Angler Bob Nudd in Willow Park, ein Könner

Angler Bob Nudd in Willow Park, ein Könner

Artikel von Angelstunde in Meister-Angler

Angler Bob Nudd hat erst im Alter von 26 Jahren mit dem Angeln angefangen, durch sein ungewöhnliches Talent hat er sich jedoch schnell einen Namen gemacht

Die Gewässer von Willow Park sind für ihren Fischreichtum berühmt, wer allerdings bei hochsommerlicher Hitze hier erfolgreich angeln will, muss schon ein Könner sein, wie Angler Bob Nudd.

An diesem heißen Augusttag mit 35° C im Schatten schafft nur eine sanfte Brise etwas Erleichterung. Mit etwas Glück, so hofft Angler Bob Nudd, wird sich die sengende Hitze nicht allzu sehr auswirken – und er voll in den Genuss seiner Tageskarte kommen.

Nachdem er sich ein wenig umgesehen hat, entscheidet sich Bob für ein Plätzchen am Saal Lake. Das Wasser hat eine herrliche Farbe, und die anderen Angler melden ein paar Schleien.

 

Angler Bob Nudd in Willow Park

 

Angler Bob Nudd hat erst im Alter von 26 Jahren mit dem Angeln angefangen. Durch sein ungewöhnliches Talent hat er sich jedoch schnell einen Namen gemacht. Seit 1983 gehört er zur englischen Nationalmannschaft. 1990 wurde er Einzelweltmeister, wobei er an beiden Wettbewerbstagen die höchste Punktzahl mit einer Rute von sage und schreibe 17 m Länge erreichte.

 

12: 15 Uhr Lange Stipprute

Bob benutzt eine 11 m lange Stipprute mit verkürzter Schnur. Er will auf kleine Schleien und Karpfen angeln, deshalb hat er eine Hauptschnur von 1,4 kg (ca. 0,16 mm) und ein Vorfach von 1,1 kg (ca. 0,12 mm) Tragkraft montiert. Er verwendet geschmiedete, widerhakenlose Haken, allerdings nur Größe 20, da er als Köder Maden nimmt.

 

Durch die oberen drei Rutenteile führt er ein starkes Gummiband – das kräftigste, das er bekommen konnte – , damit ein großer Fisch nach dem Anschlag erst einmal 10-20 m flüchten kann. Außerdem fängt das lange Gummiband die Wucht auch eines besonders harten Anschlags ab.

 

Bob positioniert seine Sitzkiepe und die Köderschale und stellt hinter seinem Sitzplatz den RutenhalterAngler Bob Nudd mit den weichen Rollen auf. So wird die Rute, wenn er sie nach hinten schiebt, nicht beschädigt.

 

Zusätzlich legt Bob 3 m Verlängerung für die Rute bereit. Die wird er vielleicht benötigen, wenn er einen wirklich großen Fisch hakt: Mit der Verlängerung kann er die Rutenspitze über den Kopf des Fisches halten und ihn so schneller ermüden.

 

Angler Bob Nudd

Beim Aufbauen seines AngeIgeräts stellt Bob die Roller-Kopfrutenauflage sorgfältig auf. Dadurch kann er Fische gefühlvoll und ruckfrei landen, ohne daß sich der Haken löst. Neben ihm sieht man eine zusätzliche Rutenverlängerung, die er für den Drill großer Fische bereithält.

 

 

 

 

 

12:30 Uhr Leichte Pose

Bob hat als Köder zwei Liter bronzefarbener Maden mitgebracht, darunter auch ein paar rote. Er will die Fische durch ständiges Anfüttern nach oben locken, damit sie den Köder dann beim Absinken nehmen.

 

„So fängt man am schnellsten“, sagt Bob. „Kaum hat man eingeworfen, schon verschwindet die Pose. Auf Bisse muß man bei dieser Methode nicht lange warten. Auch ist regelmäßiges Anfüttern wichtig, um die kleinen Fische satt zu bekommen und die größeren für den Köder zu interessieren. “

 

Da Bob Fische fangen will, die den Köder beim Absinken nehmen, benutzt er eine winzige Pfauenfederpose. Er beschwert sie mit nur drei Bleischroten der Größe 10, die er in gleichen Abständen auf der Schnur verteilt. Dann lotet Bob die Wassertiefe aus, die er auf Anhieb mit 1,50 m richtig geschätzt hat. Er stellt die Pose 5 cm tiefer ein, damit der Köder auf dem Grund
zu liegen kommt, wenn er nicht schon beim Absinken genommen wird.

