Balsas und Avons: Spezielle Posen für die Strömung

Balsas und Avons: Spezielle Posen für die Strömung

Artikel von Angelstunde in Angeltechnik

Balsas und Avons sind erste Wahl in Fließgewässern, wenn mit Blei in Hakennähe gefischt werden soll, Tony Saunders gibt Tipps

Balsas und Avons, Matchangler und Angelgerätehändler Tony Saunders gibt Tipps. Wir stellen hier eine Angelmethode vor, welche die Engländer meisterlich verfeinert haben. Wer diese Art der Angelei – mit den speziellen Posen und einer ausgetüftelten Bebleiung – einmal beherrscht, der kann am Wasser „zaubern“. Die Grundtechniken sind relativ einfach und leicht zu verstehen, wenn man sich die Posenarten verdeutlicht.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung



Balsas und Avons: Posen für die Strömung

Ähnlich Stickposen benutzt man Balsas und Avons in Fließgewässern an der Rollenrute. Trotting nennen die Engländer diese Methode. Die Haupttragkraft der Posen befindet sich im oberen Teil. Die Posen werden an beiden Enden (oben und unten) an der Hauptschnur befestigt. Die Tragkraft von Stickposen liegt normalerweise nicht über 4BB (= 4 x 0,4 kg). Sie werden in Verbindung mit kleinen Ködern (wie Maden oder Caster), in ruhiger Strömung bis 2,5 m Tiefe und in Ufernähe benutzt. Dabei wird eine auf der gesamten Schnur zwischen Pose und Haken verteilte Bebleiung gewählt, um vorsichtige Bisse auch beim Absinken erkennen zu können. Die abgestufte Bebleiung verteilt sich „hemdknopfartig“ auf der Schnur.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung

Eine Auswahl von Balsas und Avons für schnellfließende Gewässer. Von links nach rechts: 2 Standard-Avons, 4 Balsaposen, 2 Topper-Haskins-Posen mit Federkielen und 2 Standard-Avons.

 

Balsas und Avons

Balsa- und Avonposen dagegen haben meist eine höhere Tragkraft – bis zu mehreren SSG (1 SSG = 1,9 g), so dass auch mit größeren Ködern (wie Würmern oder Frühstücksfleisch) gefischt werden kann. Man benutzt sie in schnellströmenden, tiefen Gewässern und auf größere Distanz. Das meiste Blei wird in der Nähe des Hakens montiert, um weite Würfe einfacher zu machen und um den Köder schnell zum Grund zu bringen und dort zu halten.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung Balsas und Avons

Selbstgemachte Topper-Haskins- und Federkiel-Avons. Das Hauptblei sollte aus einer strömungsgünstigen Kette von BB-Schroten bestehen. Fertige Montagen können um Aufwinder gewickelt werden.

 

 

 


Balsaposen

Balsaposen bestanden ursprünglich in der Tat aus Balsaholz; heute stellen einige Hersteller sie aus Hartschaum oder hohlem Plastik her. Alle verfügen über dicke, tragfähige Spitzen, damit sie in turbulenten, stark strömenden Gewässern nicht ständig unter Wasser gezogen werden.

 

Weil Balsaposen für ihre Größe viel Blei tragen, sind sie bestens für große Köder wie Wespenlarven oder Frühstücksfleisch geeignet. Leichte Posen verlangen einen kräftigen Wurf, und dabei fliegen solche Köder oft vom Haken.

 


Mit Balsas dagegen kann man diese Köder mit einem leichten Unterhandschwung auswerfen. Balsaposen sind aber nicht nur für große Köder geeignet; natürlich kann man auch kleine Köder (z. B. Maden) mit Erfolg benutzen. Denn in starker Strömung müssen die Fische kräftig zupacken; deshalb fällt die geringere Sensibilität der Balsaposen nicht ins Gewicht.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung

Ein Blei oberhalb der Pose bei Wind in Strömungsrichtung

Beim Angeln mit Balsas oder Avons sollte die Schnur soweit gespannt werden, dass sie nicht auf dem Wasser liegt. Dadurch hält man die Pose in der Drift. Bläst der Wind jedoch in Strömungsrichtung, zieht der Schnurbogen die Pose aus der gewünschten Drift. Um das zu umgehen, werden ein oder mehrere Bleie (bis zu 2AAA) oberhalb der Pose montiert.

 

Die Bebleiung

Die gesamte Bebleiung befindet sich in der unteren Hälfte zwischen Pose und Haken. Über ebenem Flussbett mit gleichmäßiger Strömung braucht man nur ein oder zwei kleinere Bleie unterhalb des Hauptbleis. Manchmal kann man auch das gesamte Blei bis auf 25 cm vor den Haken herunterschieben.

 

Über steinigem Grund setzt man mehrere kleine Bleie in gleichmäßigen Abständen (5 cm) unterhalb des Hauptbleis bis auf 15 cm an den Haken heran, um Turbulenzen im Wasser entgegenzuwirken. In beiden Fällen braucht man aber keine kleineren Bleischrote als Nr. 6.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung

Avonmontagen

In der Regel fängt man mit diesem Bebleiungsmuster an. Doch Experimentieren immer empfehlenswert.

Im tiefen, aufwirbelnden Wasser werden End-, Zwischen- und Hauptblei nah an den Haken gesetzt.

 

Avonposen

Avonposen haben lange, dünne Kiele unter einem dicken Körper und längere, dünnere Antennen als Balsaposen. Ursprünglich wurden sie aus Tonkin- und Balsaholz hergestellt. Heute sind sie auch mit Hartschaum- oder hohlen Plastikkörpern und Metall- oder Plastikkielen erhältlich. Man kann sagen, dass Avons die Lücke zwischen Balsa- und Stickposen schließen .

