Angler Neville Fickling auf Kiesgruben-Hechte

Angler Neville Fickling auf Kiesgruben-Hechte

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

Kiesgruben bieten hervorragende Angelmöglichkeiten auf große Hechte, Angler Neville Fickling begab sich im Spätherbst an eine von ihm betreute Kiesgrube

Angler Neville Fickling; Die beiden zwölf Jahre alten Kiesgruben werden von einer Angler Interessengemeinschaft bewirtschaftet und liegen dicht zusammen in einer ländlichen Gegend in der Grafschaft Nottinghamshire. Die eine Grube ist mit Karpfen und die andere mit Hechten besetzt. Bei beiden Kiesgruben handelt es sich um typische, tiefe und klare Baggerseen; allerdings gehen hier weniger Angler ihrem Hobby nach als an vergleichbaren Seen.

 

Angler Neville Fickling



Angler Neville Fickling ist einer der bekanntesten Specimen-Hunter in Großbritannien. Er hält sowohl den britischen Hecht- als auch Zanderrekord und ist Vorsitzender des Pike (Hecht) Anglers Club. Neville betreut vier Hecht- und Karpfengewässer; sie sind von einer Anglergemeinschaft gepachtet, die hier exklusive Angelrechte hat.

 

8:30 Uhr Die Karpfengrube

Neville hatte beschlossen, sein Glück zunächst an der Karpfengrube zu versuchen. In beiden Kiesgruben befanden sich Hechte, obwohl seit der Übernahme durch den Verein ständig Fische umgesetzt wurden.

 

Das Wasser, für das sich Neville entschieden hatte, enthielt weniger Hechte, aber auf die angelte ja niemand. Vielleicht würden die Fische deshalb nicht so misstrauisch sein. Zudem hatte Neville eine Stelle mit Makrelen- und Heringsstückchen angefüttert. Hier warf er auch seine Fangköder aus – eine mit Gleitpose auf Grund angebotene tote Makrele und ein mit Gleitpose und Paternoster angebotener toter Stint. Als Ruten dienten ihm zwei 3,7 m lange Hechtruten mit einer Testkurve von 3 lb (1,4 kg). Wer eine halbe Makrele 60 m weit auswerfen und große Fische drillen will, braucht eine kräftige Rute.

 

Der Uferbereich war noch mit Sommerkraut bewachsen, daher entschied sich Neville für eine Schnur von 6,8 kg Tragkraft.

 

Angler Neville FicklingBiss oder kein Biss? Die Schnur hat sich vom Clip gelöst oder wurde abgezogen. Einen trägen Hecht kann man manchmal zum Angriff provozieren, indem man ihm den Köderfisch wegnimmt- er glaubt dann, dass ihm eine leichte Mahlzeit entginge.

 

 

 

 


10:00 Uhr Unsichtbare Hechte

Angler Neville Fickling machte es sich bequem, blickte zu seinen Ruten und schien mit ihrer Aktivität alles andere als zufrieden zu sein. Die Ruten rührten sich nämlich nicht. Es kann aus zwei Gründen sinnvoll sein, ein wenig Abstand zu den Ruten zu halten.

 

Zum einen ist es wenig empfehlenswert, nach dem Auswerfen der Köder am Ufer herumzutrampeln, besonders wenn man diese in unmittelbarer Ufernähe ausgelegt hat.

 

Zum anderen verstreicht so automatisch die richtige Zeit zwischen Biss und Anschlag. Nevilles Zeiteinteilung ist einfach: Er geht zur Rute, nimmt die Schnur auf und schlägt an. An diesem Morgen hatte er allerdings noch keine Gelegenheit, diese Methode vorzuführen.

 

Hechtmontage für Kiesgruben

Angler Neville Fickling

 

10:45 Uhr Stellungswechsel

Ich werde wohl den anderen See ausprobieren müssen, aber ich glaube nicht, dass es dort klappt, wenn es hier nichts gebracht hat, sagt ein etwas verzagter Neville. Nachdem er sich an der Hechtgrube niedergelassen hat, erklärt er die Merkmale dieses Baggersees. Auch dieser See ist tief, mit einer krautbewachsenen Uferzone und Schilfresten im Flachwasser.

