Angeln im Gebirgsbach, auf Forellenpirsch in den Bergen

Angeln im Gebirgsbach, auf Forellenpirsch in den Bergen

Artikel von Angelstunde in Gewässerkunde

Mit Watstiefeln und Sonnenbrille begibt sich Angler Jon Beer zum Angeln im Gebirgsbach, um dicken Bachforellen nachzustellen

Angeln im Gebirgsbach ist faszinierend, doch kommt es dort noch mehr als sonst auf die richtige Vorbereitung an. Die Gebirgsregionen sind von einem Netzwerk aus steinigen Gebirgsbächen durchzogen, die steile Abhänge hinabstürzen und schließlich im Flachland zusammenlaufen, wo sie große Flüsse bilden.

Angeln im Gebirgsbach


Angeln im Gebirgsbach

Viele der dicken Forellen in den großen Flüssen sind in diesen Zuläufen geschlüpft, wo die Laichbedingungen gewöhnlich besser sind als in den nahrungsreichen,
schlammigen Gewässern der Tiefebene. Viele Fische bleiben den hochgelegenen
Stätten ihrer Jugend treu und tragen dazu bei, dass diese Gebirgs-, Wild- oder
Sturzbäche ständig mit herrlich getupften, wilden Bachforellen besetzt sind.

Angeln im Gebirgsbach

Ein Gebirgsbach stürzt in Form zweier weißer Schleier in den Gumpen, der verdächtig nach Forellen aussieht. Durch die aufgewühlte Wasseroberfläche sind Schnur und Angler selbst für diese scharfsichtigen Fische nicht zu erkennen.

 

„Schema F“ gibt es nicht

Der Schlüssel zum Angeln im Gebirgsbach liegt in der Improvisation. Da der Charakter des Bachs von der Härte und Beschaffenheit des jeweiligen Gesteins bestimmt wird, ändert sich die Strömung des Wildbachs alle paar Meter. Mal
schlängelt er sich um Felsen, dann stürzt er in Kaskaden hinab und bildet tiefe kleine Gumpen, oder aber er plätschert geruhsam über einem Kiesbett dahin, um sich im nächsten Moment über glattes Grundgestein zu ergießen.

Darin liegt die Faszination des Gebirgsangelns. Keine zwei Bäche sind gleich: Jeder Gumpen muss erst begutachtet, jeder Wurf improvisiert werden. „Schema F“ gibt es nicht.

Angeln im Gebirgsbach

Manchmal muss man weite Strecken durch bergiges Terrain zurücklegen, um eine so schöne Angelstelle zu finden. Daher sollte man im eigenen Interesse möglichst wenig Gepäck mitnehmen. Praktisch ist es, möglichst viel an den Gürtel zu hängen. Da es in hohen Lagen empfindlich kalt werden kann, ist für einen langen Tag im Gebirge eine ultraleichte, zusammenfaltbare Jacke unerlässlich.

 

 

Die besten Standplätze

Bachforellen sind revierbildende Fische. Große Fische vertreiben die schwächeren Rivalen von den guten Standplätzen, wo sie ein Maximum an Nahrung und Sicherheit bei einem Minimum an Anstrengung zu erwarten haben. Will man einen guten Fisch fangen, muss man die besten Standplätze ausfindig machen.

Angeln im Gebirgsbach

Anstatt einzelne Fische auszumachen, sollte man nach Vertiefungen Ausschau halten, die Forellen als Standplätze dienen. Eine Polarisationsbrille ist oft von Vorteil.

 

Tiefe:

In kleinen Gebirgsbächen sollte man nach tiefen Stellen Ausschau halten. Sie bieten dem Fisch die Überlebens wichtige Sicherheit und Deckung. Je tiefer die Forelle steht, desto größer ist der Oberflächen Bereich, den sie im Auge behalten kann, um vorbeitreibende oder ins Wasser fallende Nahrung zu erspähen. Im windigen Gebirge kommt ein Großteil der Nahrung auf diese Weise zur Forelle.

Und es gibt noch einen Grund, weshalb die Wassertiefe für die Forelle von grundlegender Bedeutung ist. In einem Gebirgsbach verändern sich die Strömung, die Tiefe und die Geschwindigkeit des Wassers von Meter zu Meter. Weite Strecken eines steil abfallenden Gebirgsbachs führen oft über glattes Grundgestein oder Felsbrocken, an denen im Wasser lebende Insektenlarven und Nymphen kaum Halt finden.

In solchen Bächen ist das Nahrungsangebot dort am reichsten, wo sich in den langsamer fließenden Gumpen Ablagerungen aus feinem oder grobem Kies und Pflanzenteilen gebildet haben. Diese Nahrung beanspruchen die größeren Forellen für sich, indem sie schwächere Rivalen ins schnellere Wasser abdrängen.

Angeln im Gebirgsbach

Eine mit Vogelbeeren beladene Eberesche an einem herrlichen Bachlauf im Gebirge. Mit größter Wahrscheinlichkeit tummeln sich im Oberlauf Gebirgsforellen.

 

Beobachtung:

An einem Gebirgsbach bringt es nichts, zu versuchen, die Forelle erst zu erspähen und dann anzuwerfen. Bis der Angler die Forelle ausmacht, hat sie ihn schon längst gesehen – und in solchen Kleingewässern sind die Fische sehr leicht zu vergrämen.

Viel sinnvoller ist es, nach tiefen Gumpen und unvermutet auftauchenden Löchern zu suchen, und zwar in gebückter Haltung und aus möglichst großer Entfernung. An der Schrägstellung der Felsbrocken im Bachbett erkennt man in der Regel die tiefste Stelle eines Gumpens. Ist er an der Stirnseite, gleich unterhalb eines einlaufenden kleinen Wasserfalls am tiefsten, lauert dort mit Sicherheit eine Forelle.