 

Weil sie einen dicken, tragkräftigen Körper und einen langen Kiel mit geringerer Tragkraft haben, kann mit ihnen auch verzögert gefischt werden. Dabei hält man die Schnur leicht zurück und verringert so das Tempo des abtreibenden Köders. Balsaposen würden sich dabei flachlegen, und Bisse wären nicht mehr zu erkennen. Die längeren, dünnen Avon-Antennen sind ein guter Kompromiss zwischen Sensibilität und Sichtbarkeit, selbst auf längere Distanzen.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung

Hier wird die Topper-Avon mit gutem Erfolg an der Themse eingesetzt. Ursprünglich für den Avon bei Bristol konzipiert, wird sie heute auch an vielen anderen Flüssen erfolgreich benutzt.

 

Eine Variante der Avonpose

Eine Variante der Standard-Avon ist die „Topper“-Haskins-Avon. Diese außerordentliche Pose wurde vom englischen Meisterangler „Topper“ Haskins für den Avon bei Bristol entwickelt und perfektioniert. Der Avon bei Bristol hat eine ruhige Strömung; der Wind weht vorherrschend stromaufwärts. Da lassen sich WaggIer oder Stickposen nur bedingt einsetzen, weil sie nicht genug Blei im unteren Teil der Schnur haben. Erschwerend kommen das tiefe Wasser und die hohen Ufer hinzu, so dass weite Überkopfwürfe kaum möglich sind.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung

Im schnell dahin fließenden, unruhigen Wasser der Äschen Region sollte sich der Angler immer für die Avonpose entscheiden. Hier sind kleine Köder erforderlich. Die Avonpose mit ihrem dicken Körper hat genügend Tragkraft, um mit der Strömung fertigzuwerden, andererseits bietet sie dem Fisch wenig Widerstand.

 

Ideal: Die Topper-Pose

Die Topper-Pose war die Lösung. Sie ist sensibler als die Standard-Avon, da sie einen schlankeren Körper und eine längere und dünnere Antenne aufweist. Sie trägt aber immer noch soviel Blei, daß man mit einem weichen Unterhandschwung weit auswerfen kann, und in dem tiefen, ruhig strömenden Wasser kontrolliertes Fischen möglich ist.

 

Die Topper-Pose wird in Flüssen mit gleichmäßiger Strömung und Tiefen über 1,50 m eingesetzt. Man kann sogar sagen: Je tiefer das Wasser, desto besser kommen ihre Vorzüge zum Tragen. Sie ist auch dort ideal, wo man normalerweise eine Stickpose fischen würde, aber Unmengen von Kleinfischen den Köder schon im Mittelwasser nehmen. Das schwere Hauptblei am Ende der Schnur zieht den Köder schnell durch die Kleinfische hindurch zu den hoffentlich am Boden stehenden großen Fischen. Trotzdem ist sie ähnlich sensibel wie eine Stickpose.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung

Mit dem Topper an den Kleinfischen vorbei

Sind viele Kleinfische an der Angelstelle, ist der Topper der Stickpose überlegen, weil er aufgrund seines anderen Bebleiungsmusters den Hakenköder schnell zu den größeren Fischen am Boden bringt.

 

Bebleiung für Avons

Für die Topper- und die Standard-Avon benutzt man dieselben Bebleiungsmuster. Angefangen wird mit der pulkartigen Hauptbebleiung (eine Kette von BB-Bleien ist strömungsgünstiger als wenige AA- oder SSG-Bleie) etwa 75 cm oberhalb des Hakens. Dann folgen noch ein oder zwei Mittelbleie und ein kleines Endblei.

 

Gerade bei diesen Posen sollte man sich nicht in jedem Fall strikt an Bebleiungsmuster halten. Flexibilität und Experimentierfreude sind auch hier Schlüssel zum Erfolg. Fischt man mit dem Topper in unruhigem, aufwirbelndem Wasser, werden die Positionen von Haupt-, Mittel- und Endblei vertauscht und als Kette 15-30 cm vor dem Haken auf die Schnur geklemmt.

 

Dadurch bekommt man ein schweres, aerodynamisches Bleibündel. Zwischen der Pose und dem dicht am Haken montierten Blei befindet sich jetzt nur noch die dünne, gestraffte Schnur, die einigermaßen unempfindlich ist gegenüber Strömungsturbulenzen.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung Dies ist ein schöner Platz am Hampshire Avon – dem Fluss, von dem die Avonpose ihren Namen hat.

 

 

 

 

 

 


Details beachten

Ein längeres Posengummi (20 mm), das etwas über das untere Posenende hinausragt, entschärft einen möglichen Verwicklungspunkt, sorgt für eine bessere Köderpräsentation und erleichtert einen sauberen Anhieb. Zwischen den Bleischroten einer Kette sollte jeweils eine Lücke von 1-2 mm bleiben.

 

Balsas und Avons: Posen für die Strömung

Werden die Grundzüge des Fischens mit Balsa- oder Avonposen beherzigt, kann man auf einen großen Fang in schnellfließenden Gewässern hoffen. Diese schönen Döbel beweisen es.

 

 

 

 

 

 


Kleine Wurflehre

Viel Blei in der Nähe des Hakens ermöglicht weite Überkopfwürfe. Doch sollte man den Wurf kurz vorm Auftreffen aufs Wasser leicht abstoppen, damit sich die Montage streckt. Bei kürzeren Distanzen dagegen reicht ein Unterhandschwung völlig aus.

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