Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in London

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in London

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

Der Grand Union-Kanal im Nordwesten Londons ist reich an Fischen, wie uns der Londoner Matchangler Keith Arthur vor Ort beweisen will

Drei Tage nach Jahreswechsel ist es mild, trocken und fast windstill. Gut Aussichten, denkt sich Matchangler Keith Arthur, als er den Tidelpfad am Grand-Union-Kanal entlanggeht. Er hat sich einen Abschnitt in Northolt, einem Außenbezirk im Nordwesten Londons, ausgesucht. Im Sommer ist dies ein guter Platz für Brassen, Schleien und Karpfen, jetzt fängt man hier überwiegend Rotaugen und Barsche bis über ein Pfund.

 

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in London



Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal

Keith bleibt auf Höhe eines festgemachten Boots stehen und beobachtet das dunkle Wasser. Im Winter, wenn es keine Algenblüte und nur wenig Bootsbetrieb gibt, ist das normalerweise schon sehr saubere Wasser noch klarer. Voller Zuversicht setzt er sich für heute ein Fangziel von 2,3-2,7 kg.

 

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in London

Wie es sich für einen guten Kanalangler gehört, hat Keith sämtliche Gerätschaften in sicherer Entfernung vom Treidelpfad in Griffweite abgelegt.

 

9:30 Uhr Brotkrume zum Start

Keith möchte zunächst eine unberingte Stipprute mit Brotkrume auf kleine Rotaugen einsetzen und füttert dabei Hanfsamen und Caster an, um auch größere Rotaugen anzulocken. Er will versuchen, solange wie möglich an der Stipprute zu fangen und später weiter draußen einen Caster an der Waggler-Angel anzubieten. Je länger man die Casterlinie ruhen lässt, desto besser. Die großen Rotaugen müssen erst einmal ganz vertrauensvoll fressen können, erklärt Matchangler Keith Arthur.

 

Die Angelstrecke, die er mit Brotkrume beangeIn möchte, liegt 6 m weit draußen. Keith weiß, dass es hier ungefähr 1,7 m tief ist, lotet aber doch noch einmal aus, damit er seinen Hakenköder ungefähr 3 cm über Grund anbieten kann – in einer Ebene mit dem Fischmaul, sie sollen es ganz leicht haben. Auch die Fanglinie für die Waggler-Angel lotet er aus. Da im Winter weniger Boote unterwegs sind, halten sich die Fische im tieferen Wasser am Abfall der Fahrrinne auf.

 

Diese drei Rigs verwendete Matchangler Keith Arthur bei Northolt

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in London

Rigs für kurze Stipprute

Für die kurze Stipprute verwendete Keith eine äußerst empfindliche Balsapose mit Drahtspitze und Drahtstab, die er mit Schrotbleien maximal beschwerte. Bei derart empfindlichen Posen kann bereits ein 12er Schrotblei darüber entscheiden, ob die Spitze noch aus dem Wasser schaut oder abtaucht. Sollte die Pose abtauchen, kann man das 12er Blei ruhig in der Schnur lassen und die Posen Spitze ein wenig einfetten. Dann muss ein Rotauge nur den Köder einsaugen, und schon schießt die Pose ab! Keith verwendet immer einen Chirurgenknoten mit drei Windungen, um seine Vorfächer anzuknüpfen. So beginnt der Hakenköder sich nicht zu drehen wie bei Schlaufe-an-Schlaufe. Bei diesem Rig verwendet er einen feinen Drahthaken mit Kleinstwiderhaken.

 

 



Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in London

Waggler-Rig

An einem klaren Winterkanal haben schwere Schrotbleie nichts zu suchen. Die Anzahl der 11 er und 12er Schrotbleie sowie deren Abstand zueinander können auch variieren. Andere Posen benötigen unter Umständen ein oder zwei Schrotbleie mehr oder weniger, um richtig im Wasser zu stehen. Es schadet nie, wenn man die Schrotbleie im Laufe des Angeltags mehrfach verschiebt, um größere und mehr Fische zum Anbiss zu verleiten. Keith entschied sich für eine Ganzbalsapose mit einer schlanken, empfindlichen Spitze. Auffällig ist der weiche Posen Adapter, der es ermöglicht, dass die Pose beim Anschlag zusammensackt, wodurch das Wasser weniger aufgewühlt wird. Für dieses Rig verwendete Keith einen feindrahtigen, langschenkligen Haken mit Kleinstwiderhaken.