 

Angler Bob NuddWillow Park ist ein Paradies für Angler. Selbst im August, bei sengender Hitze, kommt niemals Langeweile auf. Hier keschert Bob gerade ein großes Rotauge.

 

 

 

 

 

 

 

12:45 Uhr Konzentration

Bob ködert eine rote Made an und senkt die Montage behutsam aufs Wasser. So sinkt der Köder in einem Bogen. Er nimmt eine leicht vorgebeugte Haltung ein, um das Gewicht der Rute auszugleichen, konzentriert sich auf den winzigen, orangefarbenen Tupfer an der Posenspitze und achtet aufmerksam auf das kleinste Anzeichen eines Bisses.

 

Sofort nimmt eine winzige Rotfeder die Made beim Absinken. Bob gibt sich große Mühe, wenn er kleine Fische mit der langen Stipprute landet, denn man verliert sie nur allzu leicht, besonders wenn man mit widerhakenlosen Haken angelt. Man muß die Schnur immer unter Spannung halten, ganz besonders dann, wenn man die unteren Rutenteile abnimmt.

 

Angler Bob Nudd

Freihändig!

Zum Anfüttern mit dem Katapult sollte man beide Hände frei haben. Bob hilft sich mit einem einfachen Trick: Anstatt die Rute auf den Boden zu legen, klemmt er das Rutenende fest zwischen Unterarm und Oberschenkel. Wieder fängt Bob eine kleine Rotfeder, aber dort draußen tummeln sich jetzt auch größere Fische. Noch eine dritte Rotfeder wird gelandet, dann aber verliert Bob einen größeren Fisch. Währenddessen füttert er ständig an und balanciert jedes Mal die Rute mit dem rechten Ellbogen auf dem Knie.

 

 

13:00 Uhr Kleine Ruhepause

Bob ködert zwei rote Maden an und hofft, so einen größeren Fisch zum Biß zu verlocken. Sollte eine der Maden auf dem Weg nach unten von einer kleinen Rotfeder abgeknabbert werden, müßte die andere noch in Ordnung sein, wenn sie am Grund ankommt.

 

Bob fängt ein paar kleine Barsche am Grund. „Sieht ganz so aus, als hätten sich die Rotfedern verzogen“, meint Bob lächelnd. Er hakt kurz hintereinander zwei weitere Barsche, einen am Grund, den anderen beim Absinken des Köders. Ein fünfter Barsch wird in Grundnähe gehakt und hat den Haken tief im Maul stecken – das zeigt wieder einmal, wie wichtig es ist, immer einen Hakenlöser beim Angeln dabeizuhaben. Bob legt eine kurze Ruhepause ein; eine Libelle fliegt surrend über die leicht gekräuselte Wasseroberfläche. Ein gutes Zeichen: Libellen findet man nur dort, wo das Wasser schon seit Jahren sauber ist.

 

Angler Bob Nudd

Damit das Gummiband glatt laufen kann, träufelt Bob etwas Öl in das Rutenoberteil und in die Teflon Buchse an der Rutenspitze. Auch unten wird das Spitzenteil so behandelt. So verliert man nur wenige Fische beim Drill.

 

 

 

 

 

 

13: 15 Uhr Schleien Zeit

Kaum hat Bob festgestellt, dass „wohl keine größeren Fische in der Nähe sind“, da schießt die Pose davon. Das Gummiband wird von einem großen, heftig flüchtenden Fisch aus der Rutenspitze gezogen. Den Köder hat er vom Grund aufgenommen, und zwar so schnell und so gierig, dass er sich dabei selbst gehakt hat. Bob bekommt den Fisch sofort in den Griff. Als er ihn keschert, blitzt es goldgrün, und heraus kommt eine Schleie. Dieses besonders schöne Exemplar wiegt zwischen 300 und 400 g.

