Talsperren im Sommer, beliebte Angelreviere

Talsperren im Sommer, beliebte Angelreviere

Artikel von Angelstunde in Gewässerkunde

Auf den ersten Blick machen Talsperren einen unübersichtlichen Eindruck und scheinen schwierig zu befischen, doch es gibt viele Anhaltspunkte

Talsperren sind von Menschen angelegte riesige Teiche, die der Trinkwasserversorgung dienen, Turbinen betreiben, oder den Wasserstand in Flüssen und Kanälen sicherstellen sollen. Meist handelt es sich um aufgestaute Flüsse, die – nicht nur für Angler – zu einem Urlaubsparadies geworden sind. Trotz der vielen Touristen zählen Talsperren zu den beliebtesten Angelrevieren in Deutschland. Wer diese meist sehr großen Gewässer zu lesen versteht, wer dazu noch ein Boot hat, kann kapitale Fische in einer herrlichen landschaftlichen Umgebung fangen. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo, wie in Großbritannien, beispielsweise Karpfen und andere Friedfische besetzt werden, werden in Deutschland hauptsächlich Raub – und Edelfische besetzt: Hechte, Zander und Salmoniden Arten von der Regenbogenforelle bis zum Saibling.

 

Talsperren im Sommer, beliebte Angelreviere

 

Dieser Turm (der Auslauf) lockt immer kleine Fische an, die ihrerseits die Raubfische anlocken. An diesem Turm versuchen zwei Schleppfischer ihr Glück.

 

Tipp

Fischen Sie nicht dort, wo Boote sind und gebadet wird. Badegäste vertreiben die Fische, aber auch Boote stören das Angeln. Wenn Sie vom Boot aus angeln, seien Sie leise. Nicht im Boot trampeln !

 

Die Anhaltspunkte

Talsperren bieten wenig Anhaltspunkte für einen guten Fang. Neben den Tiefenkarten (in Angelgeschäften) gibt es Anhaltspunkte.

 

Krautbetten ziehen alle Arten von Fischen an, speziell Schleien im flachen Wasser, am Ufer und um Inseln herum. Dort laichen sie im Frühjahr. Kurz nach dem Laichen kann man sehr gute Fänge machen, weil die Fische viel fressen, um die Energie zurückzugewinnen, die sie beim Laichen verbraucht haben.

 

Fluss Einläufe bieten immer ein reiches Nahrungsaufkommen, Schutz und sauerstoffreiches Wasser. Hier halten sich viele kleine Fische und Fischbrut auf. Das zieht Raubfische an, speziell Hecht, Barsch, Forelle und Zander.

 

Versunkene Dörfer mit ihren Straßen, Bäumen, Brücken und Häusern sind immer wieder gute Standplätze für Fische. Diese Plätze kann man in Angelkarten finden oder bei lokalen Anglern erfragen. Trotzdem sollte man immer die Angelstelle sorgfältig ausloten, um so Angelgründe zu finden, die mit ihren Krautbetten Fische anlocken.

 


Das ehemalige Flussbett ist auf manchen Karten zu ersehen. Wenn es in der Wurfdistanz liegt, kann man dort gut Brassen fangen, die auf alten Wegen nach Nahrung patrouillieren.

 

An der Staumauer lohnt es sich immer zu angeln, weil man dort sehr leicht tiefes Wasser erreichen kann. Dort sammeln sich auch alle Partikel, die im Wind angetrieben werden. Beachten Sie aber die Angellizenzen, meist ist das Angeln direkt von der Staumauer verboten. Auch das Bootsangeln ist meist eingeschränkt.

 

Die Fischaktivität – am größten ist sie in der Dämmerung -, ist der beste Weg, um die Standplätze der Fische zu erkennen. Wandern Sie am Gewässer entlang. Suchen Sie mit einem Fernglas nach Zeichen von Fischen, die sich an der Oberfläche rollen oder fressen, oder nach aufsteigenden Blasen im Wasser. Viele Fische verraten sich auch durch aufgewühlten Schlamm.

 

Hot Spots sind besonders gute Fangplätze, die allerdings sehr stark vom Wetter und der Jahreszeit beeinflusst werden. Auskunft geben meist Stellen, wo man Angelscheine bekommt, Angelgerätehändler oder die vielen Angler-Pensionen. Wer die richtige Pension gefunden hat, dem ist der Erfolg fast sicher. Touristenbüros verweisen oft auf lokale Angler, die sich gut auskennen und ihre Tips auch weitergeben.

 

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Talsperren 2Dieser Schuppenkarpfen von 7,7 kg wurde in einer Talsperre gefangen. Da die Hängergefahr in Talsperren meist gering ist, kann der Karpfen in der Flucht weite Strecken zurücklegen. Im Sommer können die Karpfen· auch direkt unter der Rutenspitze am Ufer gefangen werden. Vorsichtiges Auftreten ist hier wichtig.

 

 

 

Das Wetter

Obwohl unterschiedliche Fischarten in bestimmten Bereichen des Wassers leben – Brassen, Rotaugen, Barsche und Hechte im Sommer im tieferen Wasser, Rotfedern, Karpfen und Schleien in flacheren Bereichen – hat das Wetter großen Einfluß auf das Fisch-Verhalten.

