Lochs in Schottland, interessante Angelgewässer

In schottischen Lochs zu fischen hat etwas von der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen – wenn man sich nicht auskennt

Welche Vorstellung haben Sie von einem schottischen Lochs ? Vermutlich denken Sie an ein riesiges dunkles, kaltes Gewässer, von steilen Berghängen umgeben – womöglich mit einer düsteren Burg im Hintergrund und Ungeheuern in seinen Tiefen.

Obgleich die meisten Lochs ihrem sagenumwobenen Ruf nicht ganz gerecht werden, gehören sie doch zu den interessantesten Gewässern Europas. Heimat gewaltiger Hechte und stattlicher Barsche.

Lochs in Schottland, interessante Angelgewässer

Die meisten Angler reisen wegen der großen Hechte an die Lochs. Es gibt hier jedoch auch schöne Barsche. Wer mit leichtem Zeug in Ufernähe angelt, kann Exemplare wie dieses fangen

 

Abgrundtiefes Wasser

Das Auffinden der Fische kann bei der Größe mancher Lochs schwierig sein. Loch Lomond ist wohl das bekannteste Hechtgewässer. Die verlässlichste Vermessung wurde im Jahre 1910 von Murray und Pullar durchgeführt: Demnach ist Loch Lomond 36 km lang und maximal 183 m tief. Dieser See gehört zwar zu den größeren schottischen Lochs, aber auch die kleineren
Lochs laufen vielen der berühmten englischen Hechtreviere den Rang ab.

Lochs in Schottland

Ein Anglerleben reicht nicht aus, um alle Möglichkeiten eines solch großen Sees auszuschöpfen. Vielleicht fühlen sich Angler gerade deshalb von den großen Lochs (hier Loch Lomond) angezogen

 

Nessies Verwandtschaft

Auch die Größe der Loch-Hechte ist sagenhaft. Da gab es etwa den „Kenmure-Hecht“ des John Murray, der um das Jahr 1774 im Loch Ken gefangen wurde und dessen Gewicht mit umgerechnet 32,6 kg überliefert ist. Dann gab es den berühmten „Endrick-Hecht“, der im Fluß Endrick tot aufgefunden wurde, aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von Loch Lomond stammte. Diesen Hecht hat man zwar nicht gewogen, aber anhand der Kopfgröße wurde das Gewicht auf 64 Pfund geschätzt. Barsche werden natürlich nicht so groß und beflügeln die Phantasie entsprechend weniger, aber in den Gewässern südlich von Loch Rannoch gibt es zweifellos Exemplare von bis zu vier Pfund.

 

 

Lochs in Schottland

Mit einem Boot kann man sich frei bewegen und braucht sich nicht ausschließlich auf die Uferzone zu konzentrieren. Das offene Wasser birgt oft gewaltige Überraschungen

 

Großhechte

Nun darf man aber nicht glauben, dass es in den Lochs vor Riesenfischen nur so wimmelt. Viele Lochs bringen zahlreiche kleinere Hechte hervor, bis irgendwann der berühmte 30pfünder an die Angel geht. Die Lebensgewohnheiten der wirklich großen Loch-Hechte geben Anglern immer wieder Rätsel auf. Das Verhalten der Barsche dagegen lässt sich leichter einschätzen. Einfach auf gut Glück zu fischen bringt an großen Gewässern in der Regel überhaupt nichts. Man muss schon den Köder zum Fisch bringen. Mit einem Boot ist man zwar unabhängiger als beim Angeln vom Ufer aus, doch werden an den schottischen Lochs viele gute Fische gerade vom Ufer aus gefangen.

Wenn man keinen erfahrenen Begleiter findet, sollte man im Winter auf keinen Fall vom Boot aus im Loch fischen. Die immer wieder vom Atlantik heranziehenden Stürme kommen schnell und ohne jede Vorwarnung auf. Selbst im Frühjahr und Sommer schlägt das Wetter häufig ganz plötzlich um. Das Boot muss in jeder Hinsicht tauglich sein – mit einem Außenbordmotor kann man sich aus einer bösen Lage befreien, und eine kleine Kabine bietet Schutz.

Keinesfalls darf man zu weit hinausfahren. Außerdem sollte man eine Schwimmweste tragen, niemals Gummistiefel, und man sollte vor jedem Ausflug den Wetterbericht hören.

Vom Ufer aus kann man zwar kein so großes Gebiet befischen, dafür ist man den Elementen
nicht so ausgeliefert. Jedenfalls sind die Uferzonen eines Lochs immer ganz natürliche, erfolgversprechende Fangstellen.

Lochs in Schottland

Barsche sind frühmorgens und in der Abend Dämerung sehr beißfreudig. Dieser Zweipfünder wurde im ersten Tageslicht gefangen. Südlich von Loch Rannoch erreichen Barsche Gewichte bis zu vier Pfund.

 

Unsichtbare Schichten

Ein wenig Grundwissen über die Struktur großer, tiefer Gewässer kann bei der Fischsuche sehr nützlich sein.

