Der Atlantische Heilbutt oder auch Weiße Heilbutt genannt

Der Atlantische Heilbutt oder auch Weiße Heilbutt genannt

Artikel von Angelstunde in Fischarten

Die ganz großen Exemplare dieser Plattfische werden heute nur noch selten gefangen, der Atlantische Heilbutt ist Meister der Tarnung

Der Atlantische Heilbutt führt ein abwechslungsreiches Leben: Es beginnt im flacheren Wasser und endet für die ausgewachsenen Tiere in den Tiefen des Atlantiks. Plattfische gehören zu den außergewöhnlichsten Fischarten überhaupt. Es gibt weltweit etwa 540 verschiedene Arten, und alle haben sich dem Leben am Meeresgrund hervorragend angepasst.

 

Der Atlantische Heilbutt oder auch Weiße Heilbutt genannt



Der Atlantische Heilbutt

Der Atlantische oder Weiße Heilbutt macht wie alle Plattfische eine Reihe erstaunlicher Verwandlungen durch: Die Plattfischlarven ähneln denen anderer Arten und schwimmen anfangs in normaler Lage. Erst mit der Entwicklung des Darms wandert das Maul auf jene Seite, die zur Bauchseite wird, während sich das hier befindliche Auge zur Rückenseite verschiebt.

 

Warum die Augen sich bei manchen Plattfischarten auf die linke, bei anderen jedoch auf die rechte verlagern, ist erblich bedingt, aber wissenschaftlich noch nicht geklärt. Man unterscheidet zwischen den linksäugigen Plattfischen und den rechtsäugigen, zu denen auch der Heilbutt gehört.

 

Der Atlantische Heilbutt oder auch Weiße Heilbutt genannt

Dieser schöne Heilbutt hätte früher eher als mittelmäßig gegolten, bevor die Überfischung ihren Tribut forderte. Man trifft den Heilbutt diesseits und jenseits des Nordatlantiks an. Vor der amerikanischen Küste reicht sein Verbreitungsgebiet von Cape Cod im Süden bis nach Grönland im Norden.

 

Der Atlantische Heilbutt wird bis zu 2,4 m lang

Plattfische erreichen normalerweise nur eine geringe bis mäßige Größe, doch der Heilbutt wird bis zu 2,4 m lang. Vor Island ging 1935 ein 3,65m langer und 266 kg schwerer Gigant ins Netz, der aber so zäh war, dass sein Fleisch kaum Abnehmer fand. Verglichen mit anderen Plattfischarten erkennt man den Heilbutt an seinem gedrungenen Körper, an den Augen auf der rechten Körperseite, an dem mittelgroßen Kopf und dem sehr großen Maul, das oben und unten mit langen scharfen Zähnen besetzt ist.

 

Die Rückenflosse beginnt auf einer Höhe mit dem vorderen Rand des Auges und zieht sich fast am ganzen Körper entlang; die Schwanzflosse ist leicht nach innen gewölbt. Der große Bogen in der Seitenlinie gleich über der Brustflosse hilft den Heilbutt zu bestimmen. Seine Oberseite ist gewöhnlich grünlichbraun oder olivgrau gefärbt (manchmal auch fast schwarz) und an der Unterseite perlweiß.

 

Unten in der Tiefe

Der Heilbutt ist ein Kaltwasserfisch, jedoch kein arktischer Fisch, und lebt in Tiefen bis zu 1500 m. Er wird in Tiefen von 100 m gefangen, an Küsten mit steil abfallender Brandung sogar vom Ufer aus. Er hält sich je nach Alter in unterschiedlichen Tiefen auf. Die Jungfische leben meist im flachen Wasser, sind jedoch äußerst schwer zu fangen. Mit ungefähr vier Jahren ziehen sie ins tiefere Wasser. Große Milchner trifft man gewöhnlich in sehr tiefem Wasser an, selbst am Rand der Kontinentalplatte.

 

Der Heilbutt lebt über Meeresböden von unterschiedlicher Beschaffenheit, von Sand- und Kiesgrund bis hin zu felsigem Grund. Die größeren Fische suchen wahrscheinlich zwischen Felsen Schutz. Anders als die meisten Plattfische ist der Heilbutt zum Jagen nicht ausschließlich auf den Meeresgrund angewiesen, sondern sucht sich seine Beute auch aktiv in höheren Bereichen.

 

 

Er ernährt sich von verschiedenen, in Grundnähe lebenden Fischarten (z. B. Schellfischen) sowie von Tintenfischen und bestimmten Schalentieren. Die im flacheren Wasser lebenden Jungfische fressen kleine Fische wie Heringe und Sandaale, aber auch Plattfische, Schalentiere und große Garnelen.

 

Laichgeschäft im Verborgenen

Das Laichgeschäft findet im Spätwinter und zeitigen Frühjahr im tiefen Wasser am Rand der Kontinentalplatte statt. Heilbutte geben zahlreiche Eier ab. Man schätzt, dass ein Rogner von 90 kg Gewicht über zwei Millionen Eier in sich trägt. Obwohl das Laichgeschäft in der Nähe des Meeresgrunds stattfindet, steigen die befruchteten Eier bis in etwa 90 m Wassertiefe auf. Die Brut ist beim Schlüpfen etwa 7 mm lang; sie wird nach oben getrieben und driftet wie Plankton zur Küste hin. Haben die Brutfische eine Länge von 4 cm erreicht, sind die Augen bereits zur rechten Körperseite gewandert, und die Fische leben von nun an als richtige Plattfische am Grund.

 

Da der Heilbutt in großer Tiefe laicht und die Jungfische nur schwer zu fangen sind, wissen wir nicht sehr viel über seinen Fortpflanzungszyklus. Wissenschaftler schätzen, dass der Heilbutt bis zu 50 Jahre alt werden kann. Leider wird auch diese Fischart immer seltener.

 

Begehrt – gefährdet

Das Fleisch des Heilbutts ist sehr schmackhaft, daher ist der Fisch auch wirtschaftlich von Bedeutung. In den Laichgründen vor der norwegischen Küste verwendet man zum Fang besondere Heilbutt Netze, doch der Fisch  wächst nur sehr langsam ab und ist durch die starke Überfischung in seinem Bestand akut gefährdet. Mittlerweile wurde der Fang zu bestimmten Zeiten verboten und ein strenges Mindestmaß eingeführt (in Norwegen 50 cm).

 

Heilbutt-Rekorde

Der Heilbutt ist ein riesiger Fisch. Belegt sind Exemplare von 240 kg und 260 kg, die Berufsfischern ins Netz gingen. Als Specimen-Gewicht gilt die 100-Kilogramm-Grenze. Der britische Rekord zeigt, wie schwer es ist, über diese Grenze zu kommen.

 

Den Rekord vom Boot aus hält derzeit C. Booth mit einem 106 kg schweren Heilbutt, gefangen 1979 bei Dunnet Head vor Scrabster, Schottland.

 

Vorkommen

Den Atlantischen oder Weißen Heilbutt findet man im tiefen Wasser vor der West- und Nordküste der Britischen Inseln, weiter nördlich bis zu den Shetlandinseln und bis nach Island und Norwegen hinauf.