktion, um die Schnur beim Anschlag abfedern und den Zug eines großen Aals auf kurze Distanz aufnehmen zu können. In beiden Fällen sollte die Rute etwa 3,3-3,6 m lang sein.

Rollen zum Specimen-Hunting

Das Angebot an geeigneten Stationärrollen ist sehr groß. Baitrunner-Rollen haben den großen Vorteil, dass ein beißender Aal ohne Widerstand mit dem Köder abziehen kann, während der Schnurfangbügel geschlossen ist. Die Spule sollte in jedem Fall gut 200 m Schnur von 4,5-5,4 kg Tragkraft fassen. Wer mit multifiten Schnüren fischt, muss eine Qualitätsrolle nehmen, die ein extrastarkes Getriebe hat. Eine alte, gebrauchte Rolle (z. B. „Quick Finessa 330P“) ist oft besser als eine moderne Rolle mit Aluminiumgetriebe.

Schnur zum Specimen-Hunting

Sie muss hochwertig und geschmeidig sein und mindestens einmal in der Saison gewechselt werden. Ab der 4-kg-Klasse eignen sich multifile Schnüre auch gut.

Specimen-Hunting auf große Aale

Specimen-Hunting. Aale sind Muskelpakete und haben die einzigartige Fähigkeit, rückwärts zu schwimmen. Wenn man Schnur gibt, wickeln sie sich mit dem Schwanz um einen Ast und klammern sich dort fest. Damit ist für den Angler die Partie verloren.

 

Laufblei-Montagen für weichen Grund

Specimen-Hunting auf große Aale, der Zeitpunkt ist wichtig

Gewässer mit dicker, weicher Schlammschicht oder krautbedecktem Grund. Das Bambusstöckchen verhindert, dass das Vorfach im Schlamm oder Kraut einsinkt, so dass ein beißender Aal keinen Widerstand fühlt.

Specimen-Hunting Vorfächer

Wer mit totem Köderfisch auf Aal angelt, muss unbedingt ein Drahtvorfach verwenden, weil jederzeit ein Hecht den Köder aufnehmen könnte. Ebenso sollte man beim Wurmangeln Drahtvorfächer verwenden, weil die vielen kleinen Bürstenzähne des Aals dicke Nylonschnüre leicht durchscheuern.

Haken und Köder beim Specimen-Hunting

Die meisten großen Aale werden mit Tauwürmern, Mistwürmern, Butterkrabben und Fischstücken gefangen. Die Hakengröße muss stets der Ködergröße angepasst werden. Empfehlenswert sind geschmiedete Öhrhaken der Größen 2-10.

 

Wenn es losgeht

Große Aale sind misstrauisch und lassen den Köder beim geringsten Widerstand los. Daher müssen die Rigs und Bißanzeiger ein freies Abziehen mit dem Köder ermöglichen.

Bißerkennung beim Specimen-Hunting

Der Angler sollte die Rollenbremse aufdrehen oder die Baitrunner-Funktion einschalten (oder den Schnurfangbügel öffnen, falls die Rolle diese Funktion nicht besitzt) und einen Kletteraffen und elektronischen Bißanzeiger verwenden. Bei starkem Wind oder kräftiger Strömung arbeitet man mit einem Schnurclip, um Fehlbisse zu vermeiden.

Specimen-Hunting Rigs

Das Endgeschirr ist der wichtigste Teil des Geräts. Die einfachste und am häufigsten verwendete Montage zum Angeln auf Grund ist eine gewöhnliche Laufbleiangel. An Gewässern mit einem dicken, weichen Schlamm- oder Krautteppich sollte ein dünnes, 30 cm langes Bambusstöckchen (Gartenhandel) eingearbeitet werden, damit das Vorfach nicht durch das Gewicht des Bodenbleis in das Kraut oder in den Schlamm gezogen wird.

Wenn das passiert, spürt ein beißender Aal den Widerstand und lässt den Köder fallen, bevor man anschlagen kann. Im Schlamm versinkende Montagen sind die häufigste Ursache für Fehlbisse.

Rig für Mittel- bis Oberwasser

Specimen-Hunting auf große Aale

Specimen-Hunting. Dieses Rig empfiehlt Brian Crawford für sternenklare, mondhelle Nächte, in denen die Aale häufig im mittleren bis oberen Wasserbereich jagen.

 

Zum Aalangeln in mittlerer Wassertiefe oder in Oberflächennähe hat sich das Rig für Mittel-bis Oberwasser bewährt. Es beinhaltet einen Auftriebskörper an einem Stück Plastikschlauch sowie einen abgewandelten, geschlossenen Swimfeeder. Den Swimfeeder kann man mit Watte füllen, die man zuvor mit dem gewünschten Flavour (Aromamittel) tränkt.

