Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

Angler Kevin Ashurst aus Leigh in Mittelengland wird von vielen Anglern auf der ganzen Welt respektiert und überaus bewundert

Es ist Anfang November, und Angler Kevin Ashurst sitzt am Ufer des River Weaver, einem ruhigen kleinen Flüsschen, gleich oberhalb der Schleuse von Northwich. Kevin macht keinen sehr glücklichen Eindruck.

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams



11:30 Uhr Ein beliebter Fluss

Der junge Rod aus Scotts Angelladen hat Angler Kevin Ashurst gesagt, dass die Plätze unterhalb der Schleuse gut zu befischen sind, und gemessen an der Zahl der Angler, die sich dort auf dem Betonufer drängen, hat er vermutlich recht. Oberhalb der Schleuse sieht es nicht viel besser aus. Kevin beschließt, sein Glück lieber an einem anderen Ort zu versuchen. „Für Rod gibt’s was hinter die Ohren, wenn ich ihn sehe“, sagt Kevin verschmitzt.

 

Bei New Bridge springt Kevin aus dem Wagen. Diesmal haben wir auf Anhieb Glück: Nur am gegenüberliegenden Ufer sitzt ein einsamer Angler. Kevin lädt seine Angelsachen aus, und schon landet die Pose im Fluss.

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Kevin musste sich stark konzentrieren, um manche Bisse erkennen zu können. Die zaghaftesten Bisse kamen erstaunlicherweise von den größten Rotaugen. An diesem Fluss Stück gibt es auch Karpfen, Schleien und einige wenige Brassen.

 

12:00 Uhr Bisse aus der Tiefe

Zunächst ragen noch 2 cm der orangefarbenen Antenne aus dem Wasser heraus, doch mit jedem hinabsinkenden und schließlich im Wasser schwebenden 8er Schrotblei senkt sich die Antenne tiefer und tiefer. Wenn das letzte Schrotblei stehenbleibt, müsste die Antennenspitze eigentlich auch zur Ruhe kommen. Statt dessen sinkt sie immer weiter ab – und verschwindet schließlich ganz.

 

Angler Kevin Ashurst schlägt an, doch er verpasst den Biss. Er schleudert etwa 50 Maden zur Flussmitte hinaus, ungefähr auf Höhe seines Sitzplatzes. Der zweite Wurf ergibt eine ausgelutschte Made; diesen Biss hatte Kevin nicht einmal bemerkt.

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Angler Kevin Ashurst erinnert sich noch an die Zeiten, als er mit seinem berühmten Vater Benny zum Weaver reiste. Vor einiger Zeit gewann Benny hier ein vierstündiges Match mit 7,7 kg Rotaugen. In den späteren Jahren verschlechterte sich die Wasserqualität des Flusses erheblich, doch mittlerweile hat sie sich deutlich verbessert, so dass es sich wieder lohnt, herzukommen.

 

 

Aller guten Dinge sind drei:

Kevin holt ein und findet ein Rotauge von gut 50 g am Haken, das sich beim Biss wiederum nicht bemerkbar gemacht hatte. Kevin sagt, die Fische kämen vom Grund hoch, um sich die an gefütterten Maden zu holen, deshalb seien die Bisse schwer zu erkennen. „Manchmal, wenn sie wirklich sehr zaghaft sind, muss man bis Hakengröße 26 runtergehen“, sagt er.

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Wer an tiefen Stellen mit feststehender Pose angeln will, sollte auf jeden Fall eine etwas längere Rute verwenden, so eine, wie Kevin sie hier benutzt. Diese Rute ist 4,3 m lang.

 

13:00 Uhr Ein Katalogbarsch

Angler Kevin Ashurst denkt beim Angeln mit, und man hört förmlich die Rädchen in seinem Kopf arbeiten, während er sich ausmalt, was da unter Wasser vor sich geht. „Es gibt zwei Arten, anzufüttern„, sagt er mit Blick auf die Pose, die langsam in der Flussmitte davon schleicht. „Wenn die Fische darauf gut ansprechen, wie jetzt, kann man gut 50 Maden pro Wurf anfüttern … “ .

 

Er schlägt an, holt schnell ein und untersucht die Made. „Seht euch das mal an, das war ein großer Fisch“, sagt Kevin und zeigt uns die durchsichtige Haut der Made. „Die ist ja völlig leergesaugt.“ Er ködert erneut an, wirft aus und katapultiert weitere Maden hinaus.

 

„Bei der anderen Anfüttermethode feuert man auf einmal 200 Maden hinaus und lässt es damit für die nächsten vier Würfe bewenden.“ Der ganze Trick besteht darin, das richtige Anfüttersystem herauszubekommen, und das gelingt nur durch ständiges Ausprobieren.

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Und das ist er: Kevins Lieblingsfisch, ein 110 g schweres Rotauge. An Angelstrecken, die kein sonderlich hohes Gesamtgewicht hergeben, hat man mit Fischen dieser Größenordnung bei einem Match am ehesten Erfolg.

 

Angler Kevin Ashurst schlägt an und hakt einen besseren Fisch

Was da zum Vorschein kommt, nennt er einen „Katalogbarsch“ – einen Zufallstreffer, wie ihn Anfänger mit willkürlich aus dem Angelkatalog zusammengestelltem Gerät oft auf Anhieb landen! Schade nur, dass dieser Fisch keine Nachfolger hat.

