Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

Meisterangler John Allerton, Mitglied des Matchteams „Barns- ley Blacks“,  zeigt uns das Trotting, die Methode, mit der abtreibenden Pose zu fischen

Für diese Zauberei mit der Stickpose ist Meisterangler John Allerton nach Nottinghamshire an den Trent gefahren, einen Fluss, auf den er besonders spezialisiert ist. Erstmals seit fünfzig Jahren ist der Trent von der Verschmutzung durch die Industrie weitgehend frei, und die Angler machen wieder schöne Rotaugen-, Döbel- und Brassen Fänge.

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham



Meisterangler John Allerton

John Allerton ist selbständiger Automechaniker und Mitglied des Matchteams „Barns- ley Blacks“. Seine legendären Erfolge am Trent schreibt er seinen Lehrjahren an schwierig zu beangelnden Gewässern in Yorkshire zu. 1989-90 war er „Kamasan-Matchangler des Jahres“ und hat auch danach zahlreiche offene Turniere in Long Higgin und Winthorpe für sich entschieden.

 

Der Trent, Englands bestes Matchgewässer

Der Trent, den viele für Englands bestes Matchgewässer halten, scheint seine Angler selbst zu produzieren: Angler, die ihre Methoden hundertprozentig auf diesen Fluss abgestimmt haben und nun von Turniersieg zu Turniersieg eilen. Meisterangler John Allerton ist ein solcher Angler – er verdankt dem Trent einen Großteil der beachtlichen Preisgelder, die er in der Saison 1990-1991 gewonnen hat.

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham

Das Angeln mit der abtreibenden Stickpose ist die klassische Fangmethode auf Trent-Rotaugen. Hier schlägt John gerade seitlich an: Ein Rotauge hat den weit abgetriebenen Köder genommen.

 

11:00 Uhr Glück und Geschick

Das Wetter an diesem Oktobermorgen kann sich noch nicht recht entscheiden, wie es werden soll. Als wir uns zu John gesellen, ist er schon seit einer halben Stunde am Fischen. Er hat sich für eine Stelle entschieden, die unter normalen Bedingungen eher unergiebig ist – Platz 69 gleich unterhalb der Winthorpe-Brücke (bei Newark). Nachdem es einen Tag lang geregnet hat, ist der Wasserspiegel um 15cm gestiegen. Dadurch ist die Strömung schneller als normal, und das Wasser, das normalerweise klar ist, hat sich grünlich verfärbt. Der Angelplatz sieht also bestens aus!

 

Meisterangler John Allerton hofft auf einen zweistelligen Rotaugenfang – das Rotauge ist der Brotfisch für die Meisterangler vom Trent. Sein Verhalten ist immer gut vorhersehbar, und es reagiert auf bestimmte Taktiken stets gleich. Wenn ein Angler seine Technik gut beherrscht, kann er mit guten Fängen rechnen. Und dennoch: Seit immer mehr Döbel und in jüngerer Zeit auch Brassen auftauchen, wird es schwieriger, mit Rotaugen Wettkämpfe zu gewinnen – man braucht dazu auch eine gute Portion Glück.

 


11 :30 Uhr Mit der Stickpose

Eine leicht bebleite Stickpose treibt durch den Angelbereich: die klassische Fangmethode für Trent-Rotaugen. John ist ein wahrer Zauberer beim Angeln mit der Stickpose, und für diese Methode hat er sich heute auch entschieden.

 

Er macht die Wahl seiner Angelmethode stets von den äußeren Gegebenheiten abhängig. Das Wasser ist bei etwas höherem Wasserstand leicht getrübt, folglich wagen sich die Fische ein wenig näher ans Ufer als bei klarem, niedrigem Wasser – bis auf ungefähr drei oder vier Rutenlängen. Kommen die Fische nicht in Ufernähe, muss man weiter draußen fischen, etwa fünf oder sechs Rutenlängen weit. Genau dann macht sich ein Waggler bezahlt.

