Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

Angler Chris Clark ist seit über zehn Jahren Mitglied des „England Sea Fishing Team“, seine Lieblingsstelle ist an der Kanalküste

Angler Chris Clark; Hunderttausende von Meeresanglern gibt es auf den Britischen Inseln. Und selbstverständlich ist dort die Technik des Meeresfischen so fortschrittlich wie in keinem anderen Land. Auch in Deutschland werden jetzt Geräte und Montagen für die Meeresangelei angeboten.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste



Angler Chris Clark beim Nachtangeln

Wir begleiteten an einem schönen Novembernachmittag Chris Clark, einen geradezu professionellen Salzwasserangler, auf einem seiner Angelausflüge nach Chesil Beach, ein Strandstück bei Weymouth westlich von Bournemouth. Die Sonne scheint strahlend vom Himmel, die See ist ruhig – unsere Beute werden wir deshalb weit draußen suchen müssen.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Angler Chris Clark  mit dem leidigen Einsiedlerkrebs, der erst den Wattwurm geklaut hatte und sich dann nicht mehr vom Haken trennen konnte. Chris hat als einziger Brandungsangler bereits zweimal die „UK Masters“ gewonnen (1984 und 1990). „Mit dem Brandungsangeln habe ich kurz nach der Hochzeit angefangen“, scherzt er.

 

 

 


Angler Chris Clark schließt seinen Wagen ab und macht sich auf den beschwerlichen Weg über die rutschigen Kieselsteine zu den Dragon‘ s Teeth (Drachen zähnen), einer Reihe von Verteidigungsbunkern aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie befinden sich knapp einen Kilometer östlich des Parkplatzes von Abbotsbury Beach und markieren einen der besten Angelplätze an diesem Strandabschnitt.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Am späten Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf. Die See ist ruhig, der Wind ebenfalls – so schön die Stimmung auch ist, die Bedingungen für das winterliche Brandungsangeln sind schlecht.

 

 

 

 

 

 

 


14:30 Uhr Montage

Angler Chris Clark steckt seinen großen Schirm in den Kiesboden und sichert ihn mit einigen Steinen. Rasch und dennoch sorgfältig richtet er verschiedene Wattwürmer, Butterkrebse, Makrelen- und Tintenfischköder und montiert zwei Multirollen (jeweils mit Schnur von 6,4 kg und mit einem Schockvorfach von 23 kg Tragkraft bestückt) sowie zwei Beachcasting-Ruten.

 

Er befestigt ein Blei am Schockvorfach und wirft 30-50 m weit hinaus. „Das Meerwasser wirkt wie ein Gleitmittel“, sagt Chris. „Es verringert die Reibung und schont die Schnur, wenn man mit voller Kraft auswirft. Mit etwas Casting wärmt man sich außerdem auf.“

 


Dann montiert Angler Chris Clark zwei seiner selbstgemachten Vorfächer, die mit Klemmhülsen befestigt sind. Die gewellten Vorfächer mag er nicht, da die Hülse die Schnur schwächt; schon öfter ist ihm deswegen die Schnur gerissen. Bevor Chris die Wattwürmer auf den Haken fädelt, wischt er sie kurz an den Kieselsteinen ab. Viele Leute lachen darüber, aber Chris glaubt, dass dadurch der Wurm seine Körpersäfte schneller ans Wasser abgibt. Je mehr Duftstoffe ins Wasser gelangen, desto schneller findet der Fisch den Wurm.

 

Anfahrt

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste

Von Dorchester auf der A354 nach Süden in Richtung Weymouth; dann auf die B 1357 Richtung Bridport, Abbotsbury durchfahren. Am Ortsausgang ist Chesil Beach ausgeschildert.

Ein Teil von Chesil Beach ist Naturschutzgebiet. Im Bereich „The Fleet“ ist das Spazierengehen und Fischen vom 1. 5.- 31. 8. verboten. Von September bis April darf man sich nur auf der Seeseite aufhalten.

 

 


Das erste Rig besteht aus einem mit Köderclips versehenen und mit drei Seitenarmen bestückten Vorfach, an dessen erstem Haken ein Sandfingerwurm, am zweiten Haken ein Wattwurm mit Tintenfisch und am dritten Haken nur ein Wattwurm angeködert wird. Chris möchte solange verschiedene Köderkombinationen ausprobieren, bis er die fängigste gefunden hat.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste

Wenn es am Wochenende nach Einbruch der Dunkelheit eine Springflut gibt, treffen sich am Strand von Chesil Beach Angler aus nah und fern.

