Angeln mit der Bologneser Methode, Steve Gardner erläutert

Angeln mit der Bologneser Methode, Steve Gardner erläutert

Artikel von Angelstunde in Angeltechnik

Steve Gardner, Mitglied der englischen Nationalmannschaft, erläutert das Angeln mit der Bologneser Methode, Italien gewann damit die Weltmeisterschaften

Seit Italien 1992 die Weltmeisterschaften beim Angeln mit der Bologneser Methode gewann, wächst das Interesse an dieser Angelmethode ständig. Wie erreicht man den Fisch in einem tiefen und breiten Fluss, wenn das Fischen mit dem Bodenblei verboten ist und eine Laufpose den Köder nicht rasch genug absinken lässt? Man verwendet einfach eine lange Rute und eine Festmontage! Viele italienische Flüsse wie etwa Arno und Mincio bei Bologna sind über 6 m tief. Oft drängen sich dort die Angler am Ufer, so dass Würfe von 40 m erforderlich sind, um die Fische zu erreichen.

 

Angeln mit der Bologneser Methode



Angeln mit der Bologneser Methode

Eine feststehende Pose kann man mit einer Rute von normaler Länge bei dieser Tiefe nicht auswerfen. Italienische Angler benutzten deshalb TeleskoprutenAngeln mit der Bologneser Methode von 5 m Länge und Fluss Posen mit einer Tragkraft bis zu 18 g und konnten so die Fische erreichen. Dabei stellten sie fest, dass sie mit den extralangen Ruten ihr Angelgeschirr besser beherrschten als je zuvor. Eine neue Angelmethode war geboren – die Bologneser Methode.

 

Seit 1994 werden die Geräte für das Angeln mit der Bologneser Methode in Deutschland in ausreichendem Umfang angeboten.

 

Angeln mit der Bologneser Methode

Roberto Trabucco fischt bei den Weltmeisterschaften 1992 italienisch: a la Bolognese. An diesem Tag triumphierte die Bologneser Methode über die englische Gleitposentaktik.

 

Was bringt das Angeln mit der Bologneser Methode?

Die Bologneser Methode kann theoretisch an jedem tiefen, gleichmäßig fließenden Fluss angewendet werden und ist natürlich nicht nur auf Norditalien beschränkt. In Deutschland ist sie besonders für Eibe, Rhein und Donau, um nur einige zu nennen, zu empfehlen. Doch lohnt sich ihr Einsatz überhaupt?

 

Die perfekte Kontrolle: Wenn die richtigen Bedingungen herrschen – also vor allem bei stromauf wehendem Wind – kann man mit einer Bologneser Rute die Schnur gut vom Wasser abheben. Dann bieten sich verschiedene Möglichkeiten an: die Pose zurückhalten, sie langsam durch den Angelbereich führen oder sie einfach mit der Strömung abtreiben lassen.

 

Angeln mit der Bologneser MethodePosen für das Angeln mit der Bologneser Methode

Posen, die Steve für die Bologneser Methode verwendet: Tragkraft zwischen 2 und 18 g. Ein runder Posen Körper ist ideal, um die Pose gegen die Strömung zurückzuhalten.

 

 

 

 

 

 

 

 



Tiefes Wasser: Die zusätzliche Rutenlänge gestattet dem Angler die Verwendung einer feststehenden Pose an Angelstellen die er mit einer kurzen Kopf Rute normalerweise nicht erreicht und deren Wassertiefe ihn zum Einsatz der Laufpose oder der Bodenbleiangel zwingt. Mit etwas Übung kann man auch in Wassertiefen von 6 m noch bequem fischen.

 

Angeln mit der Bologneser MethodeTeleskoprute

Eine Teleskoprute sollte man mit montierter Rolle und durchgefädelter Schnur aufbewahren, die Endmontage wird aufgewickelt. So ist man in wenigen Minuten startklar!

 

 

 

 


Weitwürfe: Durch die verstärkte Hebelwirkung und die relativ schweren Montagen sind auch Weitwürfe möglich. Besonders geschickte Angler, wie der Italiener Milo Columbo, können in Entfernungen bis zu 50 m angeln.

 

Angeln mit der Bologneser MethodeTeleskoprute

Steve zieht die Teleskoprute aus, die ihm sein Sponsor (Milo) zur Verfügung gestellt hat. Die Ringe sind groß, damit die Schnur ungehindert durchlaufen kann.

 

 


So lassen sich beispielsweise jene Still Wasser Zonen am gegenüberliegenden Ufer befischen, die sonst ohne Swimfeeder nicht zugänglich wären. Durch die zusätzliche Länge kann man nämlich die Schnur vom Wasser abheben und dadurch verhindern, dass die Strömung die Pose aus ihrer Position abtreibt. So verwandelt man häufig mehr Bisse als mit dem Swimfeeder insbesondere bei sehr schnell beißenden Rotaugen und Haseln, deren Fang mit der Grundangel außerordentlich strapaziös ist.