 

Viele Angler kommen schon bei der geringsten stromab wehenden Brise von der Stickpose ab und stellen sofort auf Waggler um. Doch solange der Wind nicht kräftig stromab bläst, stört sich Meisterangler John Allerton wenig daran. Er bringt ein Rückschrot oberhalb von der Pose an der Schnur an und lässt die Schnur absinken, damit sie nicht vom Wind erfasst wird. John schätzt, dass er bereits mehr als ein Kilo Rotaugen und Lauben im SetzkescherMeisterangler John Allerton hat, also hat er die richtige Wahl getroffen.

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham Auswahl seiner Stickposen

John zeigt eine Auswahl seiner hochsensiblen Stickposen mit ihren dünnen Spitzen und den Aluminiumstäben.

 

 

 

 

 

 

 


12:00 Das Geheimnis

Seine Stickpose sieht ungewöhnlich aus. Der Balsaholzkörper ist etwas breiter als bei den meisten Stickposen und ähnelt mehr einer schlanken Avonpose, aber die Spitze ist dünn und sehr empfindlich. Ein Drahtstab aus Aluminium verleiht der Pose Stabilität und sorgt dafür, dass sie stets auf dem richtigen Kurs bleibt.

 

Anstatt seine Schrotbleie zu bündeln, klemmt Meisterangler John Allerton sie in regelmäßigen Abständen auf die Schnur – je ein Schrotblei Nr. 6 im Abstand von 15 cm. Der einzige Grund dafür ist, dass es offensichtlich funktioniert! Wenn man John beim Angeln mit der Stickpose zusieht, erkennt man kaum einen Unterschied zu anderen Anglern – es sieht alles so einfach aus. Er wirft über den Arm hinweg etwa drei, vier Rutenlängen weit aus, leicht stromab, lässt die Schnur absinken und bringt sie in eine gerade Linie zwischen Pose und Rutenspitze.

 

Meisterangler John Allerton ist Rechtshänder, daher übernimmt beim Anfüttern (vor jedem Wurf) die linke Hand die Rute. Er greift in seine Schürzentasche und wirft etwa 50 Maden zwei bis drei Meter unterhalb ein und lässt die abtreibende Pose dann nicht mehr aus den Augen. Wenn sie abtaucht, schlägt er an, wenn nicht, holt er sie wieder ein und wiederholt den ganzen Vorgang.

 

Seine Köderauswahl ist auch nichts Außergewöhnliches. Zu einem normalen Match nimmt Meisterangler John Allerton drei Liter bronzefarbene Maden mit (er lässt sie so, wie er sie gekauft hat), einen halben Liter Caster und einen Liter Hanfsamen. Daran ist wirklich nichts Geheimnisvolles; wo also liegt der Schlüssel zu seinem Erfolg?

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham Köderpalette

Mit einer solchen praktischen und übersichtlichen Köderpalette hat man Maden, Hanfsamen und Caster immer griffbereit.

 

 

 

 

 


12:30 Uhr Der Silberschatz

Am Ufer dieses Flusses finden sich kaum Bäume – der Himmel über Nottinghamshire spiegelt sich weißlich im Wasser. Die schwarze Posen Spitze schiebt sich wie ein Ruß Körnchen durchs Wasser.

 

Bis jetzt hatte Meisterangler John Allerton bei fast jedem Wurf einen Biss, und man kann das nächste Abtauchen des kleinen Fleckchens fast schon vorhersehen. Es zuckt und verschwimmt, und man weiß gar nicht, ob man seinen Augen überhaupt trauen soll, doch für John gibt es keinen Zweifel: Die Rute schnellt hoch, und schon biegt sich die Spitze stärker durch als normal. Die Pose steigt hoch, schüttelt sich einen Moment lang über dem Wasser und taucht dann wieder ab. Schon nach kurzer Zeit huscht ein wunderschönes silbriges Rotauge von knapp 300 g durch das Wasser vor Johns Füßen.

