Angler John Wilson am Wensum in England bei New Costessey

Angler John Wilson am Wensum in England bei New Costessey

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

Wenn Angler John Wilson  früher in den Flüssen seiner Heimat tauchte, überraschte er so manches Mal eine schlafende Barbe, wir können von ihm viel lernen

Heute gehen wir mit Angler John Wilson angeln. John hat in England eine eigene Fernsehsendung und ist auch international bekannt. Wir können von ihm viel lernen. John wird uns an ein privates Fluss Stück des Wensum bei New Costessey (sprich: Cossey) in der Nähe von Norwich führen. Wir treffen ihn vor dem Silver Fox Pub an einem frostigen Januarmorgen.

 

Angler John Wilson am Wensum in England bei New Costessey



John kommt an die Stelle zurück, an der er Len Baker vom Swan Rescue Service interviewt hat. Er ist überzeugt davon, dass die Sendung viele Angler dazu bewogen hat, auf bleifreie Angelgewichte umzustellen.

 

9:30 Uhr John Wilson in natura

Mit dem Fischgräthut, der Cordjacke und dem roten Pullover erkennen wir ihn sofort. Wir steigen in den schwarzen Saab Kombi, und John legt den ersten Gang ein. Schon sind wir unterwegs zum Fluss.

 

Wie stehen die Aussichten? Ich wäre mit sechs bis acht durchschnittlich großen Fischen schon sehr zufrieden, das heißt an dieser Stelle ungefähr 3 bis 3,5 Pfund. Aber es gibt gelegentlich auch mal einen Fünfpfünder.

 

Angler John Wilson am Wensum in England bei New Costessey

 

Eigentlich stammt John aus Enfield und war in jüngeren Jahren ein begeisterter Matchangler. Nach einer kurzen Zeit in der britischen Handelsflotte heiratete er und ließ sich mit seiner Frau Barbara in der Karibik nieder. Sie kamen 1971 nach England zurück, und John eröffnete sein Angelgeschäft „John’s Tackle Den“ in Norwich.

 

10:00 Uhr Wir sind da

Angler John Wilson stellt den Wagen an einem Bauernhof ab, und während er ein paar Worte mit dem Besitzer wechselt, lädt er die Angelsachen aus. „Die Ruten habe ich schon fix und fertig im Auto verstaut. Um die beiden Enden habe ich Gummibänder gewickelt.“ Ansonsten hat er eine Tasche, einen Klappstuhl, einen UnterfangkescherAngler John Wilson und einen Eimer mit zerdrücktem Brot.

 


An einigen neugierigen Pferden vorbei überqueren wir eine Wiese und gelangen an eine kleine Fluss Schleife. Angler John Wilson möchte drei Angelstellen ausprobieren. Der Fluss ist etwa 15 m breit und nirgends tiefer als 1,20 m. An vielen Stellen kann man bis zum Grund sehen.

 

Angler John Wilson am Wensum in England bei New CostesseyRücklaufsperre eingeschaltet

Angler John Wilson lässt die Rücklaufsperre eingeschaltet, wodurch jederzeit ein schneller Anschlag mit einer Hand möglich ist. Die Rute zeigt ein wenig flussab, damit er sie zurückschwingen kann.

 

 

 

 


10:15 Uhr Ruhe bitte!

Normalerweise füttert Angler John Wilson zunächst an der untersten Angelstelle an, geht dann zur nächsten, füttert hier an und geht schließlich zur obersten Angelstelle. Bis dahin kann er die Frucht seiner Mühen an der untersten Stelle schon ernten. Um Zeit zu sparen, beginnt John heute mit der obersten Angelstelle und füttert mit sechs hühnereigroßen Brotbreikugeln an. Als Hakenköder an der Zitterspitzenrute (Quivertip) will er ein Stückehen Brotkrume anbieten.

 

Brotbrei eignet sich bestens, weil er sich in viele kleine Teilchen auflöst und die Fische sich nicht überfressen können. Sie müssen sich zur Futterquelle hart durchkämpfen und finden so auch den Hakenköder.

