Angeln in verkrauteten Kanälen

Angeln in verkrauteten Kanälen

Artikel von Angelstunde in Gewässerkunde

An den meisten Kanälen sind Krautbetten eindeutig der beste Ausgangsplatz für die Fischsuche, das Angeln in verkrauteten Kanälen bietet eine Fülle von Fischarten

Angeln in verkrauteten Kanälen, zu Beginn der industriellen Revolution, also etwa ab Mitte des 18. Jahrhunderts, wurden Tausende Kilometer von Kanälen gebaut, um Rohstoffe auf Schleppkähnen durchs Land zu befördern. Doch dann begann das Zeitalter der Eisenbahn, und der Gütertransport verlagerte sich auf die Schiene. In jenen Jahren wurden zahlreiche Kanäle aufgegeben. Viele von ihnen sind immer noch verlassen und werden kaum oder gar nicht genutzt. Da keine Boote den Schlamm aufwühlen, sind sie meist klar und stark verkrautet. Sie bieten vielen Fischarten Lebensraum – und dem Angler hervorragende Angelmöglichkeiten.

 

Angeln in verkrauteten Kanälen



An einem derart verkrauteten Kanal zu angeln scheint unmöglich zu sein. Doch leicht lässt sich eine Angelstelle mit einem Rechen auslichten.

 

Kanalangeln im Sommer

Den besten Sport bieten sie im Sommer auf Schleien, Karpfen, Brassen und Rotfedern. Hechte, Rotaugen und Barsche kann man das ganze Jahr über fangen. Auch hier ist die Gewässerkunde der Schlüssel zum Erfolg. An den meisten Kanälen sind Krautbetten eindeutig der beste Ausgangsplatz für die Fischsuche. An dieser Art von Kanal können jedoch lange Abschnitte auf beiden Uferseiten mit Krautbetten bewachsen sein, so dass man etwas näher hinsehen muss.

 

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Unter Wasser wachsen in vielen klaren Kanälen Laichkraut und Krautteppiche in Hülle und Fülle. Entengrütze treibt oft an der Wasseroberfläche.

 

 

 

 

 


Bei einem Besuch am frühen Morgen oder am späten Abend bekommt man die meisten Hinweise. Wer eine Polarisationsbrille trägt und sich vorsichtig bewegt, kann Fische beobachten, die abseits der Krautbänke im klaren, offenen Wasser nach Nahrung suchen.

 

Es lohnt sich, auf sich wälzende oder springende Fische zu achten. Wo größere Wasserbereiche getrübt erscheinen, ist dies ein deutliches Anzeichen für fressende Brassen. Blasen und kleinere Eintrübungen weisen auf Schleien und Karpfen hin, die im Schlamm nach Nahrung suchen. Solche Stellen prägt man sich am besten ein, damit man weiß, wo man fischen soll, wenn man mit seinen Angelsachen zurückkehrt.

 

Auch auf überhängende Bäume sollte man achten. Dort, wo sie Schatten aufs Wasser werfen, finden sich häufig Lichtungen in den Krautbänken. Auch Lichtungen im freien Wasser sollte man sich merken. An solchen Stellen kann man fast direkt hinter der Krautbank angeln. Heruntergefallene Äste und gesunkene Boote oder Kähne sind gute Angelplätze – wenn man das Glück hat, welche zu finden.

 

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Die tiefsten Stellen findet man häufig im Bereich ausgedienter Schleusen. Wenn alle anderen Stellen nur Frust bringen, kann man gerade hier auf vielerlei Fischarten großartige Erfolge verbuchen, besonders jedoch auf Hecht und Barsch.

 

 

 

 


Während der Mittagshitze verstecken sich die Fische gern unter dem Kraut oder in der Nähe. Am frühen Morgen und am späten Abend werden die Fische vom Dämmerlicht herausgelockt und gehen im offenen Wasser auf Futtersuche. Angelversuche im Morgengrauen und in der Abenddämmerung versprechen daher die besten Erfolge. Wo es erlaubt ist, kann auch das Nachtfischen sehr erfolgreich sein. Allerdings ist dies bei starkem Krautbewuchs anstrengend.

