Bootsliegeplätze und kleine Häfen in Flüssen

Wo Boote liegen, leben auch Fische, zwar verscheucht die Hektik der im Sommer die Fische, aber im Winter, ziehen Bootsliegeplätze Fische an

Um es gleich vorwegzunehmen, Bootsliegeplätze und kleine Häfen gehören in Mitteleuropa zu den besten Angelplätzen überhaupt. Kapitale Karpfen von mehr als 40 Pfund, armdicke Aale und riesige Welse können dort gefangen werden. Für die Fische bieten diese Gewässer wärmeres Wasser, Futter und Schutz vor dem Bootsverkehr auf den Flüssen. Für die Angler von Vorteil: Die ein – und auslaufenden Boote verhindern, dass Kraut in den Häfen wächst. Man kann hier also hervorragend fischen – vorausgesetzt, man kennt sich aus und weiß den richtigen Zeitpunkt. Es lohnt sich also, nach einer Erlaubnis zum Fischen zu fragen.

Bootsliegeplätze

Bootsliegeplätze

Ein kleiner Yachthafen mit einer schmalen Ausfahrt. Bevor man an einem solchen Gewässer fischen geht, sollte man es sich genau ansehen.


Das ganze Jahr Saison

Im Sommer herrscht in Yachthäfen rege Betriebsamkeit. Das verscheucht am Tage manchen Fisch. Außerdem haben viele Bootsbesitzer etwas gegen Angler und machen ihnen, auch wenn sie eine Angelberechtigung für das Wasser haben, das Leben schwer. In diesem Falle kann man nachts oder am frühen Morgen fischen oder sucht sich einen anderen Platz.

Im Winter sieht es ganz anders aus. Zu dieser Zeit steigt das Wasser häufig, und die Fische suchen Schutz bei den Booten. Rotaugen, Hasel und Döbel stehen statt im Kraut jetzt lieber unter Booten, die dort vor Anker liegen. Besonders vielversprechende Angelplätze befinden sich in der Nähe von Hausbooten. Ihre Generatoren erwärmen das Wasser, und das lockt die Fische an. Oft werden von den Hausbooten Essensreste ins Wasser geworfen. Vor den Küchenfenstern ist das Angeln deshalb meist besonders erfolgreich.

Bootsliegeplätze

 

Im Schilf gibt es Rotfedern und Rotaugen. Im Winter, wenn der Fluss steigt, suchen viele Fische Schutz bei den Bootsliegeplätzen. Hechte warten unter den Booten auf Beutefische. Große Barsche und Hechte lauern auf Rotaugen und Brassen, die unter den Booten Schutz suchen.

 

 

Nachts auf Kapitale

Segeln und Motorbootfahren gehört zu den Freizeitaktivitäten, die immer beliebter werden. Jedes Jahr entstehen neue Liegeplätze. Wer die Möglichkeit hat, an einem solchen Yachthafen in der Nähe zu fischen, sollte die Chance nutzen. Oft werden diese neuen Liegeplätze nachts von großen Fischen aufgesucht.

An einigen Flüssen Mitteleuropas haben sich regelrechte Angler-Crews gebildet, die nachts auf Kapitale fischen. Dort sieht man dann meist Taschenlampen zucken. Wer dort fischen will, der sollte mit diesen Anglern das Gespräch suchen. Oft haben sie die Erlaubnis, dort zu fischen, erst nach langen Verhandlungen mit den Bootsbesitzern erhalten.

Diese Art der Fischerei auf Kapitale erfordert allerdings extra starkes Gerät. Es wird zum Teil mit Schnüren bis zu einem Durchmesser von 0,50 mm und Brandungsruten gefischt, um den Kapitalen keine Möglichkeit zu geben, sich zwischen den Pfählen festzusetzen.

Bootsliegeplätze

Bootsliegeplätze

Wer vor einer solchen Halle angeln darf, kann auf eine Schule guter Fische rechnen. Die Fische suchen hier Schutz.

Hochsaison

An Bootsliegeplätzen herrscht im Sommer ein geschäftiges Treiben – die Boote kommen und gehen, wühlen den Schlamm auf – das Wasser wird trüber als in vergleichbaren Gewässern.

Die besten Ergebnisse erzielt man im Sommer, wenn die Boote ruhig liegen. Nachts und morgens kommen die Fische aus dem Fluss in die Häfen, um dort nach Nahrung zu suchen. Welche Fische dort vorkommen, hängt von der Geschichte des Hafens ab. Es gibt Häfen, die aus ehemaligen Teichen oder kleinen Seen entstanden, die in der Nähe von Flüssen lagen und ausgebaut wurden. Ein kleiner Kanal verbindet sie mit dem Fluss.