 

Vor allem müssen Sie auf den Wind achten. Wenn es keine anderen Anzeichen gibt, sollten Sie immer in der windigen Ecke der Talsperre fischen; denn die Fische schwimmen dorthin.

 

In heißen Perioden bei niedrigem Wasserstand werden die Fische tagsüber meist lethargisch. Jetzt kann man oft nur nachts ausgezeichnet fangen, sofern es erlaubt ist. Abends kommen die Fische in die flachen Bereiche, um bis zum Morgen zu fressen. Außerdem gibt es dann keine Spaziergänger, Surfer oder Segler, und es badet niemand.

 

Talsperren

Im Sommer kann der Wasserstand stark sinken. Damit werden viele Flachwasserbereiche uninteressant für das Fischen. Allerdings eröffnen sich auch neue Möglichkeiten, wie z.B. auf der Brücke, die jetzt plötzlich weit aus dem Wasser herausragt. Wer den aktuellen Wasserstand – z.B. vor einer Angelreise – wissen will, der kann in einem örtlichen Angelgeschäft anrufen.

 

 

 

 

Die Angelmethoden

Für das Fischen in Talsperren gibt es keine festen Regeln. Im offenen Wasser kann man auf Friedfische mit einer Schnur, die 1,4 kg trägt, gut fischen. Wer Hänger erwartet, der nimmt eine 2 kg HauptschnurTalsperren und ein feines Vorfach. Am erfolgreichsten ist das Fischen mit der Pose und dem Swimfeeder. Auch die Schwingspitze kann man bei weiten Würfen gut anwenden.

 

Allerdings sollte man nie den Fehler machen, angesichts der riesigen Wasserfläche nur weit auszuwerfen. Die Fische suchen ihre Nahrung im nahen Kraut oder am Schilf. Wer diesen Regeln folgt, kann auch an einer unbekannten Talsperre auf Anhieb große Erfolge haben.

 

Tipp

Bei Ihrer ersten Angelreise an eine Talsperre sollten Sie sich eine Halbinsel suchen, von der aus Sie eine weite Wasserfläche beobachten können. Hier sehen Sie Fische, die ihre Anwesenheit durch Oberflächenaktivität verraten. Außerdem sehen Sie, wo andere Angler ihre Fische fangen.

 

Talsperren 4Rotfedern sind in Talsperren weit verbreitet. Sie können hier sehr groß werden, wie diese beiden Fische von 0,7 kg. Rotfedern sucht man abends oder morgens mit dem Fernglas am Ufer der Talsperren, dort, wo es Bewuchs im Wasser gibt.

 

 

 

 

 

 

Die besten Stauseen

  • Möhnetalsperre: Größe mehr als 10 km². Liegt im Naturpark Arnsberger Wald. 20pfündige Karpfen, Zander über 10, Hechte bis 30 Pfund.
  • Twiste-Talsperre: Hessen. Größe 76 ha. Bekannt für große Bachforellen.
  • Eder-Stausee: Hessen. Große Hechte und Barsche. Karpfen bis 15 Pfund. Für große Hechte am besten im Spätherbst.
  • Henne-See und Diemelsee: Sauerland. Kleinere Talsperren. Henne-See: Zander und Forellen, große Aale. Der Diemel-See ist 166 ha groß. Interessante Fische: Hecht, Zander, Karpfen, Wels.
  • Sorpe-See: Ruhrgebiet. Kapitale Forellen und Hechte. Fliegenfischer können vom Boot mit dem Streamer Forellen fangen. Fische: Aal, Barsch, Brassen, Karpfen, Schleie, Rotfeder, Rotauge, Nase, Maräne (Renke), Döbel, Hecht, Zander, Bach-, Regenbogen-, Seeforelle und Seesaibling.
  • Oker-Talsperre: Harz. Angeln schwierig, kaum Parkplätze. Bach- und Regenbogenforellen.
  • Söse-Talsperre: Harz. Guter Mischbestand von Weiß- und Raubfischen sowie Salmoniden.
  • Granne-Talsperre: Harz. Regenbogenforellen.
  • Innerste-Talsperre: Harz. Fliegenfischen auf Forellen.
  • Oder-Talsperre: Gut für Friedfische, Hechte.
  • Aabach-Talsperre: NRW. Größe 130 ha, gutes Salmonidenrevier, Saiblinge und Äschen.
  • Talsperre Quitzdorf: Sachsen. 68 ha groß. Gemischter Friedfisch- und Raubfischbestand.
  • Rursee: In der Eifel. Uferlänge 50 km. Regenbogenforellen bis über 8 Pfund.
  • Bigge-See: Sauerland. Eines der besten Seeforellen-Gewässer. 17 km lang. Bootsangeln.

 

Talsperren Hier ist der Einlaufstutzen einer Talsperre. An einem solchen Hot Spot stehen fast immer Angler. Das einströmende Wasser hat einen hohen Sauerstoffgehalt. Es ist auch meist kälter; deshalb wird hier besonders im Sommer gefischt.

 

 

 

 

 

 

Rutschgefahr

Wenn Sie von der Staumauer oder von anderen Steinwällen fischen, müssen Sie sehr vorsichtig auftreten. Die Steine sind meist glitschig. Tragen Sie Schuhe mit griffigem Profil, z.B. Gummistiefel mit Stahlwolle in der Sohle.