Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River Wye

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River Wye

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

Angler Chris Lee hat sein ganzes Leben lang in allen Teilen der Welt mit der Fliege gefischt und gilt als einer der besten Fliegenfischer Großbritanniens

Wir haben Angler Chris Lee zum Äschen Fang an den River Wye bei Bakewell in Derbyshire begleitet. An diesem windstillen, frostigen Januartag will Chris Lee der eleganten Äsche nachstellen. Für ihn ist sie die Königin der Flüsse. Dieser Fisch ist zwar nur von bescheidener Farbenpracht; seine wahre Schönheit jedoch entfaltet sich erst im Kampf.

 

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River Wye



10:30 Uhr Erste Vorbereitungen

Es bringt nichts, wenn man zum winterlichen Äschen angeln zu früh ans Wasser kommt, denn die Morgenkälte macht den Fisch träge und beißfaul. Chris hält die Stunden zwischen 11 Uhr und 14 Uhr für die beste Fangzeit. „Geduld ist alles“, sagt er. „Das Dümmste, was man tun kann, ist, am Ufer auf und ab zu rasen.

 

Dort, wo man Fische vermutet, muss man die Fliege im Wasser behalten und hartnäckig weiterangeln. Gleich oberhalb der A619 mündet ein kleiner Bach in den Fluss. Dort fischt Chris zum Aufwärmen einen flachen Bereich mit einer 18er „Griffith’s Gnat“ ab (ein amerikanisches Muster). Wenn ich eine Fliege nennen sollte, die mit Sicherheit für Äschen gut ist, dann diese hier, sagt er. Obwohl die Fliege diesmal nicht fängt, ist Chris Vertrauen in sie ungebrochen. Doch er möchte nun einen tieferen Fluss Abschnitt befischen und entscheidet sich zu diesem Zweck für einen bebleiten Bachflohkrebs (Größe 14).

 

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River Wye

Chris mit einer seiner vielen Fliegenruten ist Inhaber des „Piscatoria Tackle Shop“ in BakeweIl. Die mehrfarbige Fliegenschnur bietet eine gute Tarnung, behauptet Chris.

 

Äschen Standplatz

Angler Chris Lee wirft oberhalb eines vermuteten Äschen Standplatzes ein und wirft neu aus, sobald die Strömung den Krebs zur Oberfläche treibt. Am einfachsten lässt sich sein Vorgehen mit der Zifferblattmethode erklären. Man stellt sich vor, dass man mit Blick aufs andere Ufer am Fluss steht, und direkt vor einem steht der Fisch bei 12 Uhr. Nun wirft man das bebleite Muster bei ungefähr 10 Uhr aus, wobei die Strömung von links nach rechts fließt. Wenn sich die Fliege zwischen 11 Uhr und 1 Uhr befindet, hat sie den Grund bereits erreicht – genau dort soll sie auch sein, denn am Grund hat man bei diesen Verhältnissen die besten Fangaussichten. Rechts von der Position 1 Uhr bewegt sich die Fliege unter dem Zug der Schnur bereits wieder in Richtung Wasseroberfläche.

 

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River Wye

Hier fischt er gerade an einer Bachmündung mit einer Griffith’s Gnat.


11 :35 Uhr Erfolg!

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River WyeWir gehen unter kahlen Bäumen hindurch, vorbei an schmucken Häusern. In der Nähe der Packhorse Bridge studiert Chris das Wasser an einer langen Insel und befischt die langsam fließende Fluss Seite mit einer Sturdy’s Fancy, einem anderen beliebten Äschen Muster.

 

Das Flussufer ist mit Büschen und Bäumen bestanden; deshalb führt er statt eines Überkopfwurfs einen präzisen Rollwurf aus. „Diese Technik eignet sich besonders an kleinen Flüssen, weil man keine Schnur hinter sich in die Luft bringen muss. Die Fliege lässt sich gut präsentieren, und man kann recht weit werfen.“

 

Als er das Wasser an der Spitze der Insel befischt, schießt eine Äsche aus einem steinigen Hohlraum hervor, packt die Fliege und rast damit flussab. Selbst in der langsamen Strömung liefert sie einen bewundernswerten Kampf.

