Angeln an einem kleinen schnellen Winterfluss, John Bailey berichtet

Angeln an einem kleinen schnellen Winterfluss, John Bailey berichtet

Artikel von Angelstunde in Gewässerkunde

John Bailey liebt es, im Winter an einem kleinen Winterfluss zu angeln, wer ihm dabei zusieht, wie er sich auf allen Vieren am Ufer bewegt, darf sich nicht wundern

Ein kleiner Winterfluss wird häufig kaum beachtet. Nach Ansicht von John Bailey bieten sie jedoch das ganze Jahr über gutes Fischen und zeigen gerade im Winter, was in ihnen steckt. Es ist bestimmt keine falsche Behauptung, dass kleine, schnellfließende Flüsse auch bei den widerwärtigsten Wetterbedingungen gut zu beangeln sind. Selbst wenn an anderen Gewässern nicht mehr die Spur einer Chance besteht, können solche Flüsse noch ergiebig sein.

 

Angeln an einem kleinen schnellen Winterfluss, John Bailey berichtet



Bei jedem Wetter am Winterfluss

Ganz gleich, ob bei Hochwasser oder bei strengem Frost, die flotten Flüsschen geben Döbel und Hasel, oftmals auch Äschen und Rotaugen und manchmal sogar ganz ordentliche Hechte und Barsche her. Aber man muss sich dazu klein machen und ganz still sein!

 

Eine der schönen Seiten der kleinen Flüsse besteht darin, dass sie einfach zu interpretieren sind. Selbst wenn der eisige Wind heult, drängen sich die Angelstellen geradezu auf. Hat man sie erst einmal ausfindig gemacht, sind sie meist so klein, dass die Fische nicht weit weg sein können. Mühlen- und Wehrkessel sind immer eine sofortige Untersuchung wert. Die zusätzliche Tiefe bietet den Fischen bei ansonsten niedrigem und klarem Wasser Schutz, und bei Hochwasser finden sie an diesen Stellen Zuflucht vor der ungebremsten Kraft der Strömung.

 

Bei dermaßen günstigen Verhältnissen bleiben die Fische gern den ganzen Winter über im Wehrkessel, weshalb man solche Plätze nur selten gänzlich ohne Biss verlässt. Fast ebenso attraktiv sind die engen Biegungen, wo das Wasser tiefer ist und die Strömung sich ein wenig stabilisiert. Insbesondere Döbel und Rotaugen lieben diese Stellen an Biegungen, und Äschen versammeln sich dort, wenn das Winterwetter echt ungemütlich wird.

 

Angeln an einem kleinen schnellen Winterfluss, John Bailey berichtet

Enge Biegungen an kleinen Flüssen sind gute Stellen für Rotaugen und Döbel. An tiefen Stellen beruhigt sich die Strömung. Rotaugen wissen solche Ruhepausen zu schätzen. Dieser Angler fängt sie an leichtem Geschirr.

 

Gute Stellen mit Hängern am Winterfluss

Wenn es Hänger gibt, etwa versunkene Äste, sind solche Stellen sogar noch besser. Man darf nie vergessen, dass sich die Fische in kleinen Flüssen sehr ungeschützt fühlen und sich überall dort versammeln, wo sie Schutz und ein Gefühl von Sicherheit finden.

 


An Stellen, wo kleine Flüsse plötzlich ganz schmal werden, gibt es besonders tiefe Strecken. Rotaugen, Äschen und die größeren Hasel lieben solche Bereiche – vor allem, wenn sich die Strömung dort etwas beruhigt. Hasel von durchschnittlicher Größe versammeln sich gewöhnlich weiter unterhalb, wo das Wasser wieder flacher wird und die Strömung zunimmt. Hier kann man schnell viele Fische zwischen 100 und 170 g fangen, bevor der Schwarm die Flucht ergreift.