 

Angeln mit der Bologneser MethodeTeleskoprute

Beim Auseinanderziehen einer Teleskoprute müssen die Ringe richtig fluchten und alle Verbindungsstellen fest sein. Ringe, die nicht korrekt fluchten, behindern das Durchlaufen der Schnur.

 

 

 

 


Große Fische: Unter den richtigen Bedingungen ist die Präsentation genauso gut wie mit der Kopfrute, doch das Angeln mit der Bologneser Methode hat einen wichtigen Vorteil gegenüber dem Fischen mit der Stipprute: Durch die Rolle hat man weit bessere Chancen, einen großen Fisch zu landen.

 

Überkopfwurf

Angeln mit der Bologneser Methode

Steve empfiehlt, die Montage nach hinten schwingen zu lassen (links). Dann die Rute über der Schulter aufstellen und das Rig mit einem Schlag auswerfen (rechts). Verwicklungen lassen sich nicht immer vermeiden, deshalb auf die Windrichtung achten. Das Abstoppen der Schnur lohnt sich nicht – die Italiener tun es nicht und haben trotzdem wenig Verwicklungen.

 

Die Montage für das Angeln mit der Bologneser Methode

Die Bologneser Ausrüstung umfasst die Spezialrute, eine Stationärrolle und eine Montage mit dem Olivettenblei.

 

Die Rute:

Typische Bologneser Ruten sind Teleskopruten, haben am Ende eines jeden Rutenabschnitts einen Ring und vielleicht noch einige Gleitringe an der Spitze. Es finden sich also weit weniger Schnurlaufringe als an einer normalen Stipprute – in der Regel etwa neun oder zehn.

 

Bei so wenigen Ringen bekäme man beim Fischen mit der abtreibenden Pose an einer gewöhnlichen Rute rasch Probleme – die Schnur würde durch die, Ringe ruckeln und die Pose vom Kurs abbringen – aber bei der Bologneser Methode ist die Montage immer schwer genug, um die Schnur von der Rolle abzuziehen.

 

Für welche Rute man sich auch entscheidet, wichtig ist, dass sie hochwertige, beschichtete Schnurlaufringe hat.

 

Obwohl 7 m lange Ruten für italienische Flüsse von Vorteil sein können, sind sie für unsere Verhältnisse doch eine Spur zu lang. Angelstellen mit mehr als 5,5 m Wassertiefe stellen eine Ausnahme dar. Eine Rute von 6 m Länge ist leichter zu beherrschen, und man ist damit für die meisten Eventualitäten gut gerüstet. Ein Blick auf das geplante Angelrevier kann jedoch nicht schaden.

 

Der Rutengriff ist kürzer als bei anderen Standardruten, weil die Rute anders gehalten wird. Eine Rollenhalterung mit Klemmvorrichtung hält die Rolle fest.

 

Die Rolle:

Jede offene oder geschlossene Stationärrolle, die man für das Fischen mit der abtreibenden Pose verwenden kann, ist geeignet. Viele Angler sind der Meinung, dass die Schnur nicht so glatt von der Spule läuft, wenn man für das herkömmliche Fischen mit abtreibender Pose eine geschlossene Stationärrolle verwendet.

 

Benutzt man jedoch für die Bologneser Methode eine geschlossene Stationärrolle. wird die Schnur durch das Gewicht des Rigs abgezogen. Da geschlossene Rollen keinen Schnurfangbügel besitzen, hat man eine Sorge weniger. Es empfiehlt sich, für diese Methode eine etwas stärkere Hauptschnur als für das normale Posen Angeln zu verwenden. Schnüre mit weniger als 0,9 kg Tragkraft sind zu schwach, ideal sind Schnüre von 1,1 kg Tragkraft.

 

Die Rigs: Der Grundgedanke der Bologneser Methode besteht darin, den Köder sehr direkt und gut kontrolliert anzubieten. Bologneser Rigs als solche gibt es nicht, meist handelt es sich um robuste, geradlinige Montagen, bei denen sich das Gewicht im unteren Bereich konzentriert – als Bebleiung dient ein Olivettenblei.

 

Als Faustregel sollte man nicht mit einer Bebleiung unter 2 g arbeiten, weil sonst die Schnur nicht mehr störungsfrei durch die Schnurlaufringe gezogen wird. Das verwendete Olivettenblei muss schwer genug sein, um bequem in den Anfütterbereich geworfen zu werden. Auch muss es mit seinem Gewicht den Köder rasch nach unten ziehen und dort festhalten. Die Wahl des richtigen Bleis ist von Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit abhängig – je tiefer das Wasser an der Angelstelle und je stärker die Strömung, desto schwerer die Bleiolive.