 

Alle drei Haken haben die Größe 2. An der zweiten Rute benutzt Chris wiederum ein mit Köderclips und drei Seitenarmen versehenes Vorfach, nur sind diesmal die Köder etwas größer, und die Haken haben die Größe 1. Der Köder solle stets zur Hakengröße passen, rät Chris; beispielsweise dürfe man nicht einen ganzen Tintenfisch an einem 2er Haken befestigen. Man schneidet ihn besser in Streifen. Die höchste Springflut des Monats ist hier am Strand die beste Angelzeit. Dorsche, Wittlinge und Plattfische kommen dann bei getrübtem Wasser bis fast an den Strand. Weht der Wind geradewegs landeinwärts, nähern sich die Fische auch tagsüber dem Ufer, da ihnen das dunkle, trübe Wasser Schutz bietet. Ist das Wasser jedoch klar, bleiben sie weiter draußen.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Wenn man die Rollenschellen leicht versetzt anbringt, haben die Finger ausreichend Platz, und man bekommt Rute und Rolle fest und sicher in den Griff.

 

 

 

 

 

 


Obwohl Angler Chris Clark kein Weitwurf-Spezialist ist, kommt er manchmal um Würfe über 130 m nicht herum. Wer sich mit 50 m begnügt, kann sich meist auf einen langweiligen, ereignislosen Nachmittag einstellen.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Chris empfiehlt, auf das „Pumpen“ der Rute beim Einholen des Fisches oder Köders zu verzichten: Die Rute im Winkel von 45° halten und gleichmäßig einholen!

 

 

 

 

 

 

 


15:00 Uhr Angriff der Krebse

Angler Chris Clark nimmt die erste RuteAngler Chris Clark auf, um die Köder zu überprüfen. Und siehe da: Die Krebse haben die Köder schnell und gründlich zerpflückt. Nach wenigen Sekunden hat er das vor beköderte Rig eingehängt und wirft es gut 130 m weit aus. Als der Köder auf die Wasseroberfläche trifft, lässt Chris die Schnur frei ablaufen, damit der Köder senkrecht nach unten sinken kann.

 

Viele Angler stoppen die Schnur, sobald der Wurf erfolgt ist. Das führt dazu, dass der Köder einen Bogen in Richtung Ufer beschreibt und somit wertvolle Distanz verloren geht.

 

Wenn das Vorfach erst einmal fest auf dem Grund liegt, hält Chris die Schnur zwischen Rutenspitze und Vorfach straff, damit sie sich nicht in den Kiesgrund hineinarbeiten kann und dadurch verschleißt.

 

Chris Köderclip-Rigsfür Dorsch und Plattfische

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste

 

15:10 Uhr Eifriger Einsiedler

Chris ist der Ansicht, man solle etwa alle 10 Minuten einholen, wenn die Krebse auf Beutezug sind. Er holt die zweite Angel ein und findet daran einen Einsiedlerkrebs, der sich gierig an den Wattwurm klammert. „Den werde ich später als Köder nehmen,“ sagt Chris, ködert neu an und setzt zum Pendel Wurf an. Eine Sache sollte man sich merken: Man darf niemals an der rechten Seite eines Rechtshänders stehen, der Pendelwürfe ausführt, denn das Blei bewegt sich auf den ersten 50 m mit über 200 km/h. Wenn es sich von der Schnur löst und den Nebenmann am Kopf trifft, kann das üble Folgen haben.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste

Hier zeigt Chris Clark eine weitere Abwandlung des Köderclip-Rigs mit drei Seitenarmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


16:20 Uhr Ein erster Anfang

Als das Tageslicht allmählich schwindet, zeichnen sich klar umrissene, pechschwarze Wolken am Horizont ab. Chris setzt seinen Bergarbeiterhelm auf, eine sehr praktische Lichtquelle:

 

Wenn man den Kopf dreht, wandert der Lichtstrahl mit. Mit dieser Lichtquelle hat man immer die Hände frei und spart dadurch Zeit. Er holt das erste Rig ein und mit ihm zwei kleine Wittlinge. Das zweite hat ein ähnliches Ergebnis gebracht: einen schwachen Dorsch und einen Franzosendorsch. Meistens ist es ein gutes Zeichen, wenn die kleinen Fische in Fresslaune kommen: Die Großen sind dann ganz in der Nähe. Chris ist nach wie vor optimistisch.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Das vielfältige Ködersortiment – Sandringelwürmer, Makrele, Tintenfisch, Wattwürmer und Butterkrebse (im Eimer) – zeugt davon, dass hier ein erfahrener Angler am Werk ist.

 

 

 


17:35 Uhr Geduld zahlt sich aus

Alle zehn Minuten stellt sich nun ein kleiner Dorsch, Wittling oder Franzosendorsch ein. Die gierige Art und Weise, mit der diese kleinen Fische den Köder aufnehmen, kann ärgerlich sein und mit der Zeit auch teuer werden. Als Chris die erste Angel einholt und an ihr einen weiteren kleinen Franzosendorsch vorfindet, bewegt sich die andere Rutenspitze leicht und federt sofort wieder in ihre Ausgangsposition zurück. Beim zweiten Mal nimmt Chris die Rute auf und schlägt kräftig an. Das Ergebnis: ein großer Wittling von 43 cm Länge, der den mit Tintenfisch garnierten Wattwurm genommen hatte.