 

Das Problem ist nur, dass sich hier auch wildwachsende Bachforellen wohlfühlen – sie kurz nach dem Laichgeschäft zu fangen, kann der Forelle sehr schaden. Wer doch einmal eine fängt, muss sie sofort zurücksetzen. Da verschiedene Fischarten auch verschiedene Gewässerbereiche mögen, werden sie sich nicht alle gleichzeitig an der Angelstelle versammeln.

 

Kleine Inseln, Gräben, Einflüsse von Entwässerungsgräben, festgemachte Boote – dies alles kann Fische in kleinen Flüsschen anlocken. Daher zahlt es sich aus, wenn man an solchen Gewässern beweglich bleibt. Mit möglichst leichtem Gerät sollte der Angler möglichst viele interessant aussehende Stellen aufsuchen. Dabei muss man jeden Tag einige Kilometer Fußmarsch in Kauf nehmen und an jeder Stelle zehn bis fünfzehn Minuten verweilen.

 

An kleineren Angelstellen kommen die Bisse gewöhnlich ziemlich schnell, und es hat wenig Sinn, eine Angelstelle aufzubauen, wenn die Fische Hunderte von Metern entfernt sind. Insbesondere Döbel nehmen den Köder gerne gleich beim Eintauchen ins Wasser – sofern sie nicht in irgendeiner Weise gestört werden.

 

Aus diesen Gründen ist es von größter Wichtigkeit, wie man sich an einem kleinen Fluss der Angelstelle nähert – besonders, wenn das Wasser flach und klar ist.

 

Angeln an einem kleinen schnellen Winterfluss, John Bailey berichtetDöbel Angeln am Winterfluss

Döbel Angeln kann an kleinen Flüssen im Winter sehr erfolgreich sein. Oft lohnt sich das Grundangeln in tiefen Löchern in Ufernähe und an Flussbiegungen.

 

 

 

 

 

 

 

Die richtige Taktik für den Winterfluss

Es lohnt sich, langsam und vorsichtig zu gehen und in einiger Entfernung vom Ufer zu bleiben. Auch darf der eigene Schatten nicht aufs Wasser fallen. Es sieht zwar etwas merkwürdig aus, aber John nähert sich der Angelstelle immer auf Händen und Knien. Er setzt sich auch nie auf einen Angelkasten und nimmt statt dessen ein Kissen oder eine Unterlage aus Plastik, weil er sich so kaum vom Ufer abhebt. Einen gehakten Fisch muss man so schnell wie möglich aus dem Wasser bekommen – gibt man ihm zu viel Zeit, verjagt er die anderen Fische aus dem kleinen, flachen Fluss Abschnitt. Diese Art zu angeln erfordert höchste körperliche und geistige Konzentration.

 

Angeln an einem kleinen schnellen Winterfluss, John Bailey berichtetMit abtreibender Pose auf Äsche.

Fische – insbesondere Äschen – findet man häufig an Stellen, an denen der Fluss enger und tiefer wird und das Wasser langsamer fließt.

 

 

 

 

 

 

 

Die Wahl der Köder für den Winterfluss

Ganz zweifellos ist eine an der abtreibenden Pose angebotene Made an einem kleinen Fluss einer der besten Köder. Die perfekte Kombination besteht aus einer 3,6 m langen Matchrute, einer Hauptschnur von 2 kg Tragkraft, einem Vorfach von 1,5 kg Tragkraft und einer leichten Pose, mit der man eine oder zwei Maden am 18er Haken am Grund entlangführen kann.

 

Hasel, Rotaugen und Äschen lassen sich alle mit dieser Methode fangen. Man kann sich auch ein wenig Zeit nehmen, um den Angelbereich aufzubauen und bei jedem Auswerfen nur ein halbes Dutzend Maden lose anfüttern. Bei Temperaturen um den Nullpunkt ist meist ein hart am Grund geführter Köder besser. Oft braucht es eine empfindliche Quivertip (Zitterspitzenrute), einen winzigen Swimfeeder und eine einzelne Made am 18er Haken, um die Fische bei solch kaltem Wetter aus der Reserve zu locken.