Man kann diese Rigs auch in Fluchtmontagen („Bolt-Rigs“) umwandeln, indem man oberhalb des Bodenblei-Seitenarms einen Wirbel an der Hauptschnur anbringt. Dies empfiehlt sich, wenn man nervöse Bisse von Aalen bekommt, die den Köder noch vor dem Anschlag loslassen, oder beim Angeln in unmittelbarer Nähe eines Hänger trächtigen Grundes.

 

Wenn der Aal beißt

Ist das Gerät richtig montiert, spürt ein Aal beim Biss keinen Widerstand und läuft mit dem Köder ab. Dadurch bekommt man viel Zeit für den Anschlag, doch ein wirklich waidgerechter Aalangler schlägt immer sofort an, damit der Fisch den Haken nicht schluckt. Sobald ein Aal gehakt ist, muss man einen Moment warten, um seine Größe beurteilen zu können, dann langsam die Rute senken und dabei Schnur einholen.

Kurz darauf unterbricht man das Kurbeln und hebt die Rute wieder an. Mit dieser Pumpbewegung fährt man fort, bis der Fisch in Ufernähe kommt. Große Aale setzen manchmal unvermittelt zur Flucht an. Doch Schnur sollte man immer erst als letzte Möglichkeit geben. Wenn der Aal ein Versteck erreicht hat und seinen Schwanz um einen Ast wickelt, ist normalerweise alles vorbei.

Specimen-Hunting auf große Aale

Specimen-Hunting. Der Unterfangkescher kann zum Aalangeln gar nicht groß genug sein. Nichts ist schlimmer, als den Aal der Saison zu drillen und ihn zu verlieren, nur weil das Netz nicht groß genug ist, um den Schwanz des Fisches über den Rand zu bekommen.

 

Tipp Brians Bilanz

Brian Crawford hat Hunderte großer Aale gefangen, darunter fünf über 1,8 kg und einen mit 2 kg. Er hatte schon des Öfteren mit viel größeren Aalen gekämpft und dabei das Nachsehen. Einmal gelang es ihm, einen Riesen über den Rand des Keschers zu führen, doch dabei wurde der Haken unter dem enormen Druck geradegebogen. Aber Brian hat die Hoffnung nicht aufgegeben.

 

Blitzschnelle Flucht

Manch großer Aal hat direkt vor dem Unterfangkescher doch noch die Flucht ergriffen. Es genügt nicht, nur den Kopf oder einen Großteil des Körpers über den Rand des Keschers zu führen. Man muss das Netz schon eintauchen und warten, bis sich der Aal in voller Länge darüber befindet. Dann senkt man ‚die Rute ein wenig, damit der Aal rückwärts und nach unten schwimmen kann. Fühlt er mit seinem Schwanz die Maschen, hält er das Netz für einen Ast und schwimmt noch tiefer hinein.

Aale nutzen jede Chance zur Flucht, deshalb muss man sofort vom Ufer zurücktreten, bevor man das Netz auf den Boden legt, sonst ist der Fang blitzschnell wieder im Wasser. Um den Haken zu lösen, lässt man den Aal im Netz.

 

Tipp Zaghaft

Beißen die Aale trotz richtiger Montage zaghaft oder lassen den Köder los, spüren sie vielleicht das Drahtvorfach. Das lässt sich verhindern, indem man ein kurzes Stück Silikonschlauch direkt am Haken über den Draht zieht.

Specimen-Hunting auf große Aale

Specimen-Hunting. Ein Specimen-Aal ist ein wirklich herrlicher Anblick. Solche Aale gibt es in vielen Gewässern, und sie zu finden, ist ein Geduldsspiel, das die lange Wartezeit wert ist!

Kleine Aale fasst man mit einem feuchten Tuch an und löst den Haken mit einem Hakenlöser oder einer Arterienklemme. Große Aale legt man zur Beruhigung auf den. Rücken und löst den Haken dann mit der Arterienklemme. Ist der Haken nicht mehr zu sehen, muss man das Vorfach durchschneiden. Niemals darf man im Aalrachen herumstochern oder versuchen, den Haken herauszuziehen.

Specimen-Hunting auf große Aale

Specimen-Hunting. Sämtliche gefangenen Aale, ganz gleich, ob es Schnürsenkel oder große „Schlangen“ wie dieses Prachtexemplar sind, müssen so respektvoll behandelt werden, wie es dieser geheimnisvollen und kämpferischen Fischart gebührt. In England werden sie zurückgesetzt.

 

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