Wahrscheinlich sogar ein großes Exemplar, das sich schon eine ganze Weile unter der aufgewühlten Wasseroberfläche versteckt gehalten hat.

Angeln im Gebirgsbach

Ein Gebirgsbach in den schottischen Highlands, an den man leicht herankommt. Doch oft haben Gebirgsbäche Steilufer, so dass sich der Angler auf Kletterpartien einstellen sollte. Doch man darf den Fisch nicht von einem erhöhten Standpunkt aus erschrecken. Man sollte sich von unten nähern.

 

Sich unsichtbar machen

Das nächste Problem besteht darin, sich der Forelle zu nähern. Typische Gebirgsbäche sind sehr abschüssig und verlaufen meist zwischen Steilwänden. Nähert man sich dem Gumpen von der Seite her, steht man hoch über der
Wasseroberfläche und jagt jeden Fisch sofort in die Flucht. Auch wenn sich der Angler mit der Strömung nähert, steht er deutlich höher als der Gumpen und ist für die Forellen, die ja gegen die Strömung stehen, nicht zu übersehen.

Daher nähert sich der Angler der Forelle idealerweise vom tiefer gelegenen Gumpen her, so dass er von den Fischen im nächsthöheren nicht wahrgenommen wird.

Von hier aus lässt sich der Gumpen begutachten. Als erstes achtet man auf mögliche Standplätze in unmittelbarer Nähe. Damit man nicht zusehen muss, wie ein guter Fisch aus einem unerkannten Standplatz ganz in der Nähe stromauf flüchtet. Der Angler verpasst dann oft nicht nur diesen einen Fisch, sondern gleich mehrere, die weiter oben die Flucht ergreifen.

Angeln im Gebirgsbach

Zwei Frühlings-Bachforellen, gefangen mit der Trockenfliege. Bevor man zum Gebirgsfischen fährt, muss man sich unbedingt vorher wegen der geltenden Schonzeiten erkundigen.

 

Angeln im Gebirgsbach, Engstellen:

An langen Gumpen achtet man auf Engpässe in der Gumpen Mitte. Solche Hindernisse sind beliebte Standplätze, weil sich dort die herantreibende Nahrung konzentriert und es keine Turbulenzen gibt, mit denen die Forelle fertigwerden muss.

Am ehesten steht die Forelle jedoch an der Stirnseite des Gumpens, wo ein Großteil der Nahrung ankommt, sofern das Wasser tief genug ist. Da dort die Wasseroberfläche stark bewegt ist, nimmt der Fisch weder Schnur noch Angler wahr.

 

Angeln im Gebirgsbach, Strömung:

Achten sollte man auch auf das Verhalten der Schnur in der Strömung. Eine sich beschleunigende Strömung nimmt den Köder oder die Fliege rasch durch das ruhigere Wasser am Gumpen Eingang mit. Wird das Wasser im Verlauf eines
Gumpens langsamer, spielt es mit der Schnur, und man verliert leicht die Verbindung zum Köder oder zur Fliege.

 

Wind:

Der Wind ist im Gebirge ein steter Begleiter. Auch hier heißt es improvisieren. Der Angler muss ständig die Stellung ändern und seine Würfe dem jeweiligen Gumpen anpassen.

 

Die richtigen Stiefel

Watstiefel sind etwas sehr Nützliches. Doch ganz gleich, für welches Schuhwerk sich der Angler auch entscheidet: Die Sohlen sollten aus Gummi sein und ein kräftiges Profil oder dicke Stollen haben. Kann doch glitschiger Fels rutschiger sein als das schlimmste Glatteis.

Beim Angeln im Gebirgsbach legt man schon einmal an einem Tag mehrere Kilometer auf mehr oder weniger bergigem Terrain zurück. Die Angelausrüstung sollte daher möglichst leicht und kompakt sein. Dann sucht sich der Angler die
vielversprechendsten Stellen aus, beangelt sie und zieht weiter – ein paar Würfe  an jedem Gumpen, dann hinauf zum nächsten.

Weniger interessante Strecken werden ignoriert. Dass es im Gebirge oft recht kühl ist, hat auch seine Vorteile. Wenn die majestätischen Tieflandflüsse an heißen Sommertagen wie tot in der Landschaft liegen, bieten die Gebirgsflüsse immer noch ein schönes Angeln.

 

Gestiefelt und gespornt

Der eine oder andere mag sich albern dabei vorkommen, mit Watstiefeln in einem 25 cm tiefen Rinnsal zu stehen. Wirklich dumm allerdings sieht ein Angler aus, der mit kurzen Gummistiefeln in ein unverhofft auftauchendes, 60 cm tiefes Loch tritt.

 

Kleiner Bach – großer Irrtum

Viele Angler glauben, am kleinen Bach wäre eine möglichst kurze Angelrute angebracht. Ganz im Gegenteil: Je kleiner der Bach, desto länger sollte  die Rute sein. Gilt doch an kleinen Bächen als oberstes Gebot: „Anschleichen wie ein Indianer“. Und da ist eine möglichst lange Angelrute von Vorteil. Zum zwei Meter breiten Bach passt eine 10 ft (3 m) lange Fliegenrute.

Damit kann man unauffällig fischen. Sie ist gut für den Flitzbogenwurf. Mit einem Flitzbogenwurf kann ein Angler auf dem Bauch kriechend dem Fisch völlig unauffällig den Köder präsentieren. Berühmt ist das „Tippfischen“ mit Grashüpfern am Bach. Die Rute wird vorsichtig durchs Gebüsch gesteckt und der Köder aufs Wassers getippt.

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