 

Für diese Strecke ist das ein „Bonus- Rotauge“ – die meisten Fische wiegen ungefähr zwischen 40 und 60 g. In einem Match braucht man solche Bonus-Rotaugen, wenn man ein zweistelliges Fanggewicht erreichen will. „Solche Rotaugen sind immer da, sie stehen etwas tiefer als die kleinen Fische. Es kommt nur darauf an, wer den Köder zuerst bekommt“, sagt John.

 

Johns Technik für das Posen Angeln mit der offenen Stationärrolle

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham 1. Beim Anschlag klemmt John die Schnur mit dem Zeigefinger fest, damit der Fisch keine Schnur mehr abzieht.

 

 

 


Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham 2. Johns Zeigefinger macht nun Platz für den Schnurfangbügel, den er jetzt mit einer Kurbelumdrehung schließt.

 

 

 


Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham 3. Der Schnurfangbügel ist wieder ganz zugeklappt. John kann den Finger zurücknehmen und den Fisch einholen.

 

 

 


13:00 Uhr Der Stick-Trick

Sicherlich gehört zum richtigen Posen Angeln mehr, als man auf den ersten Blick sehen kann. Das Wunderbare an der Stickpose ist ihre Vielseitigkeit: Man kann sie langsam oder schnell abtreiben lassen, sie ganz zurückhalten oder nur ab und zu ein wenig abbremsen. Heute lässt Meisterangler John Allerton sie mit der normalen Strömungsgeschwindigkeit abtreiben. Warum hat er sich gerade so und nicht anders entschieden?

 

Es kommt darauf an, was der Fisch will. John glaubt, dass es hier viele kleine Fische gibt. Abgesehen davon, dass er schon eine ganze Menge gefangen hat, bekommt er ja ständig Bisse. „Weniger Bisse heißt in der Regel auch weniger Fische. Manchmal bekommt man anfangs überhaupt keine Bisse – doch das ist oft ein gutes Zeichen, und die großen Rotaugen stellen sich dann früher oder später ein.“

 

Er führt uns den Trick vor, mit dem er die größeren Rotaugen fängt. Nach dem Einwerfen lässt er der Pose etwas Zeit, um sich zu stabilisieren, dann hält er sie zurück, so dass der Köder leicht aufsteigt. Genau in diesem Moment lässt er die Pose wieder los, und der Köder wird mit der abtauchenden Pose nach unten gedrückt. Gäbe es an dieser Stelle heute nicht so viele kleine Fische, hätte der letzte Fisch leicht ein Rotauge von einem dreiviertel oder ganzen Pfund sein können. Doch heute lockt das Zurückziehen der Pose nur die kleinen Fischchen an – wie die Laube, die in diesem Moment in Johns Hand landet.

 

Indem er die Pose abtreiben lässt, erwischt er wenigstens die vereinzelten besseren Fische. Es kommt also darauf an, den Köder solange auf verschiedene Arten zu präsentieren, bis man weiß, was die Fische wollen. „Seltsam“, sagt John beim Einholen, als er zum ersten Mal seit langer Zeit keinen Biss bekommen hat. „Wahrscheinlieh ist die Made abgegangen.“ Als sich dies bestätigt, ist John erleichtert, ködert frisch an und wirft gleich oberhalb des Schwarms neu ein – das spart Zeit.

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham

Kleiner Trick, große Rotaugen

Johns Trick zum Fang der großen Rotaugen besteht darin, die Pose bei hochgehaltener Rute zurückzuhalten. Dadurch wird der Köder etwas vom Grund abgehoben. Wenn John wieder loslässt, sinkt der Köder erneut ab, und die Rotaugen beißen zu.

 

 

 

 

 

 


13:30 Uhr Ein schlauer Gegner

Die Pose treibt etwa einen Meter weiter, und wieder zuckt der kleine schwarze Fleck. Mit einem „Klonk!“ hakt John wieder ein gutes Rotauge – endlich sind sie da! „Deswegen muss man eine leicht bebleite Pose verwenden und das Blei gleichmäßig auf der gesamten Schnurlänge verteilen – die Rotaugen dort unten haben den Köder schon zehn Sekunden im Maul, bevor man den Biss sieht,“ sagt John.

