Angler John Watson am Entwässerungskanal

Angler John Watson am Entwässerungskanal

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

An einem Entwässerungskanal im englischen Norfolk auf Zander zu angeln, ist Glückssache, Angler John Watson hat es für uns versucht

Angler John Watson, seit den siebziger Jahren, als die Zanderbestände in Großbritannien explodierten, stellen immer mehr britische Angler diesem schönen Raubfisch nach. Manche befürchteten, dieser Eindringling vom europäischen Festland könnte die Gewässer in kürzester Zeit leerfressen, doch dies ist nicht eingetreten.

 

Angler John Watson am Entwässerungskanal



Angler John Watson gehört zu Großbritanniens führenden Hechtanglern. Nun hat ihn allerdings das Zanderfieber gepackt, und er stellt ihnen in jeder freien Minute nach.

 

Die britischen Angler entwickelten ausgeklügelte Methoden, die auch bei uns Beachtung verdienen, vor allem, weil sehr erfolgreich mit dem toten Köderfisch geangelt wird und bei uns der lebende Köderfisch ja verboten ist.

 

Angler John WatsonAalstücke sind wahrscheinlich der beste Köder auf Zander. John verwendet einen 1/0er Einzelhaken, der die Zahl der erfolgreichen Anschläge beträchtlich erhöht.

 

 

 

 



Begleiten wir also einen der besten Raubfischexperten an eines seiner Heimatgewässer. In Norfolk sind die fens – Entwässerungskanäle, wie es sie auch in Deutschland gibt – in der Nähe des Great Ouse als gute Reviere für Zander bekannt.

 

Angler John Watson

Fisch gehakt! Angler John Watson empfiehlt, eine weitere Angel montiert

bereitzuhalten, damit man auch beim Anködern oder Ummontieren stets

zwei Köder anbieten kann.

 

Erster Tag – der Delph

Der Delph ist ein schnurgerader Kanal, der auf einer Länge von 16 km in die ebene Landschaft gegraben wurde. Nur einen Steinwurf entfernt gibt es ein ähnliches Gewässer – den Old Bedford River. Beide beginnen und enden am Great Ouse und sind vorzügliche Angelreviere, wobei der Delph als Zandergewässer interessanter ist.

 

Angler John Watson

Ein zweifellos etwas verärgerter Hecht kann gegen Johns Rute mit der

2 3/4 lb – Testkurve nicht mehr viel ausrichten. Leider kein Zander!

 

7:00 Uhr Die Bedingungen sind perfekt:

Das Wasser ist deutlich getrübt. Zander mögen trübes Wasser – möglicherweise verlassen sie sich bei der Jagd vor allem auf ihren Geruchssinn und die Wahrnehmungen ihrer Seitenlinie.

 

Angler John Watson stellt zwei Ruten auf, mit denen er beide Uferkanten befischen will. Es sind Hechtruten mit durchgehender Aktion und einer Testkurve von 2 3/4 lb (1,2 kg).

 

Aufgrund der recht weichen Aktion können auch kleinere Fische die Rute beachtlich biegen. Die Rute hat jedoch genügend Kraftreserven, um selbst mit einem sehr großen Fisch fertigzuwerden.

 

Angler John Watson wirft einen 15 cm langen toten Brassen an der freien Leine (ohne Pose und Blei) bis fast zum anderen Ufer und legt an seiner Seite ein Aalstück auf Grund. Die Aale stammen vom Delph; John hat herausgefunden, dass 8 cm lange Aalstücke in Gewässern mit großem Aalbestand ein guter Zanderköder sind.

 

Den Brassen befestigt er an zwei Drillingen mit angedrückten Widerhaken Größe 10, die für den Fisch schonender sind als normale Drillinge mit Widerhaken, besonders beim Hakenlösen. Das Aalstück ist an einen Einzelhaken Größe 1/0 angeködert; auf diese Weise ragt die Hakenspitze schon aus dem zähen Aalstück heraus.

