Alte Teiche neu beleben, Christopher Yates berichtet

Alte Teiche neu beleben, Christopher Yates gehört zu den angesehensten Anglern in Großbritannien, Er ist auch ein engagierter Naturschützer

Alte Teiche neu beleben, nicht nur historische Gebäude lassen sich restaurieren, auch alte Dorfteiche. Als Angler, der an Teichen groß geworden ist, habe ich diese Gewässer immer geliebt. Schon in frühester Kindheit zog mich das Wasser immer magisch an. Ich war selig, gleich neben dem Dorfteich zu wohnen. Dort konnte ich paddeln, Steine ins Wasser werfen, meine Segelboote schwimmen lassen und Stichlinge jagen.

Alte Teiche neu beleben

Alte Teiche neu beleben. Mit Blasmusik feiert die Gemeinde von Tollard Royal in Südengland die Einweihung ihres wiederhergestellten Dorfteiches. Inzwischen haben sich die Mühen sogar bezahlt gemacht, denn der Verkauf von Fischbrut bringt Geld in die Gemeindekasse.

 

Ein Angler wird geboren

Eines Tages sprang plötzlich eine phantastische Kreatur aus dem Wasser, ein Fisch von einer solchen Größe und Herrlichkeit, dass es mir die Sprache verschlug. Eigentlich war es nur ein drei – oder vierpfündiger Karpfen, aber wenn man als Kind nur Fische von der Größe eines Stichlings kennt, hält man jeden Fisch von über einem Pfund Gewicht für einen Riesen.

Durch dieses Erlebnis erwachte der Angler in mir, und ich ahnte, dass die Teiche in der Nachbarschaft noch ganz andere Brocken beherbergen mussten. Und Teiche gab es bei uns viele: Wiesenteiche, Feuerlöschteiche und jene bei den Gehöften, die als Viehtränke dienten. Und jeder von ihnen barg seine geheimnisvollen Bewohner. So trat ich eine lange Entdeckungsreise an, die auch heute, 40 Jahre später, noch nicht zu Ende ist.

Alte Teiche neu beleben 2

Alte Teiche neu beleben. In die Fußstapfen seines berühmten Vaters Chris Yates tritt hier Alexander, der stolz einen kleinen Teichkarpfen zeigt, den er im neu angelegten Dorfteich gefangen hat. Sein Vater Chris verbesserte 1980 den britischen Karpfenrekord auf 23,154 kg.

 

Alte Teiche neu beleben, eine Welt für sich

Neben den Angelmöglichkeiten, die Teiche bieten, habe ich auch ihren sozialen Wert schätzen gelernt, denn sie spielen auch heute noch eine wichtige Rolle im Leben einer Dorfgemeinschaft. Selbst flache, kleine Teiche bieten einer unglaublich vielfältigen Tier – und Pflanzenwelt Schutz und Lebensraum.

 

 

Hier leben Karpfen (die manchmal überraschend groß werden), Karauschen, Schleien, Koppen, Rotaugen, Rotfedern, Barsche und Hechte. Auch Molche, Frösche, Kröten und Ringelnattern siedeln sich hier an, dazu alle möglichen Insekten wie Libellen, Rückenschwimmer, Wasserläufer und unzählige Wasservögel und Wasserpflanzen. Zu dieser Gemeinschaft gesellen sich all die Tiere, die hier ihren Durst stillen.

 

Alte Teiche neu beleben, Lebensqualität

Jeder Teich ist ein Mikrokosmos, eine sich selbst erhaltende und zudem recht genügsame Welt im Kleinen. Viele Teiche bestehen schon seit Urzeiten, sind schon Hunderte, manchmal Tausende von Jahren alt. Die meisten älteren Teiche sind auf natürliche Weise entstanden und wurden erst später von Menschenhand vergrößert oder vertieft.

Der Dorfteich war vor dem Dorf da; sein Wasser war die Lebensgrundlage für eine menschliche Ansiedlung. Diese Funktion hat er heute zwar nicht mehr, aber er übt immer noch jene Anziehungskraft aus, die ich schon als Kind empfand. Ohne ihn verliert jedes Dorf an Lebensqualität.

