Der Marlin ein Gladiator der Meere

Der Marlin ein Gladiator der Meere

Artikel von Angelstunde in International Angeln

Draußen in den Tiefen der tropischen und subtropischen Meere lebt dieser gigantische Raubfisch – Der Marlin. Roy Marlow beschreibt eine Großwildjagd

Für Big-Game-Fischer zählt der Marlin mit zu den größten Herausforderungen. Ich hatte als Mitarbeiter einer Angelgeräte-Firma den Auftrag bekommen, eine neue Ausrüstung für die stärksten Fische der Weltmeere zu testen, die Schwertfische.

 

Der Marlin


Marline kommen oft dort vor, wo zwei Meeresströme aufeinandertreffen – dort ist das Nahrungsangebot für sie sehr reichhaltig.

 

Mit einer 30-lbs-Ausrüstung sollte ich auf die gestreiften Marline fischen. Bei einer Länge von 2 m und einem Gewicht von bis zu 270 kg sind sie die kleinen Verwandten der schwarzen Marline. Die Großwildjagd begann in Cabo-San-Lucas, an der Spitze der Baja California im Norden Mexikos. Dieser Hafen bietet einen ausgezeichneten Zugang zu dem Gebiet, in dem der Golf von Kalifornien in den Pazifik übergeht. Die Fischgründe dort sind hervorragend. Vor der Ausfahrt wollte ich mir den Hafen ansehen und den Captain für den nächsten Tag treffen. Es war ein kurzes Gespräch. Mein Skipper sagte nur: „Big Fish, big catches“, „Große Fische, große Fänge.“

 

Bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen rasten wir mit 30 Knoten auf die offene See zu. Im Köderbehälter waren Makrelen, alle knapp zwei Pfund schwer. Ich hatte darauf bestanden, mit lebenden Köderfischen zu angeln, da ich nicht den ganzen Tag mit der Schleppangel fischen wollte.

 

Der Plan war einfach. Ausschau halten nach einem ruhenden Marlin, dessen Flossen knapp aus der Wasseroberfläche ragen, dann einen künstlichen Schleppköder über das Schwert des Fisches laufen lassen, damit er reagiert: und dann der nervige Teil: Das Warten, bis der Marlin beißt.

 

„Marlin! Marlin!“ kam der Ruf von der Brücke. Zwei Fische steuerbord voraus! Bis zu diesem Moment war ich völlig cool gewesen.

 

Der Marlin

Dieser Angler hat einen kleinen Schwertfisch an der Angel. Die Rute ist im Bauchgurt abgestützt. Für große Schwertfische sind Rückengurt (Harness) und Kampfstuhl nötig.

 

 

 

 

 



Der Marlin

Nachdem ein Marlin gehakt ist, wird er aus dem Wasser springen und mit der Schwanzflosse über das Wasser laufen. Dann wird er tauchen und seine ganze Kraft gegen den Zug der Angel einsetzten. Mit leichter Ausrüstung kann der Kampf mit einem Marlin Stunden dauern. Angler, die das durchstehen wollen, müssen gut trainiert sein.

 

 

 


Ich wollte mich zwingen, nicht in Panik zu geraten. Aber jetzt schoss mir doch das Adrenalin in die Glieder. Dabei habe ich in meinem Leben schon eine Menge großer Fische gefangen, und ein Marlin würde doch wohl nicht soviel anders sein … Beide Fische folgten den Ködern. Ich zog eine Makrele auf den Haken und ließ sie in Richtung der aufgeregten Marline los. Was jetzt passierte, hatte ich noch nie gesehen. Das hatte auch in keinem Buch gestanden. Beide Marline schossen auf die Makrele zu. Dann leuchteten sie plötzlich wie eine Neonreklame; blaue Linien blitzten entlang ihrer Körper auf.

 

Sie legten die letzten 50 m in wenigen Sekunden zurück, und einer der beiden zerschmetterte mit seinem Schwert die Makrele. Ich schlug nicht an, sondern ließ den Köder heraus, und der größere Marlin biss.