 

Wir füttern an den anderen Angelstellen an und kehren zum Angelgerät zurück. „Manche Leute wissen gar nicht, wie ruhig man beim Fischen sein muss.“ Deshalb auch die Gummibänder. Geräuschlos setzt er die 3,5 m lange Quivertip-Rute zusammen, die seinen Namen trägt.

 

Angler John Wilson am Wensum in England bei New CostesseyArterienklemme

Arterienklemmen eignen sich ideal, um große Haken aus einem Döbelmaul zu lösen.

 

 

 

 

 

 

 

 



10:45 Uhr Köder stromauf

Angler John Wilson wirft zunächst ein paar Male stromauf, damit er einen gehakten Fisch nicht durch den ganzen Schwarm drillen muss und so die Fische verjagt. Warum beißt da nichts? Ich werde mal ein bisschen weiter auswerfen. Der Brotbrei ist vielleicht weiter abgetrieben, als ich vermutet habe. Doch die Döbel haben an dieser Stelle keine Lust, und John klappt seinen Stuhl zusammen. „Ich habe so ein Gefühl, sie stehen hinter der Kurve im flacheren Wasser.“

 

Angler John Wilson am Wensum in England bei New CostesseyDöbel voller Brotbrei

Dieser Döbel war voller Brotbrei. Die Schlund Zähne sind ziemlich kräftig. Einmal hat John seinen Finger etwas zu weit in den Rachen eines Döbels vorgeschoben. „Danach sah mein Finger aus, als hätte jemand ihn mit einem Hammer bearbeitet!“

 

 

 


11: 15 Uhr Weiter flussab?

John ist fassungslos, als seine zweite Stelle ebenfalls keinen Fisch bringt. „Das ist wirklich seltsam. Sie müssen weiter flussab stehen. Wenn wir bis zum Grund sehen können, dann sehen die Fische uns auch. John besteht darauf, zum dritten Angelplatz allein zu gehen. Nach drei oder vier Würfen kommt er kopfschüttelnd zurück. Nichts.

 

12:00 Auf nach Ringland

So niedrig und klar habe ich den Fluss den ganzen Winter über nicht gesehen, sagt John, und wir fahren zu einer anderen Stelle des Wensum bei Ringland weiter. Es hat diesen Winter so viel geregnet. Warum ist jetzt gerade hier Niedrigwasser?

 

Das Wasserwerk leitet riesige Mengen an Flusswasser nach Norwich – aus den letzten zehn Fluss Kilometern. Die Strecke beginnt nun zu verschlammen und wird immer stärker von wurzeltragenden Pflanzen überwuchert. Der Fluss ist schmaler und flacher als früher.

 

Angler John Wilson am Wensum in England bei New Costessey

Der Wensum wirkt im Winter etwas öde. Im Sommer treibt wegen der hohen Phosphatkonzentration Entengrütze an der Oberfläche, und der Fluss wird unbefischbar.

 

12:30 Uhr Ein Döbel Kessel

Wir parken den Wagen, nehmen das Angelgerät und gehen stromauf, wo wir schon bald an einem tiefen Becken angelangen. Oberhalb und unterhalb davon kann man bis zum Grund sehen. Doch dort, wo die kühlen Wasser gegen die ockerfarbene Erde des gegenüberliegenden Ufers wirbeln, zeigt sich der Fluss in einem undurchdringlichen, einladenden Grau – einladend deshalb, weil sich gerade an solchen Stellen die Döbel normalerweise sehr wohl fühlen.

 

John, wirft vier kleine Brotbreikugeln ein, ködert seine Angel an und wirft die Brotkrume in den Kessel. Sogleich biegt sich die zitternde Rute fast zum Kreis, und John versucht einen gerade um die Biegung herumschwimmenden Fisch zu bändigen. „Das ist nur ein kleiner“, kichert er, während er versucht, den Fisch gegen die kräftige Strömung heranzudrillen.

