Gezeitenflüsse, Angelplätze, Ebbe, Flut

Berücksichtigt man die Wirkungen von Ebbe und Flut, so gelten für Gezeitenflüsse dieselben Gesetze wie für andere große Flüsse

Der von Ebbe und Flut beeinflusste Unterlauf eines Flusses gehört zu seinen interessantesten Abschnitten. Hier gibt es nicht nur jede Menge Fische, sondern auch einen großen Artenreichtum. Gezeitenflüsse weisen häufig steile Uferbefestigungen zur Eindämmung der Flut auf, während bei Ebbe großflächige Schlamm – und Kiesbereiche zum Vorschein kommen. Diese Besonderheit und die Tatsache, dass man bei aufkommender Flut beweglich sein muss, verderben vielen Anglern die Freude an Gezeitenflüssen. Aber wer ausharrt, wird reich belohnt.

Gezeitenflüsse, Angelplätze, Ebbe, Flut

Einer der berühmtesten Angelplätze Englands: die Themse bei Petersham. Hier wird der Fluss noch von den Gezeiten beeinflusst und bietet – keine 30 Autominuten von der Londoner City entfernt – eine ausgezeichnete Angelei.

 

Gezeitentabelle für Gezeitenflüsse kaufen!

Der Gezeitenbereich eines Flusses liefert oft die größten Fänge und die schwersten Specimen-Exemplare. Als Beispiel sei die Elbe genannt: Bei Brokdorf kann man Butt, Aal, Zander, Stint, viele Friedfische – besonders Brassen – und auch raubende Rapfen fangen. Und zwar in Stückzahlen und Gewichten, die sonst nicht so leicht vorkommen. Die Elbe hat hier einen Tidenhub von knapp zwei Metern. Es lohnt sich also, im Buchladen oder Angelfachgeschäft einen Gezeitenkalender zu kaufen.

Englische Angler berichten von der tidenabhängigen Themse: Dort kann man Brassenfänge von über 50 kg Gewicht machen, bei Hasel sind Fänge von über 20 kg keine Seltenheit. Große Rotaugen – und Specimen-Fänge sind keine Ausnahme – das gilt auch für Meeresfische. Eine Gezeitentabelle ist unentbehrlich, wenn das Fischen nicht zum Glücksspiel werden soll; mit Hilfe solcher Tabellen kann man den genauen Wasserstand zu einer gegebenen Uhrzeit bestimmen. Man sollte den Fluss zu jeder Gezeitenphase einmal besuchen und sich Notizen über interessante, fischträchtige Merkmale machen. Wer dabei anderen Anglern zusieht oder mit ihnen ins Gespräch kommt, kann so den Weg zum Erfolg sogar noch abkürzen.

Gezeitenzyklus: Höhe und Uhrzeit der Gezeiten richten sich nach der Beschaffenheit des Gewässers und nach den Mondphasen. An manchen Gewässern gibt es täglich vier Gezeitenwechsel. Hier kommt die Flut herein, steigt auf einen bestimmten Stand an (erste Flut) und fließt dann wieder zurück. Dieser Zyklus dauert etwa sechs Stunden und setzt dann mit der zweiten Flut wieder ein.

Die meisten Gezeitenflüsse wechseln die Gezeiten nur zweimal am Tag in Abständen von ungefähr 12 Stunden, wobei die Flut kontinuierlich ansteigt und wieder abfällt.

Welches Gewässer man auch gewählt hat, der Gezeitenwechsel verschiebt sich jeden Tag ein wenig nach vorn, so dass man sich stets den passenden Gezeitenstand aussuchen kann.

 

 

Fischbewegungen: Der Standort der Fische ändert sich mit den Gezeiten. Mit steigendem bzw. fallendem Wasser ändert sich der Charakter einer jeden Angelstelle ständig – Stillwasserbereiche verändern sich mit Ebbe und Flut. Oft wechseln Fischarten, die das stehende Wasser bevorzugen, nach dem Gezeitenwechsel den Standort, suchen Sie deshalb nach neuen Stillwasserbereichen. Bei Flut gehen die Fische häufig in Ufernähe auf Futtersuche.

