Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in England

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in England

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

Der zweimalige Weltmeister im Fliegenfischen, Fliegenfischer Brian Leadbetter ist von Beruf Fliegenbinder und betreibt das Fliegenfischen seit 20 Jahren

Fliegenfischer Brian Leadbetter ist davon überzeugt, dass die Kunst des Fliegenfischens an stehenden Gewässern sich auf den Fang von Forellen mit einer schwimmenden Schnur an der Oberfläche beschränken sollte. Seine These wird am Pitsford Water auf die Probe gestellt.

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in England



Fliegenfischer Brian Leadbetter

Während wir den Dammbereich verlassen und langsam zur Westseite der Talsperre tuckern, bilden der graue Himmel und das aufgewühlte Wasser an diesem milden Septembermorgen den richtigen Hintergrund für eine Fischerei nach Loch-Manier.

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in England

Am Nachmittag kam die Sonne durch, und die Forellen zogen sich zurück.

 

10:00 Uhr Auf der Lauer

Fliegenfischer Brian Leadbetter benutzt eine 3,4 m lange Rute und eine schwimmende Schnur der Klasse WF7. Dazu ein 7 m langes Vorfach aus einer geraden, extra starken Monofilschnur von 2,7 kg Tragkraft. Seine vier Nass Fliegen, eine Mischung aus hellen und dunklen Mustern der Größe 12, hat er in Abständen von etwa einem Meter am Vorfach angeknüpft – eine typisch britische Methode.

 

Als Endfliege verwendet er eine „Dunkeld“, danach kommt eine „Mallard and Claret“, dann eine „Pearly Wickham“ und als „Bob Fly“ ein „Soldier Palmer“. Die Bob Fly ist eine Fliege, die besonders gut schwimmt und auch als Sichthilfe angeknotet wird. Sie sitzt bei mehreren Fliegen am Vorfach der Rute am nächsten. Bob Flies sollen durch ein Schlittern auf der Wasseroberfläche Forellen zum Biss reizen. „Normalerweise suche ich mir die Fliegen nach Gewicht oder nach der Größe der gerade schlüpfenden Insekten aus“, sagt Brian. „Bei hohem Wellengang sollte man große Fliegen verwenden, damit sie vom Fisch auch gesehen werden.“

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in EnglandAngler mit Tunnelblick

,gehen vor Anker und hoffen, dass ein Fisch vorbeikommt. Brian hingegen beobachtet das Wasser genau und achtet  auf Anzeichen für steigende Forellen.

 

 

 

 

 

 


Der Wasserstand ist sehr niedrig

Der Wasserstand dieses verzweigten Stausees in der englischen Grafschaft Northamptonshire ist sehr niedrig, und die Kies besäumten Ufer sind deutlich sichtbar. Als wir das erste mal abtreiben, sehen wir einige Angler, die ganz in der Nähe vom verankerten Boot aus angeln. „Bei diesem Wetter muss man nicht unbedingt vor Anker gehen“, sagt Brian. „Je bewegter das Wasser ist, desto höher kommen die Forellen herauf.

 


Sie werden dann auch mutiger. Ankern würde ich nur, wenn die Fische in einiger Tiefe auf Nymphen gehen oder wenn ich über einem Krautbett fischen würde, wo man absolut still sitzen und ruhig sein muss.“ Ein paar Angler bewegen sich zum Damm hin, einer Stelle, die das ganze Jahr beliebt ist. Was hat es mit dem Damm auf sich? „Das Wasser ist dort am tiefsten, aber bei diesem Wetter bringt das nichts. Falls heute Fliegen schlüpfen sollten, dann bestimmt nicht im tiefen Wasser. Dort ist es eh zu kalt. Nur wenn das Wasser vom Winter noch sehr kalt ist, stehen die Forellen gern dort.“

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in EnglandNass Fliegen

Für diesen Angelausflug verwendet Brian eine Mischung aus hellen und dunklen Nass Fliegen.

 

 

 

 

 

 


10: 20 Uhr Aufsteigende Rotfedern

Der Nordostwind treibt uns in Richtung Bog Bay, wo zahlreiche Rotfedern die Wasseroberfläche zum Kochen bringen. Auf Wasserinsekten haben es diese Fische aber bestimmt nicht abgesehen, höchstens auf vereinzelte Mücken, die aber am Ufer schlüpfen.

 

Heute morgen zeigen sich jedoch weder olivfarbene Fliegen noch Mücken. Bei näherer Betrachtung des Ufers ergibt sich ein ähnliches Bild. Wir treiben ein paarmal ab, doch Fliegenfischer Brian Leadbetter bekommt keinen Biss und keine Forelle zu Gesicht. Wir müssen weitersuchen und tuckern gegen den Wind, um ein weiteres Mal abzutreiben, diesmal durch einen anderen Wasserbereich. Brian wirft aus und hat keine Probleme mit seinem Vierfliegen-Vorfach. Er führt kurze Würfe in weiten Schleifen ungefähr 10 m vor dem treibenden Boot aus, dann holt er seine Fliegen rasch zurück – die buschige „Bob Fly“ durchpflügt die Wellenmitte und verhält sich an der Wasseroberfläche sehr auffällig.

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in EnglandRuderbank

Wer zum bequemen Angeln und Sitzen keine Ruderbank hat, kann sich auf einen langen Tag mit Rückenschmerzen gefasst machen.

 

 

 

 

 

 


11 :30 Uhr Biss und Flucht

Als wir in Richtung Gorse Bank driften, stürzt sich eine Forelle auf Brians Endfliege, als er gerade neu auswerfen will. Es ist eine Regenbogenforelle von etwa 750 g.