 

Plötzlich beißen die Fische, als hätte jemand einen Schalter umgelegt; Kevin hat gerade zwei Stück hintereinander gefangen. Die Pose bewegt sich am gegenüberliegenden Ufer zentimeterweise entlang, zuckt einige Male kurz und verschwindet schließlich.

 

Kevin schlägt kräftig an, die Rute schießt nach oben. Die äußerste Spitze der Rute biegt sich durch, und Kevin kurbelt den Fisch sehr behutsam heran.

 

Für ihn ist jeder Fisch etwas Besonderes – in einem Match kann jeder einzelne von ihnen einen Platz auf dem Siegertreppchen bedeuten. Wenn Kevin begeistert von einem „großen“ Fisch spricht, sind das oftmals nur 300 g, doch für einen echten Matchangler ist ein solcher Fisch natürlich sehr wertvoll. Bei dem gerade gelandeten Fisch handelt es sich um ein Rotauge von gut 100 g. Solche Fische mag Kevin ganz besonders, weil sie sich relativ schnell fangen lassen und so im Nu ein ordentliches Gewicht zusammenkommt.

 

Kevins Waggler-Rig

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Die Pfauenfederantenne in Kevins Pose war schon etwas ausgefranst, doch das störte die Fische nicht. Der Haken war feindrahtig, kurzschenklig und quadratisch im Querschnitt.

 

14:30 Bisse im Dunkeln

„Tja, momentan scheine ich noch nicht einmal einen Biss herausholen zu können“, sagt Kevin etwas bedrückt. Er nimmt das Katapult und schleudert drei Ladungen voll Maden hinaus.

 

Dann ködert er an, wirft aus, rüttelt die Rutenspitze hin und her (damit die Schnur absinkt), setzt sich hin und wartet. Die Pose taucht nun tiefer ein, denn der Lack der Pose hat etwas Wasser aufgenommen. Es ist bereits so dunkel, dass man kaum noch etwas erkennt. Und dennoch: Irgend etwas muss er gesehen haben, denn plötzlich schlägt er mit Bestimmtheit an, und die Rute biegt sich kräftiger durch als bisher. Schon nach kurzer Zeit führt Kevin ein Rotauge von über 200 g über den Unterfangkescher.

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Groß sind sie nicht, aber man muss sie erst einmal fangen. Wer mit solchen Rotaugen ein Match gewinnen will, braucht Geschick und Ausdauer und muss sich konzentrieren können.

 

15:00 Uhr Eine neue Erfahrung

Auch der nächste Wurf bringt einen Fisch zum Kescher. Allmählich entwickelt sich daraus ein ganz bestimmter Fütter – und Fangablauf. Darin liegt das ganze Geheimnis: Immer bei der Sache bleiben und versuchen, irgendwie Ordnung in das ganze Chaos zu bekommen. Das klappt jedoch nicht immer, und wenn Kevin in einem offenen Match einmal aus dem Rhythmus kommt, fischt er nur noch zum Experimentieren weiter. Dennoch ist es überraschend, sagt er, wie oft er in den jeweils letzten 20 Minuten noch genügend Fische gefangen hat, um doch noch aufs Siegertreppchen zu steigen.

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Kevins Gedanken sind ganz auf das Match gerichtet – wie ein Schach-Großmeister, der sich auf sein Spiel konzentriert. Er will immer herausfinden, was da unter der spiegelnden Wasseroberfläche vor sich geht. Liegt er mit seinen Vermutungen – wie so oft – richtig, endet das Match für ihn auf dem Siegerpodest.

 

Kevin sagt, dass er heute wieder etwas gelernt habe:

Das massive Anfüttern habe sich überraschenderweise doch ausbezahlt. Er hat beim Angeln schon häufig solche Erfahrungen gemacht. Und zu jedem Thema fällt ihm auf Anhieb auch ein Match ein, das er als Beispiel heranziehen kann.

 

Auf den ersten Blick scheint Kevin sich in nichts von anderen Spitzenanglern abzuheben, doch wenn man sich mit ihm unterhält, merkt man schon bald, dass er ein geradezu phänomenales anglerisches Fachwissen besitzt. Wichtiger noch: Er gibt diese Fachkenntnisse gern weiter – und genau das zeichnet einen wirklich großen Angler aus .

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Kevin führt ein Rotauge zum Kescher. Er hat auch ein kleineres, pfannenförmiges Netz für kleine Brassen, die bei der Landung gern vom Haken fallen.

 

Enden ab!

Wenn Kevin einen Haken angeknüpft hat, schneidet er mit einer Skalpell-Klinge das Schnurende gegen den Daumennagel so nah wie möglich am Haken ab. Er ist der Überzeugung, dass es beim Anködern eines Casters darauf ankommt, keine losen Enden abstehen zu lassen.

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Das Flüsschen Weaver verläuft auf weiten Strecken durch Industriegebiete. Salzbergwerke und Fabriken säumen das befestigte Ufer.

 

Haken Löser

Manchmal verbiegen sich kleine, feindrahtige Haken, wenn sie festsitzen und man versucht, sie mit den Fingern zu lösen. Deshalb muss man einen Hakenlöser benutzen, um den Haken richtig zu packen.

 

Angler Kevin Ashurst, erfahrenstes Mitglied des englischen Nationalteams

Kevin konnte am Abend schließlich etwa 2 kg Rotaugen und ein paar Barsche vorweisen – kein schlechter Fang, denn der Fluss hatte sich nicht gerade von seiner besten Seite gezeigt.