 

Mit Lotblei

Zur Kontrolle der Wassertiefe sollte man ein schweres Lotblei verwenden (gut geeignet sind Lotbleie von 28 g bis 57 g). Wenn man das Lotblei mit etwas Schnurfett behandelt, bleiben Partikel vom Fluss Grund daran haften, und man kann sich ein Bild von der Beschaffenheit des Grunds an der betreffenden Angelstelle machen.

Gezeitenflüsse

Zum Fischen in Gezeitenflüssen eignen sich Boote am besten – so kann man sich mit den Gezeiten flussauf und flussab bewegen, anstatt sie vom Ufer aus zu verfolgen.

 

Ebbe oder Flut?

Die meisten Angler bevorzugen das Fischen bei einsetzender Flut. Wer Raubfische wie Zander fangen will, der sollte bei auflaufendem Wasser fischen. Besonders erfolgversprechend ist die einsetzende Flut am Abend, da Fische häufig in der Dämmerung auf Futtersuche gehen. Berücksichtigt man die Wirkungen von Ebbe und Flut, so gelten für Gezeitenflüsse dieselben Gesetze wie für andere große, vom Schlamm gefärbte Flüsse. Darüber hinaus weisen Gezeitenflüsse jedoch einige typische Merkmale auf.

Gezeitenflüsse

Gezeitenflüsse haben oft verschlammte Ufer, so dass sich das Tragen von Watstiefeln empfiehlt. Aber Vorsicht: Es könnte glatt sein! Auch einen Lappen oder ein altes Handtuch zum Abwischen der Hände sollte man dabeihaben.

 

Krautbetten: Diese fischträchtigen Stellen sind an Gezeitenflüssen selten, weil die Flut, die Strömung und die Trübung des Wassers sich nachteilig auf das Pflanzenwachstum auswirken. Wo man trotzdem Krautbetten findet, bieten sie Fischen gute Deckung und beherbergen Rotaugen, Hasel und ein paar Raubfische. Kraftwerke gehören mit ihren Kühlwasserausläufen zu den besten Fangplätzen überhaupt.

Mit dem Kühlwasserstrom wird eine Unmenge von Nahrung den Fischen praktisch ins Maul gespült, z. B. Stint, den an der Unterelbe Aale, Zander, Butt und Brassen fressen. Auch Karpfen beißen hier auf die ungewöhnlichsten Köder – und können zu Kapitalgröße wachsen.

Festgemachte Boote: In Gezeitenflüssen ziehen Boote Rotaugen an. Im Sommer, wenn sich der Schlamm bei Niedrigwasser etwas gelegt hat, findet der Angler oftmals helles, klares Wasser vor, was Rotaugen nicht mögen – sie sind lichtempfindlich. Da es nur wenig Krautbewuchs gibt, findet man Rotaugen unter Booten – besonders dort, wo das Wasser tief und gleichmäßig fließt. Wenn man sich dies zunutze macht, kann man schöne Rotaugenfänge machen, während die anderen Angler im offenen Wasser nur Hasel fangen.

Inseln und Brücken: Brassen bevorzugen träge fließendes Wasser. Man trifft sie in Stillwasserbereichen und in ruhigen Wirbeln hinter Inseln und Brückenpfeilern an. Hier suchen sie vor hohen, starken Fluten und vor Hochwasser Schutz.