 

Wenn man einige Schrotbleie eng gebündelt ungefähr auf halbem Weg zwischen Olivettenblei und Pose anbringt, tanzt der Köder nicht mehr so stark in der Strömung, und die Bissanzeige wird deutlicher. Auch hier muss man die Größe und Anzahl der Schrote von der Strömung abhängig machen.

 

Anfüttern und gleichzeitig die Rute halten

Angeln mit der Bologneser Methode

Man kann die Rute zum Anfüttern zwar auch hinlegen, doch dabei verpasst man unter Umständen Bisse. Steve legt die Rute in seiner rechten Armbeuge ab und hält den Katapultbecher zum Anfüttern mit der rechten Hand (Bild links).

 

Er füllt dann den Beutel mit der linken Hand und achtet genau auf die richtige Madenmenge. Dann nimmt er den Griff in die linke Hand (Mitte) und zieht das Gummiband zurück, wobei er das Katapult über der Rute hält (rechts).

 

Mit etwas Übung kann man so zielsicher anfüttern. Wichtig ist aber auch, dass man es regelmäßig tut!

 

Einsatzmöglichkeiten

Auch die Bologneser Methode hat ihre Grenzen. Sie eignet sich nicht bei stromab wehendem Wind oder bei Gegenwind. Ideal ist ein stromauf wehender Wind. Er kann die Schnur erfassen und dadurch die Pose abbremsen. Dies wirkt sich besonders beim Angeln auf Rotaugen sehr günstig aus. Bei ruhiger Umgebung und annähernder Windstille ist es praktisch unmöglich, die Pose zurückzuhalten. Bei leichtem Rückenwind kann sich dies etwas bessern.

 

Man sollte die Methode jedoch nicht ausschließlich an extrem tiefen Angelstellen einsetzen. Sie ist für alle Tiefen ab 2,40 m geeignet. Im Prinzip geht man ähnlich vor wie beim Angeln mit einer großen Strompose. Man befördert den Köder mit einem Überkopfwurf in den Freßbereich.

 

Dieser kann irgendwo zwischen dem Ende des ersten Drittels der Fluss Breite und der anderen Seite liegen. Wegen der schweren Bleiolive richtet sich die Pose fast augenblicklich auf. Dann hält man die Rute hoch, um möglichst viel Schnur vom Wasser abzuheben und lenkt die Pose mit der optimalen Abtreibgeschwindigkeit durchs Wasser (häufig bekommt man die meisten Bisse, wenn man die Pose praktisch festhält). Die Anfüttermenge sollte man von der Reaktion der Fische abhängig machen. Wichtig ist regelmäßiges Anfüttern. Mit dieser Methode machen sich Bisse meist als sehr deutliche Abtaucher bemerkbar.

 

Spaghetti Connection

Angeln mit der Bologneser Methode

Die Olivettenblei-Montage muss der Angeldistanz, Wassertiefe und Strömungsgeschwindigkeit entsprechen (1).

 

Mit mehreren Schrotbleien passt man das Rig der Angelstelle an (2).

 

Steve schiebt oft die meisten Schrote in die Nähe des Olivettenbleis hinauf und lässt nur ein oder zwei davon in der Nähe des Vorfachs.

 

Madenleim

Wer zum Anfüttern auf große Distanz kein Grundfutter verwenden will, sollte die neuartigen Madenbinder ausprobieren. Damit formt man Ballen, die fast nur aus Maden bestehen, und die man weit hinauskatapultieren kann.

 

Das Halten der Rute und die Kontrolle der Montage

Angeln mit der Bologneser Methode

Um eine Bologneser Rute zu halten, muss man sie zusätzlich abstützen. Dazu hält Steve die linke Hand gleich vor der Rolle (oben links) unter die Rute.

 

Die Italiener stützen die Rute auch gerne direkt am Körper ab. Die Rute stets hoch halten und nicht zu heftig anschlagen. Jede Bewegung wird durch die Länge der Rute verstärkt, ein heftiger Anschlag bedeutet unter Umständen einen verlorenen Fisch.

 

Wirbeleffekt

An sehr tiefen Stellen kann das Vorfach stark verdrallen. Um dies zu vermeiden, befestigt man zwischen Hauptschnur und Vorfach einen Wirbel. Er erhöht das Absinkgewicht.

 

Angeln mit der Bologneser Methode

Steve landet einen Hasel aus der Themse. Er schätzt, dass die Italiener problemlos die gegenüberliegenden Bäume erreichen könnten. Beim Distanzfischen erleichtert eine bleistiftdicke Posen Antenne die Bisserkennung.