 

 

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in London

Rig für die lange Stipprute

Keith wählte eine Pose, die große Tragkraft und Empfindlichkeit aufwies. Auch diese hatte einen Drahteinsatz zur Erhöhung der Stabilität. Statt einer Drahtspitze besaß sie eine Nylonspitze. Sie wird deswegen nicht so leicht von der Strömung heruntergezogen – ganz wichtig, wenn man einen Köder bewegungslos in 13 m Entfernung anbieten muss. Keith verwendete ein kleines Rückschrot, damit die Schnur zwischen Pose und Hutenspitze nicht im Wind weht und an der Pose zerrt. An der langen Stipprute benutzte er denselben Haken wie bei der Waggler-Angel. Er ließ beim Angeln mit diesem Rig 1 m Schnur zwischen Pose und Rutenspitze und hatte ein leichtes Elastikband in die oberen Rutenabschnitte eingefädelt.

 

 

10:20 Uhr Rotaugen-Lockstoff

Keiths Stipprute hat eine weiche Spitze, ist teils als Teleskoprute, teils als Steckrute aufgebaut und 7 m lang. Zum Anködern und Landen wird er einzelne Teile der Rute abnehmen. Er öffnet einen Plastikbehälter mit einem zerbröselten Laib aufgeschnittenen Weißbrots. Zum Kanalfischen entfernt er vor dem Zerbröseln die Brotkruste. Er bevorzugt Brot, das bereits einen Tag alt ist, weil es im Wasser besser ausflockt als frisches Brot. Bleiben Reste übrig, friert er sie ein. Dann trocknet das Brot ein wenig aus, aber mit einem Zerstäuber kann man es vor Gebrauch anfeuchten.

 

Matchangler Keith Arthur gibt einige Tropfen Catchurn Roach Attractor (ein Rotaugenlockmittel) in den Zerstäuber. Ich weiß nicht, ob das etwas bringt, aber es kann nichts schaden. Er besprüht auch seine Hände, bevor er das Brot mit den Fingern bearbeitet, damit der Menschen Geruch den Köder nicht verdirbt.

 

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in LondonKeith Arthur ist Handelsvertreter für Daiwa und wirkte als Regisseur und Darsteller an einigen bekannten Angelvideos mit. Er hat schon viele offene Wettkämpfe gewonnen, und der Höhepunkt seiner Karriere war der 2. Platz bei der National Championship, Division 1, 1980 am Trent.

 

 

 

 

 


Hanf und Caster

Als nächstes öffnet er eine Tüte Caster und eine Tüte Hanf. Er schleudert vier kleine Becher Hanf und zwei kleine Becher Caster hinaus an die Angelstelle. Diese Grundlage wird er beim Fischen alle zehn Minuten mit einem halben Dutzend Caster garnieren. Die Caster sind dunkel, deswegen sinken sie langsam ab und steigen wieder auf, wenn ein Boot vorbeifährt – so wird die Angelstelle zweimal angefüttert! Für seine Brotangelstelle drückt Keith eine golfballgroße Kugel aus zerbröseltem Brot zusammen und kippt sie mit einem Rutenbecher in 6 m Entfernung ins Wasser. Er könnte sie auch einwerfen, aber präziser als mit einem Rutenbecher geht es nun einmal nicht. Die Kugel sinkt langsam ab und bricht dabei auf. Mit etwas Glück, sagt Matchangler Keith Arthur, werde ich an dieser Stelle nicht mehr anfüttern müssen.

 

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in LondonFett wie Butter: Solche Rotaugenschönheiten lassen sich mit dem Waggler fangen, wenn man den Einsatz des Casters solange wie möglich hinauszögert.

 

 

 

 

 

 

 


10:30 Uhr Verpasste Bisse

Matchangler Keith Arthur schiebt die Stipprute hinaus, die er mit einem kleinen Kügelchen Brotkrume versehen hat. Er ist ganz zuversichtlich und glaubt, dass er schon nach 15 Sekunden den ersten Fisch fangen wird. Tatsächlich dauert es eine ganze Minute, bis ein kleines Rotauge den Köder nimmt. Die typische Brotkrumen große – zwölf von denen ergeben ein Pfund, sagt er.

 

Keith verpasst die nächsten paar Bisse – je ruhiger das Wasser ist, desto besser funktioniert normalerweise die Brotkrume. Ob das Brot schon zu sehr eingetrocknet war? Er versucht es mit einer anderen Scheibe, aber die Bisse sind immer noch heikel. Es wird spürbar kälter, vielleicht sind die Fische deshalb so unentschlossen. Brotkrume ist trotzdem ein guter Köder, wenn es kalt ist, sagt er, weil die Fische sie praktisch vom Haken wegtrinken können. Wie Suppe ist das, die Nahrung landet sofort im Maul. Vielleicht verpasse ich ja die Bisse, weil die Fische so klein sind.