 

Wer nur zur Mittagszeit ans Wasser kommt, kann dennoch große Fänge machen – nur muss man dann eben sein Angelgeschirr etwas leichter wählen und dicht am Kraut fischen.

 

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Krautmesser

Mit einem in den Unterfangkescher geschraubten Krautmesser befreit man die Angelstelle von Kraut, um die Fische sicher landen zu können.

 

 

 


Lichtungen finden

Krautteppiche am Grund sind oft ein Problem. Obwohl man diese nicht sieht, wachsen sie häufig bis zu 30 cm nach oben und können den Köder ganz und gar verdecken.

 

Bevor man also einen Köder auslegt, ist es sehr wichtig, eine Lichtung zu finden. Dazu zieht man ein Lotblei am Grund entlang – wo das Lotblei ohne Kraut wieder zum Vorschein kommt, hat man eine Lichtung ausgemacht. Mit einer langen Stange kann man dies einfacher und genauer bewerkstelligen, weil man so das Lotblei bei der Krautsuche einfach aus dem Wasser herausheben kann. Verwendet man eine Rute, muss man jedes Mal wieder einholen. Findet man keine Lichtung, kann man auch einen Rechen an einem Seil befestigen und an der Angelstelle über den Grund ziehen. Das macht man allerdings einige Zeit, bevor man mit dem Fischen beginnen möchte, da die Fische durch die ganze Aufregung vertrieben werden. Durch den Rechen wird auch der Schlamm aufgewühlt und werden Nahrungsbrocken im Wasser verteilt, wodurch die Fische an die Angelstelle zurück gelockt werden. Daher lohnt sich der Einsatz des Rechens auch an solchen Stellen, an denen Krautteppiche gar kein Problem darstellen. Man erzielt damit gleichzeitig auch einen Anfüttereffekt.

 

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Eine prächtige Kanalschleie wird in ihr verkrautetes Zuhause zurückgesetzt. Schleien gedeihen in solchen Gewässern bestens. Sobald sie den Haken spüren, schießen sie sofort direkt ins Kraut. Daher sollte man starkes Angelgeschirr verwenden und keine Schnur geben.

 

 

 



Die richtigen Angelmethoden

Hat man eine Lichtung gefunden oder geschaffen – möglichst in der Nähe einer Krautbank -, versucht man sein Glück auf Schleien, Karpfen und Brassen mit einer GrundangelAngeln in verkrauteten Kanälen, Mais, Caster, Würmern oder Brot. Auf Barsch kann man mit der Grund – oder Posenangel Würmer, Maden oder Caster anbieten. Rotaugen, Rotfedern und kleine Brassen sind oft ganz wild auf gestippte Brotkrume, während auf Rotaugen gestippte Hanfsamen und Wicken Samen unschlagbare Köder sind.

 

Wem es nicht gelingt, eine Lichtung zu finden oder selbst zu schaffen, sollte beim Brotkrumenköder bleiben, weil die Brotkrume auf dem Krautteppich liegenbleibt und nicht in ihn hineinsinkt oder sich hineinwindet. Als Grundköder eignet sich zerbröseltes Brot; trocken angefüttert sinkt es langsam ab und bleibt auf der Oberfläche des Krautteppischs liegen.

 

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Fische in mittlere Wassertiefe zu locken, indem man ständig einige Maden oder eine kleine Köderwolke anfüttert. Waggler-oder Stippgeschirr mit leichter Bleibeschwerung verspricht dann am ehesten Erfolg.

 

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Ein kleiner Aal kringelt sich an der Wasseroberfläche. Aale kommen in klaren, verkrauteten Kanälen bisweilen in größerer Zahl vor und sind manchmal die einzigen Fische, die in der sommerlichen Mittagshitze auf Nahrungssuche gehen.

