Fliegenfischen in Stauseen (Reservoirs)

In Großbritannien ist das Fliegenfischen in Stauseen beliebt  und hochgeachtet, Bob Church, ein bekannter englischen Fliegenfischer, berichtet

Fliegenfischen in Stauseen, es gibt zwar in Großbritannien einige kleinere Stauseen (Reservoirs), aber die meisten sind um die 120 ha groß, einige bedecken sogar das Zehnfache dieser Fläche. An derart großen Binnenseen macht das Angeln erst dann richtig Spaß, wenn man ein Boot zur Verfügung hat – und weiß, wie man damit umgeht und wohin man fahren muss.

Fliegenfischen in Stauseen

Bob Church empfiehlt, im Boot immer eine Schwimmweste zu tragen, ganz gleich, wie gut man schwimmen kann. Manchem Angler hat dies das Leben gerettet.

 

Fliegenfischen in Stauseen

Auch in deutschen Stauseen, zum Beispiel der Sorpetalsperre und dem Twistesee kann man Forellen fangen. Doch wieder nach Großbritannien. Die meisten Stauseen sind nicht so eintönig, wie viele denken. Es gibt Buchten und Landspitzen, Pumptürme, Unterwasserinseln und viele andere Besonderheiten. An solchen Stellen lassen sich zu verschiedenen Tages – und Jahreszeiten – und mit unterschiedlichen Techniken – gute Fangerfolge erzielen.

Das Fliegenfischen in Stauseen vom Boot aus kann aber auch gefährlich sein, daher sollte man als Anfänger niemals ohne erfahrene Angelkameraden hinausfahren. Bevor man ablegt, muss man überprüfen, ob alle wichtigen Ausrüstungsgegenstände auch tatsächlich an Bord sind.

Anker: Ohne ihn geht es nicht. Ein Warpanker haftet gut am Grund und ist nicht zu schwer.

Außenbordmotor: Für den Notfall müssen Ruder mitgeführt werden.

Dollen: Vor dem Start auf Beschädigungen überprüfen. Außerdem muss für jeden Insassen eine Schwimmweste an Bord sein, ferner ein Gefäß zum Ausschöpfen von Wasser.

Treibanker: Um die Treibgeschwindigkeit kontrollieren zu können, ist ein kleiner Treibanker unerlässlich (eine Art trichterförmiger Bremsschirm, der im Wasser die Treibgeschwindigkeit bremst). Er sollte eine Fläche von 130 Quadratzentimetern aufweisen und ist natürlich nur beim Treibangeln sinnvoll.

 

Angeln im Frühjahr

Schon frühzeitig in der Saison beginnt sich das Wasser zu erwärmen, und die ersten Wasserpflanzen zeigen sich im flachen Wasser. Sie bieten allen möglichen Insekten und Fischbrut Unterschlupf, was natürlich die größeren Fische anzieht. Flachwasserbereiche, die nur mit dem Boot erreichbar sind, sind zu Saisonbeginn meist hervorragende Forellenplätze.

Landspitzen setzen sich oft Hunderte von Metern unter Wasser fort, wodurch ausgedehnte Flachwasserbereiche entstehen. Hier sind von April bis Mitte Mai die Angelbedingungen hervorragend. Die krautbewachsene Längskante bietet der Forelle Schutz und Nahrung, so dass man hier bis in den Spätsommer zahlreiche Exemplare fangen kann. Man nähert sich der Längskante mit dem Wind, um die Fische nicht zu vergrämen, ankert 60-80 m vom Ufer und 20 m windabwärts von der Kante. Die Fische stehen in Grundnähe über und neben der Kante.

 

 

Bei leichtem bis mittlerem Wind lässt man den Anker an der Heckmitte ins Wasser – so vermeidet man das Drehen des Boots. Bei starkem Wind oder bei mehr als 60 cm Wellengang ankert man besser vom Bug aus, da sich so die Gefahr des Kenterns verringert.

Unterwasserinseln bieten bis zum späten Frühjahr ähnlich gute Möglichkeiten. Im flachen Wasser solcher Bereiche stellt sich ebenfalls Pflanzenwuchs ein, der den Forellen Schutz bietet. Am erfolgreichsten befischt man solche fischträchtigen Stellen bei etwa 60 cm Wellengang. Dann nämlich ist das Wasser aufgewühlt und färbt sich über Unterwasserkanten und – Inseln leicht trübe. Diese Trübung treibt wind ab, wirkt ungefähr wie Grundköder und lockt Fische noch aus größerer Entfernung an.

Fliegenfischen in Stauseen

Fliegenfischen in Stauseen. Einige Stauseen wie Rutland Water sind riesig und wirken auf den Stausee-Neuling zunächst entmutigend. Diese Angler fischen vom treibenden Boot- oft eine ausgezeichnete Methode zum Auffinden und Fangen von Forellen. Kurze Würfe sind häufig erfolgversprechender als weite, da man so die dicht am Boot stehenden Fische nicht durch Überwerfen vergrämt.

 

Andere Methoden beim Fliegenfischen in Stauseen

Manchmal will es an den typischen Fischplätzen einfach nicht klappen, dann hilft nur noch die Suche nach dem Fisch. Bei milder Witterung kann man es im Frühjahr vom treibenden Boot aus versuchen. Am besten funktioniert diese Methode bei Wassertiefen zwischen 2,5 und 4,5 m, wenn die Fische gerne direkt am Grund stehen. Dabei sollte man den Treibanker verwenden, es sei denn, es weht wirklich nur eine ganz leichte Brise. Ohne diesen Anker treibt man zu schnell auf die Fliege zu.