 

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in LondonNeben Rotaugen gibt es im Kanal bei Northolt jede Menge Barsche, die gegen Caster nichts einzuwenden haben.

 

 

 

 

 

 

 


Winzige Rotauge

Und in der Tat: Zwischen einigen verpassten Bissen beginnt Keith, winzige Rotaugen zu fangen. Manchmal sprechen größere Rotaugen auf kleinere Krumen Kügelchen an. Keith probiert es und bekommt wieder ein winziges Rotauge. Gelegentlich fängt man größere Fische, indem man die Angel tiefer einstellt. Keith probiert es mit 15 cm Übertiefe – und bekommt einen Gründling. Es hilft auch, wenn man die Angel flacher einstellt. Keith probiert es 5 cm über dem Grund – und fängt ein winziges Rotauge. Keith füttert wieder eine Golfkugel und ein wenig Hanf an – nicht etwa, weil er die winzigen Rotaugen sattfüttern will, sondern weil er immer noch hofft, die größeren anzulocken, die dann die kleinen verjagen.

 

Im Abstand von einer Minute kommen drei Kähne vorbeigestampft. Das Wasser hat sich kaum beruhigt, als ein 2,5 cm langes Rotauge den Köder nimmt. Das ist bestimmt das kleinste Rotauge, das ich jemals mit Brotkrume gefangen habe! Durch dauerndes Anfüttern mit Brot und Hanfsamen gelingt es Keith, einige größere Rotaugen zu fangen – 3 cm vom Grund, genau dort, wo er angefangen hatte! Bis zum Mittag fängt er mit jedem Wurf einen Fisch. Er beschließt, nach der Casterstelle zu schauen. Wenn ich nicht sofort fange, bedeutet das, dass die Fische nicht hier sind, dann werde ich sofort wieder auf Brotkrume umstellen, sagt er. Da zeigt sich seine Erfahrung – andere würden an der verlassenen Casterlinie ausharren. Er nimmt die Waggler-Rute auf und ködert einen Caster an. Sobald die Pose im Wasser landet, taucht er die Rutenspitze unter und schnippt sie zur Seite, um die Schnur abzusenken. Er behandelt seine Schnur nie mit Spülmittel: So etwas tut man doch auch nicht auf den Köder!

 

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in London

Ausloten

Keith befestigt den Waggler oben und unten an der Schnur. So wirft er besser aus und erhält eine exaktere Tiefenanzeige.

 

 

 

 

 


12:30 Uhr Lohn der Mühe

Bei jedem Wurf füttert Keith nur vier Caster an. Er fängt gleich auf Anhieb ein kleines Rotauge und verpasst dann bei fünf Würfen gleich fünf Bisse. Dann probiert er, den Caster wie eine Made anzuködern und hat damit keinen Erfolg. Also stellt er die Angel auf Übertiefe ein.

 

Schon bald stellt sich ein dramatischer Erfolg ein: Schöne Rotaugen und Barsche mit Durchschnittsgewichten von über 200 g landen im Setzkescher. Allmählich nimmt die Strömung im Kanal zu, und er muss die Pose tiefer stellen, damit sie nicht herum- und unter Wasser gezogen wird. Die Strömung wird stärker, der Köder lässt sich nicht mehr bewegungslos halten – so wie ihn die Rotaugen haben wollen – und schon verpasst er Bisse.

 

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in LondonMit der langen Stipprute bekam Keith deutlich mehr Bisse und konnte auch mehr von ihnen anschlagen. Hier keschert Keith gerade einen weiteren schönen Grand-Union-Fisch.

 

 

 

 

 

 


Zeit für die Stipprute

Es wird Zeit für die Stipprute. Mit einer 13 m langen Rute gelingt es Keith, den Köder gegen die Strömung zurückzuhalten. Er ist sofort wieder voll dabei: Das Elastikband schießt aus der Rute, und ein Rotauge versucht, in den Schutz des festgemachten Boots zu kommen. Aber es hat Keith nicht sehr viel entgegenzusetzen und ergibt sich bald mit einem Schlag seiner roten Flossen.

 

Er fängt einen Fisch nach dem anderen, bis ein Schiffskolonne durch die Angelstelle pflügt und die Erfolgssträhne jäh beendet. Es ist ohnehin ziemlich kalt geworden, und Keith ist sehr zufrieden mit dem außergewöhnlich guten Fangerfolg des heutigen Tages.

 

Matchangler Keith Arthur am Grand-Union-Kanal in LondonKeith hat allen Grund, mit diesem schönen Winterlang zufrieden zu sein. Sein Zielgewicht von 2,3 bis 2,7 kg konnte er mit Leichtigkeit übertreffen, und es hat ihm Freude gemacht!