 

 

 



Dämmerung und Tageslicht

In der Dämmerung des frühen Morgens oder späten Abends, wenn die Fische bedenkenlos fressen, bekommt man auch an solchem Geschirr jede Menge Bisse; es ist kräftig genug, um einen großen Fisch von den Krautbänken fernzuhalten. Mit aufsteigender Sonne und zunehmender Sicht erhält man bei Verwendung starker Schnüre und großer Haken weniger Bisse. Das Problem besteht darin, dass man bei Verwendung zu feinen Angelgeschirrs kaum Chancen hat, einen großen Fisch zu landen, und Gefahr läuft, dass Fische mit Haken und Schnüren im Maul abkommen.

 

Diesem Problem kann man mit einem Hair-Rig abhelfen oder mit einer extra starken Schnur. Man sollte niemals mit besonders leichtem Zeug auf Karpfen oder Schleien fischen. Es ist allemal besser, nur einen Fisch zu haken und auch zu landen, als fünf Fische zu haken und alle zu verlieren.

 

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Im Sommer halten sich die meisten Fische im kühlen Schutz der Krautbänke auf. Im Morgengrauen und in der Abenddämmerung wagen sie sich zur Nahrungssuche hinaus.

 

 

 

 

 



Hecht und Barsch

Hechte sind in ungestörten Kanälen oft zahlreich vorhanden, wachsen jedoch selten gut ab. Die Krautbänke bieten ihnen ausreichend Deckung für Angriffe, und ihr hervorragendes Sehvermögen macht es ihnen relativ leicht, im klaren Wasser Beute zu machen.

 


Ein schwimmender oder leicht absinkender Wobbler, den man an den Krautbänken entlangführt, oder ein kleiner toter Köderfisch, den man mit Heben und Senken führt, sind hervorragende Methoden zum Fang von Hechten und können auch große Barsche verführen.

 

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Festgemachte Boote sind mit Sicherheit fischträchtige Stellen. Von fahrenden Booten werden die Fische zunächst verschreckt, doch kehren sie alsbald wieder zurück, um in den Schlamm wolken nach Nahrung zu suchen.

 

 

 

 



Fischen im Winter

Vor allem Hechte, Barsche und Rotaugen fressen auch im Winter gern. Auf Hecht eignet sich am besten ein an der Posen – oder Grundangel angebotener toter Köderfisch. Brotkrume, Maden und Caster sind für Rotaugen geeignet. Nur sollte man die Futtergaben auf ein Minimum reduzieren. Auch Barsche interessieren sich für Caster und Maden.

 

An frostigen Tagen gehen oft nur die Barsche auf Futtersuche. Eine sichere Methode besteht dann darin, einen Wurm an der Posenangel über angefütterten Wurmstückchen anzubieten. Die tieferen Wasserbereiche sind im Winter die besten, weil es dort in der Regel etwas wärmer ist. Daher sollte man sein Glück auch einmal direkt in der Mitte des Kanals versuchen. Die tiefsten Stellen findet man häufig im Bereich ausgedienter Schleusen. Wenn man also im Hauptkanal keinen Erfolg hat, sollte man auch diese Stellen probieren.

 

Angeln in verkrauteten KanälenGoldbarren! Rotfedern werden von allen Anglern geliebt. Nirgends kommen ihre Farben so prachtvoll zur Geltung wie in den Wassern klarer, verkrauteter Kanäle.

 

 

 

 

 

 



Tipp

Einheimische Angler und Gerätehändler verfügen häufig über unschätzbares Wissen über gute Reviere und Angelstellen. Wenn sie auch nicht immer mit diesem Wissen herausrücken – man sollte sich nicht scheuen, bei ihnen nachzufragen. Häufig bekommt man auf diese Weise eben doch gute Tipps zu Ködern, Montagen und Angelstellen.

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