 

Angler Chris Lee lenkt den Fisch ans Ufer, und der Haken löst sich praktischerweise von selbst. Nun begibt sich Chris weiter stromauf ans tiefere, schnellere Wasser und knüpft eine Brassy Nymph an (ein amerikanisches Muster mit vielen Kupferwindungen am Hakenschenkel und einem sehr kleinen Brustbereich aus Fell). Chris verwendet dieses Muster, weil seine Sinkgeschwindigkeit kaum beeinträchtigt wird.

 

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River Wye

Anderes Vorfach

Vorfach mit langem dicken Unterteil und kurzer Spitze. Um diese auszuwechseln, muss man nur ein kurzes Stück hinzufügen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Körperoberfläche einer Fliege

Je größer die Körperoberfläche einer Fliege, desto mehr Widerstand bietet sie dem Wasser und desto langsamer sinkt sie folglich ab. „Grundsätzlich mögen Äschen zwar kleine Fliegen“, sagt Chris, „doch sie müssen schnell absinken, und manchmal bekommt man einfach nicht genügend Blei an den Haken.“

 

Mit dieser Fliege ahmt er eine Nymphe nach, die sich langsam am Fluss Grund zwischen den Steinen bewegt. Seine Geduld wird belohnt doch nicht mit einer Äsche. Trotz der Kälte liefert ihm eine Regenbogenforelle von etwa 1 1/2 Pfund Gewicht einen guten Kampf. Im Nu hat Chris den widerhakenlosen Haken gelöst und die Forelle zurückgesetzt.

 

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River WyeRegenbogenforelle

Eine Regenbogenforelle hat Chris Fliege genommen. Chris
setzt konsequent jeden gefangenen Fisch wieder zurück.

 

 

 

 

 

 

 

 


11:45 Uhr Schwarm in Sicht

An Bächen und Flüsschen gibt es beim Fangen und Landen häufig Probleme – besonders bei schwarmbildenden Fischen wie Äschen. Jede ungewöhnliche Regung im klaren Wasser oder am Ufer kann den Fisch vergrämen.

 

Chris pirscht voran und entdeckt einen kleinen Äschen Schwarm im ruhigen Wasser, für den er wieder die Griffith’s Gnat anknüpft. Im klaren Wasser ist ein feines Vorfach (von 0,9 bis 1,8 kg Tragkraft) unerlässlich. Chris platziert die Fliege etwa 60 cm vor dem Schwarm und wartet ab.

 

Wegen der langsamen Strömung und des klaren Wassers können die Äschen sich die Fliege genau ansehen. Dennoch erliegt eine kleine Äsche der haarigen Versuchung. Chris landet schließlich eine Äsche von gut 300 g, die bis zum Ufer eisern kämpft.

 

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River Wye

Dies ist ein sehr langsam fließender Fluss Abschnitt. Chris entdeckt einen Äschen Schwarm, der nahe am anderen Ufer gegen die Strömung steht und bietet den Fischen eine „Sturdy’s Fancy“ an.

 

12:05 Präzision

Die kleine Äsche hat die Größeren verjagt, daher entschließt sich Angler Chris Lee, stromab zu gehen. Dort ist das Wasser etwa einen Meter tief und die Strömung nur mäßig schnell. Er wirft die Fliege an einer leichten Flussbiegung etwa 50 cm vom anderen Ufer ein, und die Fliege wird von der Strömung abwärts getrieben. Dies wiederholt er immer wieder und kommt mit der Fliege bei jedem Wurf etwas näher an seinen eigenen Standplatz.