 

Der Marlin Der Angler sitzt im Kampfstuhl. Er hat den Rückengurt (Harness) in die Rolle gehakt. Bei diesem ultra-schweren Gerät hat der Fisch kaum eine Chance.

 

 

 


Anhieb! Reiner Instinkt war das. Zeit zum Überlegen hatte ich jetzt nicht mehr, nur hundert panikartige Gedanken blitzten durch meinen Kopf. Würde mein neu erlernter „Birnini-Twist“-Knoten halten? War die Rolle groß genug? Aber für solche Sorgen war es nun zu spät. Ich hatte einen der mächtigsten Fische der Weltmeere an der Angel, und der schoss momentan ein bisschen schneller als eine Concorde davon.

 

Die Leine rannte von der Rolle. Der Marlin tanzte mit der Schwanzflosse auf dem Wasser. Er schoss aus dem Wasser und zog in weniger als zehn Sekunden 200 m Sehne ab. Ich spürte, wie mein Herz klopfte. Ich hatte keine Vorstellung davon, ob die Rute das aushalten würde. Dann ging der Marlin zum Angriff über. Ein langer Kampf hatte begonnen. Mit aller Kraft, die ich hatte, legte ich mich ins Zeug. Aber der Fisch war zu stark: Es gab keine Chance, in den Kampfstuhl zu kommen. Ich hatte die RuteMarlin nur in meinen Händen und im Bauchgurt: Ein Kampf Fisch gegen meine Armmuskeln.

 

Nach 30 Minuten war ich überzeugt davon, dass meine Arme um einige Zoll länger geworden waren. Aber die Rute hatte gehalten, und der mächtige Marlin – mein erster Marlin – lag längsseits des Bootes. Es war ein stattlicher Fisch, der in der Maulspalte gehakt war. Schnell hatte der Fisch seine Freiheit wieder und tauchte ab – ein schöner Anblick. Auf dieser Reise fing ich noch viele weitere Marline, und jedesmal wurde meine Ausrüstung erneut auf die Probe gestellt. Aber nichts kam meiner ersten Begegnung mit diesem leuchtend blauen Gladiator der Meere gleich.

 

Stattlicher Marlin

• Es gibt neun Arten von Schwertfischen (Fam. Xiphidiae) in den Weltmeeren. Kleine Arten erreichen 40 kg. Der riesige schwarze Marlin erreicht 500 kg. Der Big-Game Weltrekord liegt bei 1560 Ibs, das sind 707,61 kg.

• Mit dem Schwert (auch Bill genannt), nach dem die Schwertfische benannt sind, schlägt der Fisch in einen Beuteschwarm und frisst dann die getroffenen Beutetiere, z.B. Makrelen.

• Die Schwertfische zählen zusammen mit der Familie der Thunfische und den Haien zu den schnellsten Lebewesen der Welt. Sie erreichen Geschwindigkeiten bis zu 110 km/h, schneller als ein Leopard!

 

Der MarlinEin Angler mit seiner Beute. Solche Bilder sind selten geworden. Schwertfische werden heute zurückgesetzt, um den Bestand nicht zu gefährden.

 

 

 

 

 

 

 

 


Der Marlin Roy Marlow

Roy war der Begründer der berühmten „Leicester Likely Lads“ und schon vor seinem 20. Lebensjahr in der englischen Nationalmannschaft. Heute fischt er kaum noch Wettbewerbe. Er leitet statt dessen einen Angelbetrieb in den Midlands.

 

Roy hat viele Specimen-Fische in Großbritannien gefangen. Als Berater der Firma „Daiwa“ hatte er die Möglichkeit, überall auf der Welt zu angeln. Dabei fing er einen 54 kg schweren Tarpon mit der Fliegerute, zahlreiche Haie, Barrakudas und alle Arten von Seefischen. Roy tötet seine Fische nicht für Trophäen und bezeichnet sich selbst als Gelegenheitsangler.