Alte Teiche neu beleben

Alte Teiche neu beleben

Camilla Yates und ihr Bruder Alexander haben gelernt, dass man an vielen Teichen nur einen Stock, ein Stück Schnur und eine Handvoll kleiner Würmer braucht, um erste Angelfreuden zu erleben. Die Freude ist um so größer, wenn in diesem Teich nur der stolze Stichling vorkommt.

 

Alte Teiche neu beleben, im Namen des Fortschritts

Da sich das Leben im Dorf in den letzten Jahrzehnten immer stärker an den Städten orientierte, sah man in Teichen häufig nichts anderes als unschöne, schlammige Tümpel, unerwünschte Brutstätten für Stechmücken. Deshalb füllte man sie mit Erde auf und planierte sie. Mit Ordnungssinn gesegnete Landwirte ließen Wiesenteiche ab und pflügten die so gewonnene Fläche um. Manche Dorfgemeinschaft nutzte tiefe Teiche als Schuttabladeplatz. Der Straßen – und Wohnungsbau verschluckt jeden Teich, der im Weg ist. Entwässerungsarbeiten und Trinkwasserentnahme führen zum Absinken des Grundwasserspiegels und damit zum Austrocknen selbst größerer Gewässer.

Nach Expertenschätzungen sind in Großbritannien seit Beginn dieses Jahrhunderts mehr als 200 000 Teiche von der Landkarte verschwunden, ein schockierender Gedanke, ganz besonders für einen Angler.

Den Teich, an dem ich als Kind den springenden Karpfen sah, gibt es noch. Allerdings hatte er sich durch Baumaßnahmen und Dürreperioden in einen toten Pfuhl verwandelt. Doch es war noch nicht zu spät. Immer mehr Menschen schließen sich zusammen, um alten Teichen neues Leben zu schenken, so auch in unserem Dorf.

Alte Teiche neu beleben

Alte Teiche neu beleben

Die Stunden verrinnen unbemerkt in einer so friedlichen, schönen Umgebung, und das Fangen der Fische wird fast zur Nebensache. Es ist die Vertrautheit und Abgeschiedenheit, die viele Teiche so anziehend macht.

 

Alte Teiche neu beleben. Ein Teich wird neu geboren

Ich wohne in Tollard Royal, einem abgelegenen Dorf in Südengland, nördlich von Bournemouth, das vor einigen hundert Jahren um einen Teich herum entstand. Im letzten Krieg rutschte ein Panzer in diesen Teich, zerstörte das natürliche Bett und ließ das Wasser in den porösen Kalk Untergrund versickern. Als ich hierherzog, war der Teich zu einer schlammigen Senke verkommen.

Schließlich beschloss der Gemeinderat, den Teich wiederherzustellen. Er ließ das alte Bett fachmännisch ausbessern, Wasser wurde eingelassen, und das Ufer erhielt mit verschiedenen Schilf- und Gräser Arten eine neue Bepflanzung. Natürlich bot auch ich voller Begeisterung meine Hilfe für den Neubesatz an.

Heute, nur fünf Jahre nach der Entscheidung, den Teich herzurichten, ist er wieder attraktiver Dorfmittelpunkt. Jetzt bietet er sogar Schleien und Karpfen einen wunderbaren Lebensraum. Der interessanteste Aspekt bei der Neubelebung des Teichs ist zweifellos die Art und Weise, wie Frösche, Kröten und Molche ihren Weg zum Teich gefunden und dort gelaicht haben, obwohl er über Jahre hinweg ausgetrocknet war und der nächste Teich mehrere Kilometer entfernt ist. Libellen siedeln auch bereits am Wasser, und ein Stockentenpärchen kommt jedes Frühjahr zu Besuch. Nachdem das Wasser einen Monat Zeit bekommen hatte, um sich zu setzen, wurde der frisch gefüllte Teich im Jahr 1988 mit genau zwölf Schuppen- und Spiegelkarpfen von 15 bis 25 cm Länge besetzt.

Alte Teiche neu beleben

Alte Teiche neu beleben

Die Seejungfer, auch Prachtlibelle genannt, ist nur eines der vielen Geschöpfe, die am Teich zu Hause sind. Das zarte Wesen macht mit der leuchtenden Farbe seines Körpers und seinen feinen, durchsichtigen Flügeln seinem Namen alle Ehre.