In solchen Häfen, leben mehr und größere Fische: Karpfen, Brassen, Schleien. Diese Fische haben sich daran gewöhnt, nachts und in der Dämmerung im offenen Wasser des Hafens Nahrung zu suchen. All diese Fische gehen sofort in Deckung, wenn der Bootsverkehr beginnt. Deshalb sollte man, bevor man angeln geht, immer das Gewässer testen. Wer dabei ein Katapult mitnimmt, kann angefeuchtete Brotstücke weit in den Hafen schießen. Sie werden sich wundern, welch kapitale Karpfen und kapitale Rotaugen plötzlich mitten im Hafen auftauchen können!

Die kleineren Rotaugen, kleinen Brassen und Rotfedern gehen auch am Tage auf Nahrungssuche. Sie sind meist im flacheren Wasser oder bei Wasserpflanzen zu finden. Wo es Wasserrosen in der Nähe von Bootsliegeplätzen gibt, kann man auch am Tage Karpfen beobachten. Große Karpfen stehen tagsüber oft auch weitab von den Booten an der Wasseroberfläche und halten den Rücken in die Sonne.

In vielen Bootsliegeplätzen gibt es gute Stellen für Hechte und Barsche. Diese stehen meist im Versteck, um sich ihre Nahrung aus den Schulen zu holen. In manchen Häfen gibt es auch Uferbefestigung aus alten Wrackteilen, wo besonders Barsche ihren Unterstand haben.

Wer hier kapitale Barsche fangen will, sollte nachts mit der Spinnrute losgehen. Die kapitalen Barsche jagen fast ausschließlich nachts; sie mögen die Betriebsamkeit am Tag nicht. Prägen Sie sich dazu tagsüber das Hafengelände ein. Es hilft, wenn der Hafen nachts beleuchtet ist. Das nächtliche Fischen auf Barsch mit der Spinnrute gehört zu dem Spannendsten, was ein Bootsliegeplatz bieten kann. Die Barsche sind oft größer als erwartet. Das gleiche gilt meist für Zander.

Bootsliegeplätze

Wo Wasser aus dem Fluss hereinströmt, suchen Karpfen und Schleie Nahrung. Brassen stehen im tiefen Wasser, wo die Fließgeschwindigkeit gering ist.

Manchmal sind die Boote so dicht nebeneinander vertäut, dass man mit der abtreibenden Posenangel (Trotting) kaum fischen kann. Trotzdem sollte man es immer probieren – die abtreibende Brotflocke kann hier ganz große Erfolge bringen.

 

Testangeln

Jeder größere Fluss bei uns hat Bootsliegeplätze. Wer dort angeln will, sollte vorher das Gewässer beobachten. Oft kann man die guten Angelstellen erkennen, weil andere Angler dort sitzen. Nehmen Sie immer eine kurze Rute, um zwischen den vertäuten Booten fischen zu können. Eine kurze Quivertiprute (Zitterspitzenrute) ist genau richtig für diese Art der Fischerei. Mit der eingespließten Spitze bei der Quivertip-Rute kann man sehr gefühlvoll drillen – und auch kapitale Fische sicher landen.

 

Der Winter

Die Hochwasser im Winter machen aus Bootsliegeplätzen und Häfen ausgezeichnete Angelplätze. Jetzt bilden viele Fischarten Schulen. Sie halten sich mit Vorliebe unterhalb von Booten auf, die nicht benutzt werden. Das Wasser ist ruhiger und zieht mehr Brassen und Rotaugen an. Manchmal geraten Fische, wie Schleien, Karauschen und Karpfen sogar in eine Art Fressrausch, wenn mit dem Hochwasser ausgewaschene Nahrungsbrocken, wie Würmer, herangetragen werden. Diese Fische stehen dann meist dort, wo die Hauptströmung am Hafen vorbeizieht.

Mit dem Hochwasser kommen oft auch Döbel zu den Bootsliegeplätzen. Normalerweise halten sie sich in der Hafeneinfahrt auf. Es gibt Hochwasser, bei denen eine Menge Döbel Schutz im Hafen suchen.

Wenn das Wasser wieder klar wird, dann beginnen die großen Barsche und Hechte zu jagen. Sie bilden dazu meist kleinere Schulen, um Rotaugen und Brassen nachzustellen, die im Hafen Schutz gesucht haben. Wo es Bootsliegeplätze oder Häfen mit sehr vielen Brassen gibt, können Hechte respektable Größen erreichen. Das gleiche gilt für Barsche, wenn viele Rotaugen vorkommen.

Bootsliegeplätze

Bootsliegeplätze. Im Winter, wenn die Boote fest vor Anker liegen, ist es meist möglich, ganz dicht bei den Booten zu fischen. Bevor man an solchen Bootsliegeplätzen angelt, muss man herausfinden, wie hier die Strömung verläuft.

 

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