 

„Jetzt kommen die größeren Fische“, sagt Bob. Doch er landet erst einmal mehrere kleine Rotfedern und Barsche. „Die Großen haben sich wohl noch nicht eingefunden“, meint Bob, „wahrscheinlich, weil die meisten der angefütterten Maden von kleineren Fischen gefressen werden, bevor sie den Grund erreichen.“

 

Bob hat einen guten Fisch gehakt und kann ihn nicht sofort bestimmen. Zunächst glaubt er, es sei eine große Rotfeder, doch dann sieht er das unverwechselbare Goldbronze einer Karausche. Sie wiegt 0,45 kg. Er erklärt, dass es ziemlich ungewöhnlich sei, zur Mittagszeit eine Karausche zu fangen, da sie normalerweise nur früh am Morgen auf Nahrungssuche geht.

 

Die kleinen Rotfedern und Barsche sind immer noch sehr beißfreudig, dann landet Bob einige gute Rotaugen. Beim nächsten Einwurf zerreißt ein offenbar großer Fisch die Schnur.

 

Angler Bob Nudd

Bob war bislang der Meinung, dass Karauschen nur am frühen Morgen fressen. So ist er angenehm überrascht, als er einige Exemplare auch noch am Nachmittag fängt.

 

 

 

 

 

 

 

14:15 Übermütige Fische

Jetzt gibt es dort draußen zweifellos auch größere Fische – Bob sieht einige große Silhouetten, die an seinem Angelplatz umherschwimmen. Die Pose zuckt, Bob schlägt an, und schon spannt eine 300 g schwere Karausche das Gummiband. Dann geraten die Dinge ein wenig außer Kontrolle: Ganze Massen kleiner Fische balgen sich um die angefütterten und angeköderten Maden. Nur zwei Karauschen gelingt es in der nächsten halben Stunde, ihren winzigen Kollegen den Köder abzujagen; Beide wiegen etwa 350 g.

 


Angler Bob Nudd

Hier hat Angler Bob Nudd eine hübsche kleine Schleie gelandet. Schleien erreichen in Willow Park ein Gewicht von über 1,5 kg, ein Exemplar wog sogar 2, 7 kg

 

 

 

14:45 Uhr Verpasster Fang

Bob hakt eine Schleie von knapp einem Kilo. Er greift nach der Rutenverlängerung, doch das Gummiband schnellt in die Rutenspitze zurück, und der Fisch ist weg. Ein prüfender Blick verrät, dass eine der Maden bis auf die Spitze des Hakens gerutscht war. Darum konnte der Haken auch nicht in das Maul der Schleie eindringen. Eine Zeitlang ist es ruhig, und Angler Bob Nudd bekommt keine Bisse mehr. Um das Absinken des Köders zu verlangsamen, verschiebt er die Bleischrote etwas nach oben zur Pose hin und ködert wieder jeweils nur eine Made an. Er probiert einen Trick: Die Pose wird etwas aus dem Wasser gezogen – und wieder abgelassen. Mit dem einsinkenden Köder wird angefüttert.

 

Angler Bob Nudd

Bei brütender Augusthitze kann auch dem ausdauerndsten Angler und dem gierigsten Fisch die Lust vergehen. Doch Angler Bob Nudd kann dennoch zufrieden sein; er hat insgesamt über 4,5 kg Fische gefangen. Hier setzt er behutsam seinen guten Fang in den See zurück.

 

 

 

 

15:40 Uhr Unerträgliche Hitze

Der Trick funktioniert: Ein Rotauge von 350 g und eine ebenso große Schleie nehmen eine Made beim Absinken. Die Hitze ist mittlerweile unerträglich, und so entschließt sich Angler Bob Nudd, seine Sachen für heute zusammenzupacken und an einem schattigen Plätzchen erst einmal etwas Kühles zu trinken. Bob schätzt seinen Fang auf etwa 4,5 kg – das ist bei dieser Hitze außergewöhnlich gut. Er zerlegt seine Rute und räumt seine Sachen für den nächsten Angel Tag sorgfältig auf.

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