 

Angler John WatsonBeim Abködern eines Hechts muss man Ruhe bewahren: Man legt den Fisch auf den Boden und versucht, den Haken über die Kiemenöffnungen zu erreichen, wenn es durch das Maul nicht geht – aber bitte vorsichtig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Nichts als Frust

Der Summer meldet sich: falscher Alarm. Angler John Watson benutzt elektronische BissanzeigerAngler John Watson, die in Rollennähe an die Schnur geklippt sind.

 

9:10 Uhr Diesmal zieht ein Fisch auf und davon.

Aber er lässt den toten Brassen wieder los. Als John einholt (der Köder sollte grundsätzlich überprüft werden), entdeckt er überall Biss Spuren. Wahrscheinlich hat ein kleiner Zander versucht, den für ihn zu großen Köder zu nehmen.

 

Angler John Watson ködert nun einen kleineren Köderfisch an, einen toten Barsch von 6 cm Länge.

 

Es folgt eine Beißflaute – beim Specimen- Hunting eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch bei Anwesenheit von Zandern hätte längst einer anbeißen müssen, meint John. Mittags beschließt er, den Kanal abwärts zu ziehen, um einen anderen Platz auszuprobieren.

 

Angler John WatsonUnd hier ist er: ein schöner, aber ziemlich kleiner Hecht von knapp 2 kg. Der tote Köderfisch war eigentlich für einen Zander gedacht – aber ein Hecht ist ja auch etwas!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



12:25 Uhr Angler John Watson hat einen Biss und schlägt an.

Der tote Barsch wurde genommen, und Angler John Watson hat Fühlung mit einem echten Wirbelwind. Als es ihm gelingt, den Fisch an die Wasseroberfläche zu bekommen, lacht ihn ein Hechtmaul an.

 

Angler John Watson

Ist er es, oder ist er es nicht? Angler John Watson weiß nicht so recht, ob

die Schnurbewegung wirklich von einem Fisch ausgeht oder ob ihm seine

Phantasie vor lauter Frust einen Streich spielt.

 

Eine Verletzung

Angler John Watson löst den unter einem Kiemendeckel sitzenden Haken und verletzt sich dabei die Hand an den Kiemenreusendornen. Als er den Fisch zurücksetzt, meint er: „Ich verwende keine Handschuhe und keine Rachensperre, weil es so einfach schneller geht.“

 

Während John auf einen anständigen Biss wartet, beginnt er von seinem Angelgerät zu erzählen: „An den meisten Gewässern … “ – und schon meldet sich wieder der Summer.

 

Angler John Watson 8Ein Fisch in letzter Sekunde! John bekommt beim Einholen Kontakt. Er ist nicht groß, das erklärt auch, weshalb er so lange gebraucht hat, um den Köder aufzunehmen .

 

 

 

 

 



12:40 Uhr Ein schleichender Biss, aus dem nichts Rechtes wird.

Eine Untersuchung des toten Rotauges ergibt, dass es lediglich angegriffen wurde. John glaubt, dass es überwiegend Zander sind, die einen Köderfisch wieder loslassen. Ein Hecht führt seine Arbeit normalerweise zu Ende – es sei denn, der Köderfisch ist doppelt so groß wie der Räuber selbst!

 

Also: zurück zum Angelgerät. Obwohl es auf Zander geht, wählt John nicht das leichteste für den Zander noch vertretbare Gerät aus. Wenn man mit zwanzigpfündigen Hechten rechnen muss, ist das fehl am Platz. Man darf nicht das Risiko eingehen, ein Stahlvorfach mit zwei Drillingen in einem Hechtmaul zurückzulassen.

 

Zwar bekommt John noch einen Biss auf Aalstückchen, doch der Fisch lässt den Köder wieder los. Seit John zur Einzelhakenmontage übergegangen ist, ist dies das erste Mal, dass er einen Biss auf Aalstück nicht verwandelt hat. Wir müssen einen neuen Zanderversuch starten.