 

Etwa 50 m vor dem Ufer durchschneidet eine Regenbogenforelle die Wasseroberfläche, jagt Brians „Bob Fly“ einige Meter, nimmt sie und taucht mit ihr ab. Einige Sekunden später kommt die Forelle frei. Nun ist unser Fotograf mit einer schönen Regenbogenforelle an der Reihe. Wir sind auf einen großen Schwarm gestoßen. Dann hakt Fliegenfischer Brian Leadbetter einen Fisch sicher und landet ihn auch. Die Forelle hat jedoch sein Vierfliegen- Vorfach heillos durcheinandergebracht.

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in EnglandZahlreiche Bisse

Im Laufe des Tages hatten wir zahlreiche Bisse – als wollten die Fische nicht ernsthaft fressen -, doch nur wenige Fische konnten richtig gehakt werden.

 

 

 

 

 

 


Gegen den Wind

Fliegenfischer Brian Leadbetter  fahrt ein Stück gegen den Wind, um noch einmal durch den Forellenschwarm zu treiben. „Ich bin mir gar nicht so sicher, ob diese Fische wirklich fressen. Es sind nämlich in letzter Zeit überhaupt keine Fliegen geschlüpft.“ Die Regenbogenforellen schnappen wohl nur aus reiner Neugier nach den Fliegen.

 

Kurz bevor der Schwarm abzieht, fängt Brian nach acht Bissen noch eine Forelle. Den Biss in einen richtig gehakten Fisch zu verwandeln ist ziemlich problematisch. Und verwendet man einen etwas größeren Haken, hält dies die Forelle u.U. davon ab, die Fliege überhaupt zu nehmen.

 

Bei ruhigem Wasser hilft manchmal eine halb absinkende Schnur, denn die Fliege bleibt nur bis zu den ersten Bissen an der Oberfläche und sinkt dann etwas ab. Bei hohem Wellengang spielt es jedoch keine Rolle, ob man eine schwimmende oder halb absinkende Schnur verwendet:

 

Die Fliegen werden überwiegend von den Wellen getragen, und die Forellen verpassen sie manchmal. Mit einer langsam absinkenden Schnur kann man auch die „Bob Fly“ nicht verführerisch genug über die Wasseroberfläche führen.

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in EnglandForelle

Diese Forelle hatte etwa das Durchschnittsgewicht (zwischen 500 und 750 g).

 

 

 

 

 

 

 


14:30 Uhr Harte Arbeit

Als um 13:00 Uhr die Sonne durchkommt, begeben sich die Forellen in tieferes Wasser. Fast zwei Stunden treiben wir über den See und sehen nicht die Spur eines Fisches. Viele Angler machen sich bereits auf den Heimweg. Nach zwei weiteren Stunden fängt Brian noch eine Forelle, die aus dem tiefen Wasser aufsteigt, um die Endfliege zu nehmen. Als wir uns dann aufmachen, kann Brian immerhin vier Regenbogenforellen verzeichnen.

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in EnglandErste Regenbogenforelle

Brian behauptet sich und fängt die erste Regenbogenforelle des Tages. Man beachte, wie hoch er die Rute beim Drill hält.

 

 

 

 

 


Weltmeister

Brian Leadbetter ist von Beruf Fliegenbinder und betreibt das Fliegenfischen seit 20 Jahren. Im Grafham Water hat er seine größte Forelle mit 3,8 kg Gewicht gefangen.

 

Brians Rig

Für Brians 7-m-Vierfliegen-Vorfach war eine extra starke Nylonschnur von 2,7 kg Tragkraft gerade richtig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


So kommt man hin

Mit dem Auto. Die M 1 an Junction 15 verlassen. Die A 508 in Richtung Northampton. An Pitsford vorbei, bis Brixworth in Sichtweite kommt. Rechts abbiegen und in Richtung Holcot fahren. Die ausgeschilderte Fishing Lodge befindet sich zur Linken.

Mit dem Zug. Der nächste Bahnhof der British Rail ist Northampton.

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in England

Spätnachmittags lockt Brian die letzte Regenbogenforelle des Tages aus dem tiefen Wasser. Sie sieht den Unterfangkescher und schießt davon.

 

Tipp Einholen

Manchmal mögen es Forellen, wenn die Fliegen vom treibenden Boot ganz schnell zurückgezogen werden, manchmal beißen sie, wenn man die Fliegen etwas schneller als Bootsgeschwindigkeit einholt.

 

Kurz oder lang

Eine kurze Fliegenrute hat gegen kämpfende Forellen eine bessere Hebelwirkung als eine lange Rute. Allerdings kann man mit einer Rute über 3 m den Fisch besser drillen – besonders bei der Landung.

 

Fliegenfischer Brian Leadbetter am Pitsford Water in EnglandBrian mit sechs typischen Pitsford-Regenbogenforellen.

Obwohl es sehr anstrengend ist, kann sich das Fischen nach Loch-Manier bezahlt machen, wenn alle anderen Taktiken sich als Zeitverschwendung erwiesen haben.

 

 

 

 

 

 


Wo sind all die Insekten?

„Die Talsperren haben viel von ihrem früheren Glanz verloren“, sagt Brian Leadbetter. Früher gab es dort Abertausende von Insekten, heute nicht mehr. Viele Wasserämter behandeln die Gewässer mit Eisensulfat; man möchte damit die unliebsamen Algen bekämpfen. Doch diese Chemikalie tötet auch Wasserinsekten und Krebstierchen, die der Forelle als Nahrung dienen.