Die Fangergebnisse richten sich nach der Größe des Reviers und der Menge an Ruhigwasserzonen. Aus Flüssen mit hoher Flut und ausgedehnten Ruhezonenbereichen wurden schon Fänge von über einem Zentner gemacht; häufig fanden sich darunter schöne Barsche. Es gibt auch immer wieder Überraschungsfische, etwa große Karpfen. Natürlich schauen auch Hechte an solchen Stellen vorbei in der Hoffnung auf eine bequeme Mahlzeit; viele dieser brassenfressenden Hechte werden sehr groß. Um aus solchen Stellen das Beste zu machen, braucht man ein Boot – es ist wichtig, mit dem Geschehen an der Angelstelle in Kontakt zu sein. Bei hereinziehender Flut muss man unter Umständen mit dem Boot näher an die Insel oder den Brückenpfeiler heranfahren, um im ruhigen Wasser zu bleiben.

Yachthäfen: Die Hafeneinfahrten werden von den Gezeiten nicht so stark beeinflusst wie andere Stillwasserbereiche und scheinen ähnlich große Fischbestände zu beherbergen.

Bäume: Umgefallene und überhängende Bäume bieten Barsch und Döbel gute Deckung.

Eindringendes Salzwasser: Dies kann im Sommer problematisch werden. Starke Fluten in Verbindung mit geringer Strömung sorgen dafür, dass das Salzwasser – und mit ihm die Meeresfische – weiter Flussauf vordringen kann. So mancher Angler wird durch Meeräschen überrascht. Sie sind regelmäßige Besucher in vielen Gezeitenflüssen und bieten eine ganz ausgezeichnete Angelei: Gerade am Süßwassergeschirr zeigen sie ihre Qualitäten als Kämpfer. Bei der Wahl der richtigen Taktik ist Gewässerkunde an Gezeitenflüssen unentbehrlich. Starke Turbulenzen und Tiefenströmungen erschweren die Verwendung von leichtem Angelgerät. Das gilt besonders für die tieferen Stellen bei einsetzendem Gezeitenwechsel. Grundsätzlich empfiehlt es sich, etwas schwereres Gerät als an nicht gezeitenabhängigen Flussstrecken zu verwenden.

Gezeitenflüsse

Ein Kraftwerk leitet Warmwasser in den Gezeitenbereich eines Flusses, das die Fische zum Fressen anregt

 

Traditionelle Methoden

Altbewährte Methoden wie das Fischen mit Brot und abtreibender Pose (Trotting) können mehr Erfolg bringen als die übliche, auf die gleiche Weise angebotene Made. Das Wasser der Gezeitenflüsse ist oft ziemlich trübe und voller Turbulenzen mit bösen Tiefenströmungen. Unter solchen Umständen eignen sich schweres Geschirr und gut sichtbare Köder am besten, wie etwa Brot und im Süß – und Brackwasserbereich auch der Wattwurm.

Gezeitenflüsse

Der britische Angler Bill Rushmer mit 60 kg Brassen, die er im Gezeitenbereich der Themse gefangen hat

 

Die Themse bei Ebbe und Flut

An der Themse unterhalb von Richmond zeigt sich der Unterschied zwischen Ebbe und Flut deutlich. Bei hereinziehender Flut steigt der Wasserspiegel schnell an – um mindestens 30 cm in 15 Minuten. Unter Umständen muss man zwei – oder dreimal gehen, um sämtliches Gerät in Sicherheit zu bringen. So braucht man viel Zeit, besonders wenn man draußen in der Flussmitte fischt. Deshalb sollte man an Flüssen mit so starkem Tidenhub dem Wasser grundsätzlich mit einsetzender Ebbe folgen.

Gezeitenflüsse

Die Themse bei Ebbe

Gezeitenflüsse

Die Themse bei Flut

Tipp

Durch Kombinieren bewährter Köder und Techniken mit modernem Gerät kann man an Gezeitenflüssen die optimale Präsentation erzielen. Schwere Strom posen mit bis zu 8 g Tragkraft sind schlanker als ältere Posentypen. Sie bilden zusammen mit einer schweren Bleiolive anstelle der etwas umständlichen Schrotbleibündel ein außerordentlich sicheres, empfindliches Rig.

 

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