 

Doch die schwarzbesäumte Schwanzflosse, die kurz an die Oberfläche kommt, ist keineswegs klein. „Schaut nur, die Flossen sind lila. Dieser Fisch ist noch nie zuvor gefangen worden“, sagt er und löst einen etwa 1,6 kg schweren Döbel vom Haken. Und wie war der Biss? „Ein Schlag und dann ein vertrautes Ziehen. So hätte das heute morgen eigentlich auch laufen müssen.“ War dies nun ein zufällig vorbei schwimmender Einzelgänger, oder gibt es noch mehr Döbel?

 

Angler John Wilson am Wensum in England bei New CostesseySchwanzflosse leicht lila 

Die Schwanzflosse dieses schlanken Vierpfünders hat einen leicht lila Schimmer, Johns Ansicht nach ein sicheres Zeichen dafür, dass der Fisch vorher noch nie gefangen worden ist.

 

 

 

 


14:00 Uhr Das Blatt wendet sich

Die Rute biegt sich von der Strömung leicht durch, und die weiße Spitze schnellt in die Gerade. John schlägt an und hakt einen weiteren Döbel. Der etwa 1,8 kg schwere Fisch kommt nur widerwillig an den Unterfangkescher. John setzt den Fisch in den Setzkescher, ködert neu an und wirft die Brotkrume hinüber zur anderen Seite des Beckens.

 

Der Grund ist sandig und kiesig. Ich verwende hier nur drei SSG-Schrote, so kann der Köder mit all dem anderen Brot über den Grund holpern. „Bei einigen der Bisse handelt es sich um Rückläufer – der Fisch nimmt den Köder auf und schwimmt dann stromauf oder quer zur Strömung. Doch viele Fische nehmen den Köder auch auf und bewegen sich flussab mit der Strömung, wodurch die Rutenspitze sich natürlich durchbiegt.“

 

Viele Fische? – Ja. Nach dem ersten Fisch hat John nämlich noch einen weiteren und noch einen und noch einen gefangen … Und gerade jetzt drillt er schon wieder einen – den 21. Fisch an diesem Tag, um genau zu sein!

 

Angler John Wilson am Wensum in England bei New Costessey

An dieser Angelstelle fing John einen Fisch nach dem anderen (John wollte sehen, ob er noch einen weiteren Fisch fangen würde, wenn er den ersten zurücksetzt, und so war es auch!) Normalerweise fängt er an jeder Stelle höchstens einen oder zwei Fische und zieht dann weiter.

 

14:30 Uhr Welch ein Profi

Wir ziehen den Setzkescher aus dem Wensum, und John öffnet ihn vorsichtig. Darin tummeln sich unzählige erstklassige, rot bauchige und messingfarbene Döbel (32-36 kg) und sperren die Mäuler weit auf. Nach seinem schlechten Start ist John natürlich mehr als froh über den plötzlichen Umschwung. „Jetzt wisst ihr auch, warum ich Fernsehsendungen machen darf – man muss dazu einen Haufen Fische in sehr kurzer Zeit fangen können“, grinst er.

 

Angler John Wilson am Wensum in England bei New CostesseyRückläuferbisse

Nachdem er an drei Angelstellen hintereinander ohne einen Biss geangelt hatte, ging John an ein anderes Fluss Stück und holte dort in weniger als zwei Stunden 21 Fische heraus. Das Erkennen von Rückläuferbissen war dabei ein Schlüsselfaktor. John vergleicht sie gern mit Heber Bissen beim Posen Angeln. „Die meisten Angler sitzen nur da und warten, bis die Pose abtaucht – und verpassen die Heber. “ Auch beim Grundangeln sollte man nicht nur darauf warten, dass sich die Rutenspitze biegt.

 

 

 

 

Rekordzahlen

John hat bereits zwei Döbel von 2,7 kg aus dem Wensum gefangen. Aber dies waren keineswegs die größten: „Ich habe in einem Baggersee einen schwereren Fisch gefangen, der aus dem Fluss eingesetzt worden war.“

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