 

Fette kleine Karpfen

Als zweisömmrige Tiere laichten sie schließlich im Teich ab, und heute tummeln sich vielleicht hundert fette, kleine Karpfen im Teich, obwohl immer wieder Karpfenbrut entnommen und in andere Gewässer eingesetzt wurde. Die Elternfische sind mittlerweile zwischen fünf und zehn Pfund schwer.

Leider fiel der größte Karpfen kürzlich einem skrupellosen Schwarzangler zum Opfer, aber solange der Bestand regelmäßig kontrolliert wird, kann die nächste Generation ebenso gut ab wachsen. Übrigens werden die entnommenen Fische verkauft, und das so erwirtschaftete Geld fließt in die Gemeindekasse – ein erfreulicher Nebeneffekt der Wiederbelebung.

Die wenigen eingesetzten Schleien haben sich nicht vermehrt, aber immerhin scheinen sie recht gesund zu sein. Die sechs „inoffiziell“ eingesetzten Goldfische machen uns allerdings Sorgen. Denn sie haben sich noch stärker vermehrt als die Karpfen und geben unserem Dorfteich ein unnatürliches Erscheinungsbild. Sie sind ein Fremdkörper. Im Sommer 1992 haben wir fast fünfhundert Goldfische entfernt, aber die übrigen vermehren sich nach wie vor.

Alte Teiche neu beleben

Alte Teiche neu beleben

Nicht nur Frösche und Kröten, auch Molche sind in Großbritannien immer seltener geworden. Umweltverschmutzung, das Absinken des Grundwasserspiegels und das Trockenlegen von Teichen hat ihren Lebensraum eingeengt.

 

Ein gesegneter Teich

Beim Neubesatz des Teichs stellte sich schließlich eine so feierliche Stimmung ein, dass der Gemeinderat völlig aus dem Häuschen geriet und eine Blaskapelle einlud, um am Ufer aufzuspielen. Doch damit nicht genug: Selbst der frühere Bischof von Bath und Wells kam zur Einweihungsfeier und gab dem Teich seinen Segen. Kein Wunder, dass der Fischbestand in kurzer Zeit für die „Speisung der Fünftausend“ ausgereicht hätte. Seit diesem großen Tag nennen wir unseren Teich“The Bischop’s Pond“- den Bischofsteich.

Alte Teiche neu beleben

Alte Teiche neu beleben

Ein Anblick, der jedes Anglerherz höherschlagen lässt: die goldenen Flanken und tiefroten Flossen einer Rotfeder, sicherlich einer der schönsten Süßwasserfische. Rotfedern fühlen sich in Teichen heimisch, allerdings bleiben sie bei massenhaftem Vorkommen kleinwüchsig.

Ein Wunder

Das Angeln im Teich bleibt den Dorfkindern vorbehalten (dem Tollard Tadpoles Angling Club“), und für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als meine Sprösslinge nachmittags auf ihren kleinen Angelausflügen zu begleiten. Ihre Begeisterung und Freude wirkt ansteckend, wenn wirklich einmal ein Fisch anbeißt. Dann haben wir alle das glitzernde Wunder zu bestaunen, bevor es vorsichtig zurückgesetzt wird. Und ab und zu kommt es auch vor, dass ein richtiger Brocken anbeißt. Dann muss Daddy flink sein und den kleinen Angler festhalten, damit es kein Unglück gibt.

Aus unserer Aktion haben wir viel gelernt, auch, dass aktiver Naturschutz ein großartiges Gemeinschaftserlebnis für ein Dorf ist.

Alte Teiche neu beleben

Alte Teiche neu beleben

In manchen kleinen Teichen gibt es überraschend große Fische. Das erste Angeln in einem fremden Gewässer hat etwas Geheimnisvolles – denn noch weiß man nicht, was anbeißen wird. Die Geduld kann belohnt werden, aber auch die Enttäuschung gehört zum Leben eines Anglers.

 

Alte Teiche neu beleben, Standort- Treue

„Im letzten Winter – es hatte schon seit über einem Monat geregnet – lief der Bishop’s Pond über und ergoss sich die Straße hinunter“, erinnert sich Chris. „Als die Flut nachließ, staunten wir nicht schlecht: Kein einziger Fisch fehlte aus unserem Teich! “

 

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