 

Kaum ist die halbe Makrele an der Posen Grundangel im verkrauteten, schilfbestandenen Uferbereich verschwunden, geht Neville zurück zum Auto, um jeglichen Lärm am Ufer zu vermeiden. Der andere Köder, eine tote Rotfeder, hängt an seiner verwicklungssicheren Erfindung, dem Pikesafe-Paternoster, 60 m weit draußen über einer Kiesbarre.

 

Auch nach dem Stellungswechsel kommen die Hechte nicht gerade in Scharen ans Ufer, wie Neville es sich erhofft hat. Der Wind heult über die trostlose Landschaft, und Neville zittert vor Kälte. Plötzlich steht er auf, obwohl von seinem Biss Anzeiger Angler Neville Ficklingnichts zu hören ist.

 

Ein Blick auf die Schnur verrät jedoch den Grund. Die Schnur hängt auf einmal durch – ein Zeichen dafür, dass ein Hecht mit dem Köderfisch zum Ufer schwimmt. Die Pose ist jedoch noch nicht abgetaucht, und so beginnt Neville, mit dem Köderfisch zu spielen, um den Fisch zu einer heißblütigen Attacke zu reizen.

 

Angler Neville Fickling

Angler Neville Fickling verwendet diese bei den Rigs in Kiesgruben: Bei der Grundangel mit Pose wird die Schnur von Pflanzen ferngehalten. Der Pikesafe-Paternoster (Sicherheits-Paternoster) vermeidet Verwicklungen beim Auswerfen und bietet den Köder über dem Grund an (links).

 


11:45 Uhr Reaktion

Man darf einem Hecht nicht zu viel Zeit lassen, um sich zu entscheiden. Wenn er nicht mit dem toten Köderfisch davonschwimmt, sondern ihn schluckt, bekommt man unter Umständen nicht alle typischen Zeichen eines Bisses zu sehen.

 

Wer auf die erste Flucht wartet, wird letztendlich seinen Drilling tief im Rachen des Fisches, oder schlimmer noch, in seinen Eingeweiden wiederfinden. Kein Fisch sollte auf diese Art verenden müssen. (Britische Angler setzen Hechte fast immer zurück.)

 

Schließlich gelingt es Angler Neville Fickling doch, eine Reaktion des Hechtes zu erzwingen, und er setzt den Anschlag. Eine Sekunde lang biegt sich die Rute fast zum Kreis, doch dann schnellt sie wieder in ihre Ausgangslage zurück. Nachdem es den ganzen Morgen lang keinen einzigen Biss gegeben hatte, war das eine Enttäuschung.

 

Neville holt den toten Köderfisch ein, um den Schaden zu begutachten. Wie zu erwarten war, weist die Rotfeder an den Flanken einige tiefe Biss Spuren auf.

 

Angler Neville FicklingDamit muss man beim Angeln im verkrauteten Uferbereich immer rechnen. Zum ersten Mal an diesem Tag hat sich Nevilles Rute stark gebogen, doch es war Fehlanzeige. Beim nächsten Mal hakt vielleicht ein Hecht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


12:05 Uhr Verbissener Kampf

Daraufhin platziert er einen kleineren Köderfisch an derselben Stelle. Der neue Köderfisch landet im Wasser, direkt neben der Stelle, an der sein Vorgänger zuvor angegriffen worden war. Neville strafft die Schnur und stellt den Biss Anzeiger ein. Immer noch etwas mürrisch geht er zum Wagen zurück und will gerade etwas sagen, als der Biss Anzeiger Alarm schlägt.

 


Diesmal sitzt der Anschlag goldrichtig, und aus der Biegung der Rute kann man schließen, dass es sich hier nicht um einen Grashecht handelt. Der Fisch setzt zur Flucht an, und Neville gibt rückwärtskurbelnd Schnur. An einem Gewässer wie diesem mit stark verkrauteten Uferzonen kommt es darauf an, den Fisch im tiefen, hängerfreien Wasser müde zu drillen und dann rasch durch die Krautzone zu führen. Wieder setzt der Hecht zu einer Flucht an, die ihm allerdings mit der starken Schnur (6,8 kg) doch einige Schwierigkeiten bereitet.

