Behinderte Angler, Robbie Robertson berichtet über Angelerfahrungen

Behinderte Angler, Robbie Robertson berichtet über Angelerfahrungen

Artikel von Angelstunde in International Angeln

Der Behinderte Angler Robbie Robertson, einer der bekanntesten Großbritanniens, berichtet über seine ersten Angelerfahrungen

Behinderte Angler; Mit dem Angeln habe ich begonnen, als ich neun Jahre alt war. Was den entscheidenden Anstoß dazu gab, kann ich heute nicht mehr sagen – vielleicht waren es die herrlichen Lochs und die raue Schönheit der Berglandschaft um Lochore in Fife (Schottland), die mich diesem Sport näherbrachten.

 

Behinderte Angler, Robbie Robertson berichtet über Angelerfahrungen



Ganz von vorn angefangen

Da mein Vater starb, als ich gerade 18 Monate alt war, musste die Familie hart kämpfen, um einigermaßen über die Runden zu kommen – Angelgeräte waren Luxus und auch nicht einfach zu bekommen. Wen wunderts, dass meine erste Ausrüstung aus einem zwei Meter langen Stecken, einem gewöhnlichen Stück Bindfaden, einer umgebogenen Sicherheitsnadel und einer Schwanenfeder als Pose bestand?

 

Zum Erstaunen meiner Freunde fing ich damit sogar ganz annehmbare Barsche. Später dann, als ich ins Berufsleben eingetreten war, kaufte ich mir anständiges Gerät und begann mich auch für die Meeres- und Großfischangelei zu interessieren.

 

Im Jahr 1960 sollte sich mein Leben auf dramatische Weise ändern. Ich trat der königlichen Luftwaffe auf zwei Beinen bei und verließ sie sechs Jahre später in einem Rollstuhl. Es war schon schwer genug, das ganz normale tägliche Leben zu meistern – ganz zu schweigen von den Problemen, die sich stellten, als ich wieder anfangen wollte zu angeln.

 

Behinderte Angler, Robbie Robertson berichtet über Angelerfahrungen

Manche Behinderte Angler wagen sich über die Grenzen des eigentlichen Angelplatzes hinaus. Diese Anglerin hat sich ganz nah ans Wasser gestellt und kann so ihren Setz- und Unterfangkescher besser erreichen sowie ihre lange Stipprute besser handhaben.

 

Frühe Probleme

In jener Zeit hatte ich zwei Hauptprobleme: den richtigen Angelplatz und das geeignete Gerät. So kannte ich ebene, rollstuhlgerechte Flächen bestenfalls von Bahnhöfen her. Ich fand kein einziges Angelrevier, in dem Möglichkeiten für behinderte Angler vorhanden waren.

 

Selbst Plätze, die auf den ersten Blick harmlos erschienen, waren in Wirklichkeit äußerst tückisch. Einmal schob mich ein Freund am Ufer entlang, das eigentlich recht vertrauenswürdig wirkte. Plötzlich gerieten wir mit einem Rad unvermittelt an eine Wölbung im Boden. Platsch! Obwohl ich nach allem griff, was in Reichweite kam, fand ich mich im metertiefen Wasser wieder. Heute kann ich drüber lachen, aber damals ärgerte es mich schon, dass man als Behinderter an den meisten Angelgewässern nur schlecht ans Wasser herankam.

 


Die Suche nach behinderten gerechtem Gerät trübte ebenfalls die Freude an der Angelei. Meine Ruten, mein Setz- und Unterfangkescher, meine Angelkästen – alles musste entsprechend umkonstruiert werden. Diese Arbeiten führte ich überwiegend selbst aus.

 

Behinderte Angler, Robbie Robertson berichtet über Angelerfahrungen

Behinderte Angler, Robbie Robertson

Robbie Robertson engagiert sich seit mehreren Jahren im britischen Sportfischerverband für behinderte Angler. Sein Ziel: möglichst viele behindertengerechte Angelmöglichkeiten. Zu seinen größten Erfolgen zählen ein Karpfen von 11,8 kg, ein Rotauge von 1,4 kg, ein Brassen von 3,2 kg, eine Regenbogenforelle von 5 kg und ein Lachs von 11,3 kg.

 

 

 


Fehlendes Verständnis

Auch die Einstellung mancher Angler war problematisch. Mir sind schon Menschen begegnet, die mir einfach nicht helfen wollten. Einmal weigerte sich ein nicht behinderter Angler, mir den einzigen am Fluss befindlichen Steg zur Verfügung zu stellen; für ihn wäre es ein Leichtes gewesen, sich am sanft abfallenden Ufer niederzulassen. So hatte ich mich einen Tag lang ganz umsonst auf mein Angelvergnügen vorbereitet.

 

In den 90er Jahren wurde man sich der Probleme behinderter Angler allmählich bewußt. Mir ist aufgefallen, dass es mehr und mehr leicht zugängliche Plätze am Ufer gibt, was für behinderte Angler eine immense Erleichterung darstellt.

 

Auch in der Einstellung der Nichtbehinderten hat sich einiges geändert – es gibt jedoch immer noch viel zu tun.

 

Behinderte Angler, Robbie Robertson berichtet über Angelerfahrungen

Dieser Angelplatz ist ein hervorragendes Beispiel für eine bis ins Detail durchdachte Planung im Interesse der Behinderten. Die Straße ganz in der Nähe, der Parkplatz gleich neben dem befestigten Sitzplatz und ein fester Kiesgrund – auf diese Weise ist das Wasser leicht und ohne Gefahr erreichbar. Das Angeln macht schon bedeutend mehr Spaß, wenn man weiß, dass man sein Auto abends auch wieder erreicht.

 

Vereine gegen Isolation

Im Rahmen meiner Arbeit für die „National Federation of Anglers“ besuche ich häufig Angelvereine und unterweise behinderte und nicht behinderte Angler gleichermaßen. Es ist sehr wichtig, dass die behinderten Angler nicht isoliert sind, sondern den Sport möglichst gemeinsam mit Nichtbehinderten ausüben, die Verständnis für ihre besondere Situation mitbringen.

 

Behinderte Angler, Robbie Robertson berichtet über AngelerfahrungenSo mancher hervorragende Fisch wird von behinderten Anglern gefangen, wie diese Rotfeder von 1 kg zeigt.

 

 

 

 

 

 

 


Organisationen und Wettkämpfe

Von behinderten Anglern werde ich vielerorts gefragt, was denn für einen Behinderten, der mit dem Angeln beginnen will, das Wichtigste sei. Die Antwort kann nur lauten: Man sollte einem örtlichen Verein für behinderte Angler beitreten oder selbst einen gründen. Die meisten Angelgeschäfte können Behinderten weiterhelfen, die mit dem Fischen anfangen möchten.

 

In Großbritannien können sich Behinderte bei der NFA (National Federation of Anglers) über Organisationen, entsprechende Einrichtungen und landesweite Wettkämpfe informieren. Einige Wettkämpfe werden dort bereits eigens für behinderte Angler ausgetragen, z. B. das „South Cerney National Coarse Angling Festival“ und das „National Festival“ von Iver in Buckinghamshire.

 

Behinderte Angler, Robbie Robertson berichtet über AngelerfahrungenIn England finden das ganze Jahr über Wettkämpfe für Behinderte statt. Die NFA (National Federation of Anglers) informiert über entsprechende Möglichkeiten.