 

Es folgt eine weitere Rotaugenserie mit Fischen von knapp 200 bis knapp 300 g, dazwischen fängt John nur vereinzelte kleine Rotaugen, Lauben und Gründlinge. Dann beruhigt sich die Lage wieder. John füttert seit einiger Zeit neben Maden auch Caster an, und jetzt will er mal einen am Haken ausprobieren.

 

In einem Match wäre es fatal, den Köder mitten im Angeln zu wechseln. Aber wenn man nur so zum Spaß fischt, spricht nichts gegen kleine Experimente. Nun wartet John jedoch länger als bisher auf einen Biss. Als die Pose schließlich abtaucht, kommt ein silbriger Brassen von etwa 170 g zum Vorschein. „So was fängt man bei Long Higgin. Man muss 7 kg davon fangen, um das Geld nach Hause nehmen zu dürfen,“ sagt John. (Long Higgin ist eine Matchangelstrecke am Trent).

 

John benutzt nun wieder Maden und kommt richtig in Fahrt. „Der hier sieht mir nicht nach Rotauge aus, er zieht zu kräftig,“ sagt John. Doch er hat sich getäuscht – es ist ein Rotauge von 400 g, in bester Verfassung.

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham

Johns Rig

John bebleit seine Montage präzise und präsentiert den Köder nur 10 cm über dem Grund. Er tariert die Pose so aus, dass nur ein Tüpfelchen sichtbar bleibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


14:45 Uhr Einfache Lösung

Am Ende dieses Angeltages kann lohn ein zweistelliges Fanggewicht vorweisen. Indem er die Schnur an der abtreibenden Pose immer wieder anders geführt hat, ist er mit den Rotaugen stets in Verbindung geblieben.

 

Er gibt ausdrücklich zu, dass er es mit dem Angelgeschirr und dem Köder ganz einfach hält. Das Geheimnis besteht lediglich darin, den Rotaugen den Köder richtig zu präsentieren – und die Pose perfekt zu führen.

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham Offene Stationärrolle

Eine offene Stationärrolle und zusätzliche Ringe an der Rute lassen die Schnur glatt ablaufen, wenn Steve mit ab- treibender Pose angelt.

 

 

 

 


Engstirnig

John meint, dass viele Angler den Fehler machen, immer nur auf einer Linie zu fischen oder, wenn sie doch auf zweien fischen, beide anzufüttern. Er empfiehlt, nur eine Linie anzufüttern – die Fische stehen dann ziemlich eng beieinander – und die Pose an zwei verschiedenen Linien entlang zu führen. Das ist sinnvoll, weil die größeren Fische am äußeren oder inneren Rand des Futterbereichs stehen. So kann man den Fisch auf flexible Weise suchen.

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham Auch so kann ein schönes Gewicht zusammenkommen. Am Tag zuvor hatte John in einem offenen Match an dieser Strecke 5,4 kg kleine Rotaugen gefangen – genug für den zweiten Platz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Tipp Haken – Tuning

Mit einer Flachzange drückt John den Widerhaken an seinen Angelhaken an. Dadurch werden die Maden beim Anködern weniger beschädigt, der Haken dringt leichter in das Fischmaul ein und ist besser zu lösen.

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham Nein, John hat keine Kuh an der Angel – das ist nur wieder ein großes Rotauge auf dem Weg in seinen Unterfangkescher.

 

 

 

 

 

 

 


Flexibel sein

Um eine Stickpose richtig durch einen Angelbereich abtreiben zu lassen, muss man sich gut konzentrieren. Wenn man nichts als Gründlinge fängt, fischt man wahrscheinlich zu hart am Grund. Dann sollte man die Pose nach und nach flacher einstellen, bis auch die größeren Fische schließlich anbeißen.

 

Meisterangler John Allerton am Trent bei Muskham Abends finden sich 7,3 kg Rotaugen, Brassen, Gründlinge und Lauben in Johns Setzkescher. Damit wäre er in einem Match auf dem Siegertreppchen gelandet. Für heute hat ihm der Fang einfach nur einen schönen Angel Tag beschert.