Hat man den Bereich auf diese Weise durchquert, kann man mit Motorkraft gegen den Wind an den Ausgangspunkt zurückfahren. Man beginnt dann rechts oder links vom Ausgangspunkt versetzt und kann so einen großen Wasserbereich abfischen. Fängt man einen oder zwei Fische, sollte man dieselbe Treibstrecke noch einmal versuchen. Sie sollte jedoch keinesfalls mit laufendem Motor durchfahren werden, da man sonst die Fische verjagt.

Um an den Ausgangspunkt zurück zu gelangen, fährt man über die Mitte des Stausees und achtet darauf, die Treibstrecken der anderen Angler nicht zu durchqueren. Diese Verhaltensregeln haben nicht nur mit Höflichkeit zu tun – würde jeder nach Belieben kreuz und quer fahren, würden weniger Forellen gefangen.

Fliegenfischen in Stauseen

Fliegenfischen in Stauseen

Der Angel Tag beginnt bei Llyn Brenig in Nordwales – erst wird überprüft, ob die Ausrüstung an Bord und ordentlich verstaut ist.

 

Fliegenfischen in Stauseen, Angeln im Uferbereich

In den geschützten, baumbestandenen Uferbereichen des Stausees schlüpfen am späten Nachmittag häufig Zuckmücken Larven. Auch hier lohnt es sich, im Frühjahr den Forellen nachzustellen. Dabei sollte man fernab vom Ufer ankern, um die erhoffte Beute nicht zu verschrecken – allerdings muss man natürlich in Wurfweite bleiben. Wenn man hier die Forellen steigen sieht, haben sie es auf die aufsteigenden Larven abgesehen, die unter der Oberflächenspannung des Wassers hängenbleiben. Auch in diesem Fall gehört es sich, dass man zum Ankern mindestens 50 m Abstand zum nächsten Boot hält – und auf Angler achtet, die vom Ufer aus in den See waten.

Fliegenfischen in Stauseen

Fliegenfischen in Stauseen. Fische vom Boot aus zu landen ist auch nicht schwieriger als vom Ufer. Einfach die Forelle über das Netz führen.

 

Richtig ankern beim Fliegenfischen in Stauseen

Beim Fliegenfischen in Stauseen mit Anker muss jeder Lärm vermieden werden, um die Fische nicht zu verschrecken. Man bewegt sich mit dem Wind treibend oder paddelnd zum Ankerplatz und senkt den Anker leise ins Wasser.

Fliegenfischen in Stauseen

Fliegenfischen in Stauseen. Wenn der Wind zu Saisonanfang solche Wellen erzeugt, sind die Fangbedingungen für Forellen optimal. Diese Angler sind im Queen Mother Reservoir von Berkshire an der Staumauer vor Anker gegangen, um im tiefen Wasser zu fischen. Die Fische warten oft auf Nahrung, die von den Wellen angespült wird. Krautbewuchs zieht Forellen an. Dort gibt es Insekten und Kleinfische.

 

Regeln für die Bootsangelei

Beim Fischen vom Boot trägt man Verantwortung – und zwar anderen Anglern und sich selbst gegenüber. Die folgenden Grundregeln sollte jeder befolgen, um sicher und rücksichtsvoll vom Boot aus zu fischen:

  • Nicht im Boot aufstehen, da gerade die kleineren Boote nicht sehr stabil sind.
  • Vor dem Auslaufen immer überprüfen, ob das Boot komplett ausgerüstet ist.
  • Niemals alleine hinausfahren, außer man hat bereits sehr viel Erfahrung im Umgang mit Booten gesammelt.
  • Sperrige und schwere Gegenstände immer in der Bootsmitte verstauen, damit die Stabilität gewahrt bleibt. Ruten stets über den Dollbord legen und Ordnung halten, damit man im Boot nicht ständig das ganze Gerät hinwegsteigen muss. Auch muss es griffbereit liegen.
  • Anderen Anglern gegenüber rücksichtsvoll sein. Niemals an anderen Anglern mit eingeschaltetem Motor vorbeifahren, um sich eine gute Angelposition zu sichern – und immer mindestens 50 m Abstand zu anderen Anglern halten.
  • Im Boot stets Schwimmweste tragen!

Fliegenfischen in Stauseen

Fliegenfischen in Stauseen. Vom späten Nachmittag bis kurz vor Einbruch der Dämmerung schlüpfen die Insekten Larven und machen den Forellen Appetit.

 

Top-Reservoirs

Stausee-Forellen werden gewöhnlich mit 450 g eingesetzt und erreichen nach 3-4 Monaten die Kilogrenze. Das bedeutet, dass ein Vierpfünder erst im See dieses Gewicht erreicht hat, – und damit praktisch schon ein Wildfisch ist. Bob empfiehlt folgende britische Stauseen mit guten Fangaussichten auf Bach- und Regenbogenforellen:

  • Blagdon Lake, Somerset – 140 ha
  • Chew Valley Lake, Somerset – 400 ha
  • Draycote Water, Warwickshire – 240 ha
  • Farmoor Reservoir, Oxfordshire – 160 ha
  • Grafham Water, Cambridgeshire – 600 ha
  • Hanningfield Reservoir, Essex – 400 ha
  • Kielder Water, Northumberland – 1320 ha
  • Ladybower Reservoir, Derbyshire – 200 ha
  • Llyn Brenig, Clwyd – 400 ha
  • Pitsford Reservoir, Northamptonshire – 320 ha
  • Queen Mother Reservoir, Berkshire – 200 ha
  • Rutland Water, Leicestershire – 1320 ha

Fliegenfischen in Stauseen

Fliegenfischen in Stauseen. Die ausgefranste Schwanzflosse der Bachforelle (oben) verrät, dass sie vor kurzem eingesetzt wurde, während die Regenbogenforelle gleichmäßige Flossen besitzt und ein Wildfisch ist.

 

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