 

Cocktail gefällig?

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste

Chris windet die Schnur des Seitenarms zur Sicherung um den oberen Haken. Die Hakenspitzen liegen frei.

Die gemischte Köderpräsentation im „Cocktail-Stil“ ist eines der Geheimnisse der erfolgreichen Meeresangler.

 

„Es gehen zu viele Fische verloren, weil die Leute einfach zu früh anschlagen. Wenn man ein Krallenblei verwendet, haken sich die kleineren Fische meist von selbst. Der Fisch braucht Zeit, um den Köder zu nehmen – etwa 10 Sekunden -, dann erst setzt man den Haken, aber nicht zu fest“, rät Chris. Er geht vor zur Brandung, holt ein und hält die Schnur straff. „Man muss direkt ins Wasser hineingehen. Kommt der Fisch ans Ufer, versucht man, sich hinter ihn zu stellen und ihn unter den Kiemen zu fassen,“ sagt Chris. „Beim Einholen darf man die Rute nicht pumpen, stattdessen immer gleichmäßig weiterkurbeln und die Rute in einem Winkel von 45° halten.“

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste

Viele Angler schlagen zu früh an und verpassen so den Fisch. Wenn man Krallenbleie verwendet, haken sich die meisten Fische von selbst.

 

 

 

 

 

 


Es ist gerade Flut, also wechselt Chris zu einem mit Köderclips und zwei Seitenarmen versehenen Vorfach (Hakengröße 1/0) und hofft, dass die Fische in der Nähe sind. Schon fliegt die mit Tintenfischstreifen und Wattwurm garnierte Angel seewärts in die Dunkelheit. Aus der ruhigen Brise von Nord ist ein stürmischer Nordwestwind geworden, der das Auswerfen problematisch macht.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Chris lächelt eigentlich immer optimistisch – selbst in einer Nacht der kleinen Dorsche und Wittlinge, die ständig den Köder klauen.

 

 

 

 

 

 

 

 


Nachts kommt es häufig zu überkreuzten Schnüren, aus denen sich manchmal böse Verwicklungen ergeben. Chris meint, das lasse sich vermeiden, wenn man das „blinde“ Auswerfen übt. „Das Werfen habe ich mir auf diese Weise selbst beigebracht: Ich habe mir die Augen verbunden, bin hinaus auf ein Feld gegangen und habe so lange geübt, bis ich es konnte.“ Da es nun dunkel ist, rechnet Chris damit, dass sich die größeren Fische in Richtung Strand bewegen werden. Als er die zweite Rute in den Ständer stellt, sieht er, wie die Spitze der ersten Rute erzittert. Beim Einholen finden sich zwei kleine Franzosendorsche am ersten Rig. Die andere Rute ergibt einen schwachen Dorsch.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Chris befestigt zwei Ersatzrigs an seinem Rutenständer. Dann beködert er sie nach Cocktailmanier und benutzt dazu die Köderclips. So verliert er beim Neubeködern keine Zeit.

 

 

 

 

 

 


Die Flut geht zurück, aber die Wittlinge und Franzosendorsche beißen mit Vehemenz weiter. Chris startet einen letzten Versuch, um doch noch einen kräftigen Dorsch zu bekommen, und ködert ein Stück Tintenfisch an, das er mit einem Wattwurm und einem Makrelenstückchen garniert – ein Fünkchen Hoffnung gibt es noch.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Chris watet ins Wasser hinaus, nähert sich dem Wittling von hinten und hebt ihn auf den Strand. Nachts muss man bei der Landung vorsichtig sein, weil dann die Strömung hier besonders stark ist.

 

 

 

 

 


20:35 Uhr Zeit zum Aufhören

Die Flut geht weiter zurück und steht nun etwa 13 m vom Ausgangspunkt entfernt. Die kleinen Dorsche und Wittlinge werden allmählich weniger. Auch sie machen „Feierabend“ und ziehen ins tiefere Wasser hinaus. Ein eisiger Wind braust über den Strand. Ohne auch nur für einen Moment mutlos oder desillusioniert gewesen zu sein, packt Chris seine Sachen zusammen und macht sich auf den Heimweg.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Wenn die kleinen Fische ohne Ende angreifen, kann man eigentlich nur eines tun: abwarten, bis sich der Sturm legt und auf die Großen hoffen.

 

 

 

 

 

 


Armeslänge

Chris empfiehlt, die Rolle eine Armlänge vom Griffende der Rute entfernt anzubringen. Dazu die Rute unter der Achsel abstützen und die Rolle so befestigen, dass der Daumen bis zur Spule reicht. Fest eingebaute Rollenhalterungen sind nicht für alle Angler gleich gut geeignet. Verstellbare Befestigungsschellen ermöglichen die korrekte Positionierung.

 

Angler Chris Clark beim Nachtangeln an der Kanalküste Chris mit einem besseren Wittling, der auf Wattwurm mit Tintenfischgarnierung ging.