 

Angler John Watson

Doch kein Winzling. Der Fisch mag zwar mit etwa 500 g ziemlich klein sein, aber seinetwegen sind wir ja schließlich gekommen – ein herrlich geformter  Zander, wie frisch aus der Gussform.

 

Zweiter Tag – der Great Ouse

Nach dem erfolglosen Zandertag beginnt auch der zweite Tag am Delph enttäuschend. Trotz (oder gerade wegen) der Bemühungen von etwa zwanzig Anglern stellen sich die Zander stur.

 

John setzt einen schweren, mit Fischfetzen gefüllten Swimfeeder ein, der einen zufällig vorbei schwimmenden Fisch für seinen Haken interessieren und ihn vom Haken des Nachbarn ablenken soll. Dummerweise ist jedoch kein einziger Fisch in der Nähe.

 

Angler John Watson 10John setzt ihn zurück, damit er wachsen und gedeihen kann. Jetzt, wo die Angler in Großbritannien keine Angst mehr vor der Ausbreitung des Zanders haben, wird er vielleicht bald auch häufiger an die Angel gehen.

 

 

 



10:00 Uhr Vom Zander keine Spur

Also beschließt John, an den Ouse zu fahren. Die schlanken Räuber sind dort nicht so zahlreich, aber selbst wenn er keinen fängt, hat John immerhin die Chance auf einen Hecht. Mit dem Auto fährt man 20 Minuten, und so hat John die Angeln um 10.30 Uhr wieder ausgelegt.

 

Während John wartet, erklärt er uns, dass die Hechte und Zander normalerweise kilometerweit an der Uferkante solcher Entwässerungskanäle entlangpatroullieren. Was letzte Woche noch eine sichere Stelle war, ist heute vielleicht schon ein totes Loch. Und auch wenn nichts beißen will, besteht immer noch die Möglichkeit, dass die Fische binnen einer halben Stunde vor einem am Ufer entlangziehen.

 


11:20 Uhr

John holt eine Angel ein und wirft seitlich von der zweiten Rute wieder aus. So kann er einen größeren Wasserbereich abfischen, ohne gleich beide Köder aus dem Wasser nehmen zu müssen.

 

Diese Methode ist besonders wirkungsvoll, wenn man mit einem Partner gemeinsam angelt, da man die zwischen den vier Ruten liegenden Uferkanten an beiden Ufern systematisch abfischen kann.

 

11:55 Uhr Eine Tasse Kaffee.

Natürlich ertönt der Summer, kaum dass man den Becher an den Mund gesetzt hat – aber es ergibt sich keine Flucht. Der Köder scheint unversehrt zu sein. Wenigstens steigen und schnalzen die Kleinfische heute ganz aufgeregt umher. Doch sonst tut sich rein gar nichts. Man kann also nur weiterziehen und weiterprobieren.

Angler John Watson

 

15:30 Uhr Zeit zum Aufbruch.

John hat nun gut eineinhalb Kilometer des Ouse abgefischt und nicht einen richtigen Biss bekommen, und der Kaffee ist auch alle. Er holt die erste Rute langsam ein und stoppt plötzlich. „Da spielt doch einer dran herum!“ Eine kurze Pause.

 

„Das kann doch nicht wahr sein … oder doch?“ In der Tat, endlich! Nach zwei Tagen sehen wir das, wonach wir die ganze Zeit gesucht haben – nur kleiner: ein wohlgeformter Zander von etwa einem Pfund. Das tote Rotauge paßt mit Müh‘ und Not in sein Maul. Angler John Watson behandelt seinen Lieblingsfisch behutsam. „Ich liebe Zander. Sie sehen immer aus wie aus dem Ei gepellt.“

 

Wir sind zufrieden, selbst wenn nun keine Zander mehr in Aussicht sind. Mit diesen Fischen zurechtzukommen erfordert Geduld und Können. Doch wen das Zanderfieber erst einmal gepackt hat, den läßt es nicht mehr los.

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