 

Wenn das Wetter umschlägt und der Fluss Hochwasser bekommt, kann man auch größere Köder verwenden. Mit drei Maden am 14er Haken oder einem Stückchen Brotkrume am 12er Haken kann man in kleinen Flüssen sämtliche Fischarten fangen. Ist das Wasser richtig trüb, sollte man den Köder am Rande der Hauptströmung hart am Grund anbieten, z. B. in einem Strömungsrücklauf oder hinter einem versunkenen Ast. Fleisch, Würmer und Käse – allesamt sehr geruchsintensive Köder – eignen sich unter solchen Bedingungen ebenfalls gut.

 

Angeln an einem kleinen schnellen Winterfluss, John Bailey berichtetVersunkene Äste

Selbst in dieser nicht gerade einladenden Winterlandschaft erkennt man bei genauerem Hinsehen einige versunkene Äste und Flachwasserbereiche, die dem Fisch Deckung bieten.

 

 

 

 

 

 

 

Ruhe nach einem Hochwasser

Ist der Fluss nach einem Hochwasser gerade wieder zur Ruhe gekommen, bieten sich die besten Fangaussichten auf Fische von wirklich ansehnlicher Größe. Dann sucht man eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit eine langsame, tiefere Angelstelle auf. Zunächst füttert man mit zwei oder drei Scheiben zerdrücktem Brot an und bietet bei einsetzender Dunkelheit ein recht großes Stück Brotkrume am 10er Haken an. Der erste Biss kann ein Weilchen auf sich warten lassen, aber wenn er schließlich kommt, ist er nicht zu übersehen – und als Ergebnis kann man dann durchaus mit einem ausgezeichneten Rotauge, Döbel oder Hasel rechnen .

 

Angeln an einem kleinen schnellen Winterfluss, John Bailey berichtetDöbel Pärchen

Ein Döbel Pärchen, und schon hat es sich gelohnt! So mancher hat für Angler bei sibirischen Wetterverhältnissen nur ein ungläubiges Staunen übrig – doch die Fangergebnisse sprechen für sich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leichtes Gepäck

Am meisten hat der Angler von kleinen Flüssen, wenn er nur leichtes Gepäck mit sich führt, sagt John Bailey. In einer Weste, wie sie Forellenangler tragen, finden sämtliche Ausrüstungsgegenstände Platz – und die Köder passen in einen kleinen Beutel. Bestens geeignet für den Wanderangler sind (kleine) Rucksäcke. Mehrere britische Hersteller bieten inzwischen sehr praktische Rucksäcke an, die auch wasserdicht sind.

 

Rotwurm

Würmer sind an kleinen Flüssen oft ein fängiger Köder. An sehr kalten Tagen kann ein mit Made garnierter Rot Wurm noch Fänge bringen, wenn alle anderen Köder versagen.

 

Gerade recht für den Hecht

In kleinen Flüssen finden sich oftmals ansehnliche Hechtbestände. Auch hier lohnt es sich, möglichst viele Stellen mit einem kleinen, gezupft angebotenen Köderfisch auszuprobieren. Ist der Hecht an seinem Standplatz, nimmt er den Köder meist sofort. Oft ist der Biss so heftig, dass man auf dem Wasser einen ziemlichen Wirbel sieht. Dann muss man sofort anschlagen.

 

John hat einmal ein Hechtweibchen von knapp 10 kg an einer Stelle gesehen, die nur 1,8 m breit und 60 cm tief war! Wer im Winter auf Hechte fischen möchte, muss natürlich die lokalen Schonzeiten beachten.

 

Das Spinnangeln ist im Winter problematisch, weil das zusätzliche Wasser trüben Schlamm aufwirbelt und der Hecht schlecht sieht. Ein guter, intensiv duftender toter Köderfisch wird dann vom Hecht viel leichter ausgemacht. Gut sind Makrelen, die man halbiert, damit die Körpersäfte ins Wasser gelangen.

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