 

Angler Neville FicklingAuf diesen Hecht hat Neville den ganzen Tag gewartet. Der Hecht gibt sich nicht so leicht geschlagen: Er kämpft und versucht mehrmals, in den krautbewachsenen Randbereich zu flüchten.

 

 

 

 

 

 


Angler Neville Fickling manövriert den Hecht im flachen Wasser an die Oberfläche, und eigentlich scheint der Kampf schon vorbei zu sein. Doch der Hecht taucht beim Anblick der Uferpflanzen sofort wieder ab.

 

Vorsichtig forciert Neville den Drill auf kurze Distanz, und es gelingt ihm, den Hecht an die Oberfläche zurückzuholen. Auch das gefällt dem Hecht nicht, und so schwimmt er wieder in Richtung der Uferpflanzen davon. Noch einmal wird er beim Versuch, sich in Sicherheit zu bringen, aufgehalten. Erschöpft, aber noch nicht besiegt, taucht der Hecht mit einem Schlag seiner Schwanzflosse erneut ab. Neville hat jedoch nicht vor, ihn jetzt noch entkommen zu lassen, und führt ihn schließlich im ganz seichten Flachwasser über das 1,1 m große Landenetz.

 

Angler Neville FicklingBeim Angeln auf große Fische sollte der Kescher lieber eine Nummer größer sein. Hechte erreichen nicht nur ein hohes Gewicht, sie können auch sehr lang werden.

 

 

 

 

 

 

 


12:13 Uhr Haken lösen

Jetzt kommt es nur darauf an, die Haken zu lösen und den Fisch so rasch wie möglich zurückzusetzen. Die erfahrenen Hände des Hechtjägers lösen die Drillinge in wenigen Sekunden, wobei er den Hecht dazu nicht einmal hinlegen muss. Die Waage zeigt genau 6,8 kg an.

 

Angler Neville Fickling 8Für einen Experten ist das Abködern eines solchen 6,8 kg schweren Hechts einfach und wird am besten stehend bewältigt. Wer nicht so geschickt ist, sollte den Fisch auf eine Hakenlösematte legen. So kann er im Knien den Haken sicher und sauber lösen.

 

 

 

 

 

 

 

 


Ein frischer Köderfisch wird angeködert und an dieselbe Stelle geworfen, an der der Fisch gebissen hatte. Manchmal bilden Hechte kleine Gruppen, und ein Wurf an einer zuvor schon einmal erfolgreichen Stelle kann durchaus einen Nachfolger bringen.

 

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, denn diesmal kam es zu keiner Wiederholung, und Neville holt gegen 14 Uhr die Angeln ein. „Nun, ich schätze, wir haben’s wieder mal geschafft.“ Selbst das Heulen des Windes klingt da wie Zustimmung – nun war es endgültig Zeit, wieder ins Warme zu kommen.

 

Angler Neville Fickling

Angler Neville Fickling hält einen perfekten Kiesgrubenhecht ruhig in den Händen. Je schonender man den Hecht behandelt, desto weniger wehrt er sich.

 

Hecht-Logik

Es gibt Tage, an denen eigentlich alles perfekt ist: das Wetter, der Köder, der Angelplatz – und trotzdem beißt kein Hecht.

 

Ein gesunder Hecht frisst pro Jahr das Dreifache seines Körpergewichts, also ein 9 kg schwerer Hecht 120 Fische a 225 g. Das bedeutet, dass er an den restlichen 245 Tagen des Jahres nichts frisst. Um ihn dennoch zum Fressen zu verführen, sollte man ihm nur ein leichtes Mahl anbieten.

 

Angler Neville Fickling

Nach dem Wiegen setzt Angler Neville Fickling den Hecht zurück in den See. Dabei sollte man den Fisch so lange vorsichtig halten, bis er aus eigener Kraft davonschwimmt.