 

„Die richtige Schnurführung ist beim Fluss Angeln für den Erfolg unentbehrlich.“ Als er den gesamten Bereich abgefischt hat, zieht er weiter flussab. Unterhalb von Bakewell, in der Nähe eines Fußgängerstegs, knüpft Chris eine Nymphe mit
Gold Kopf an das Vorfach und reibt Fliege und Vorfachspitze mit Erde ein, um jeden menschlichen Geruch zu übertönen. Fast alle Angler schwören aus den verschiedensten Gründen auf „ihre“ Fliegenmuster. Doch Chris betont, dass es nicht so sehr auf das Muster als auf die richtige Präsentation ankommt.

 

Die Rute biegt sich unter einer Bachforelle von 3/4 kg zum Halbkreis, und Chris macht sich zur Landung des Fischs bereit, den er anschließend rasch und vorsichtig zurücksetzt. Es war eine Nymphe mit Gold Kopf, über  steinigem Grund taumelnd geführt, der die Forelle nicht hatte widerstehen können.

 

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River WyeWunderschöne Regenbogenforelle

Diese wunderschöne Regenbogenforelle wurde mit einem „Killer Bug“ gefangen. Der Wye ist einer der ganz wenigen Flüsse Englands, in  denen sich die Regenbogenforelle auf natürliche Weise fortpflanzt.

 

 

 

 

 

 


13:00 Uhr Dem Futter folgen?

In dem Flußabschnitt gleich unterhalb der Stadt können es sich die Äschen leisten, etwas wählerisch zu sein, weil dort die Leute Brot, Mais, Käse und Kichererbsen für die Enten ins Wasser werfen. Und was die Enten nicht erwischen, das holen sich die Forellen und Äschen.

 

Als Angler Chris Lee so am Angeln ist, erscheint eine Dame und wirft die Reste einer Fleischpastete ins Wasser. „Das schmeckt ihnen schon seit Jahren“, sagt sie. Chris sucht in seiner Fliegendose vergebens nach einer pastetenförmigen Fliege.

 

Statt dessen versucht Angler Chris Lee es jetzt mit einem „Killer Bug“. Er wirft ein Stückchen flußauf und läßt die Fliege etwa 9 m weit mit der Strömung abtreiben. Da schnappt plötzlich eine Regenbogenforelle zu. Der Fisch nutzt die Strömung geschickt aus und kommt gefährlich nahe an ein Wehr heran, doch Chris bekommt die Situation doch noch unter Kontrolle.

 

Fliegenfischer Angler Chris Lee auf Äschenfang am River Wye

Die beste Tageszeit zum Äschen Angeln im Winter ist normalerweise zwischen 11 und 14 Uhr. Dieser Fisch wurde jedoch um 15 Uhr gefangen – es gibt keine Regel ohne Ausnahme!

 

14:30 Uhr Bachforelle

Nach dem Mittagessen wechselt Angler Chris Lee die Fliege; er nimmt eine schwere Nymphe mit Gold Kopf. Als er sie zur anderen Seite wirft und die Strömung sie über den steinigen Grund taumeln lässt, kann eine Bachforelle von etwa 3/4 kg der Versuchung nicht widerstehen, wird jedoch von Chris sofort wieder freigelassen.

 

Noch einmal beschließt er, an tieferen Strecken zu fischen, um den Forellen aus dem Weg zu gehen. Beim Fischen in einem tiefen Strudel führt Chris die Fliege beim Einholen langsam am Grund entlang und bekommt schließlich einen Biss. Eine Äsche von gut 300 g benutzt ihre fahnenartige Rückenflosse, um zusätzlichen Widerstand zu erzeugen.

 

Doch Chris bekommt die Oberhand und nimmt den Fisch mit nassen Händen für ein Erinnerungsfoto aus seinem Element heraus, dann setzt er ihn zurück. Als es allmählich kälter wird, entschließt sich Chris zum Aufbruch. Der Angel Tag hat Fänge
gebracht, mit denen man sogar in der Hochsaison sehr zufrieden sein könnte, und mitten im Winter erst recht.