Im Winter ist die Wassertemperatur der großen Lochs (z. B. Loch Lomond) in allen Tiefen gleich. Im Sommer bilden sich in Seen von mehr als 10m Tiefe zwei unterschiedliche Temperaturschichten: eine warme Oberschicht und eine kalte Unterschicht.

In der wärmeren Schicht leben alle Pflanzen und die meisten Insekten. So legen beispielsweise manche Insekten ihre Eier an Krautbewuchs ab, die geschlüpften Larven werden von Bachforellen gefressen, und die Hechte wiederum lauern den Forellen auf.

Gewöhnlich ziehen Barsche von jeder Größe die Uferzonen dem offenen Wasser vor. Uferbewuchs, Schilfbetten, Stegpfahle und festgemachte Boote bieten Schutz vor Hechten und Deckung für Angriffe auf die eigene Beute. Da Fische Kaltblüter sind, deren Körpertemperatur sich der Umgebung anpasst, sind sie im wärmeren Wasser aktiver und somit eher geneigt, einem Köder hinter herzuschwimmen.

Leider führen Junghechte ein ziemlich umtriebiges Leben, während ausgewachsene Hechte eher zur Gemütlichkeit neigen: Aus diesem Grund trifft man in Flachwasserbereichen so viele „Grashechte“ an.

Lochs in Schottland

Der stachlige Barsch begeistert die Angler schon seit Jahrhunderten. An manchen Lochs wird er jedoch nicht so gern gesehen, da er edleren Fischen Konkurrenz macht.

 

Große Hechte in der Tiefe

In der kühlen, tiefen Unterschicht ist es für Pflanzenwuchs zu dunkel. Abgestorbenes Plankton und Pflanzenteile sammeln sich am Grund und bieten eine sehr begrenzte Lebensgrundlage für manche Insekten. Doch große Hecht-Rogner halten sich oft in solcher Tiefe auf, wobei sie durch ständige, sanfte Flossenbewegungen über den Unterwassertälern schweben. Da sich ihr gesamter Stoffwechsel stark verlangsamt hat, steigen sie nur gelegentlich an die Oberfläche, um sich eine große Forelle oder einen Lachs zu holen. Dann kehren sie ins tiefe Wasser zurück, um ihre Beute zu verdauen.

 

Jagende Rudel

Hechte werden meist als Einzelgänger angesehen. Das trifft jedoch für Loch-Hechte keineswegs zu: Sie jagen in großen Rudeln, treiben ganze Schwärme von Beutefischen in die Ecke und stürzen dann auf sie los. Dieses Phänomen kann man manchmal auch an den Mündungen hochwasserführender Bäche und Flüsse beobachten. Das einfließende Wasser spült tote und verletzte Fische in den See, wo sich die Hechtrudel schon zu einer Mahlzeit versammelt haben – das Verdauen der Beute kann übrigens eine Woche und länger dauern.

 

Der Schatz im Loch

Leider beobachtet man immer wieder, dass Hechte und Barsche bei manchen Anglern äußerst unbeliebt sind – als Konkurrenten des edlen Lachses und der begehrten Forelle. Ein Hecht braucht jedoch 20 Jahre, um ein Gewicht von 30 Pfund zu erreichen und ein zweipfündiger Barsch ist nicht nur ein sehr seltener, sondern auch ein sehr hübscher Fisch. Wer also nicht vorhat seinen Fang zu Hause zu verspeisen, sollte etwas für die Zukunft des Angelsports tun und seine Fische zurücksetzen.

Lochs in Schottland

Bei einem Uferspaziergang kann man immer wieder kleinere, abgeschiedene Plätzchen entdecken wie dieses hier am Loch Awe

 

Die sechs besten Lochs zum Fischen

In Schottland darf bis auf wenige Ausnahmen kostenlos auf Hecht und Barsch geangelt werden. Fast alle Lochs sind jedoch von privaten Ufergrundstücken umgeben, so dass man die Genehmigung des Uferanliegers einholen muss. Für manche Uferabschnitte liegen die Fischereirechte bei Vereinen, es empfiehlt sich daher, erst einmal nachzuforschen. Manche Angelmethoden sind je nach Jahreszeit verboten, hierüber sollte man sich informieren. In manchen Dörfern werden auch Boote vermietet. Die folgenden Lochs gelten als durchweg ausgezeichnete Hecht- und Barschreviere:

Loch Awe, Argyllshire;

Loch Ken, Dumfriesshire;

Loch Tay und Loch Tummell, Perthshire;

Loch Lomond und Castle

Semple Loch, Strathclyde.

 

Der Kaulbarscheffekt

Werden Köderfische in fremde Gewässer übertragen, können sie Krankheiten und Parasiten einschleppen. So ist Loch Lomond voller Kaulbarsche, die wohl von entkommenen Köderfischen abstammen. Wer mit Köderfischen angeln möchte, sollte sie deshalb vor Ort fangen und verwenden.

 

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