Angeln am Hochseewrack in der Nordsee, reiche Fischgründe

Angeln am Hochseewrack in der Nordsee, reiche Fischgründe

Artikel von Angelstunde in Gewässerkunde

Meeresexperte Mike Millman berichtet von Angelplätzen an Hochseewracks in der Nordsee, das Angeln am Hochseewrack beginnt erst 60 m Tiefe

Verglichen mit den flachen, aquamarinblauen Wassern, die ein Küstenwrack umspülen, herrschen beim Angeln am Hochseewrack Dunkelheit und Stille. Von einem Hochseewrack spricht man erst, wenn das gesunkene Schiff in mindestens 60 m Tiefe liegt. Den Grund des Ärmelkanals bedecken Hunderte solcher Wracks. Dank moderner Navigationselektronik und recht präzise arbeitender Echolotgeräte kennen Handels- und Angelkapitäne die Lage der meisten Wracks sehr genau.

 

Angeln am Hochseewrack



Angeln am Hochseewrack

Manche Tiefwasserwracks findet man keine 10 Seemeilen vom Ufer, während andere 50 Seemeilen und mehr vom Land entfernt liegen. Gewöhnlich werden die näher an der Küste liegenden (und damit leichter zugänglichen) Wracks stark mit Netzen befischt, so dass man schon ein gutes Stück hinausfahren muss, will man einen besonders großen Fisch fangen.

 

Angeln am Hochseewrack

Angeln am Hochseewrack

Köhler wie dieses Wrackexemplar sind äußerst schnelle und zähe Raubfische. Sie kämpfen sehr viel stärker als gleichgroße Pollacks.

 

Auf der Suche nach Beute

An Wracks gilt der Grundsatz: „Fressen und gefressen werden“. Die besten Überlebenschancen haben hier große Raubfische wie Conger, Lengfisch, Dorsch, Köhler und Pollack. Heringshaie finden hier ebenfalls reiche Beute – und dazu gehören auch Köhler, Dorsch und Pollack. Denn nicht selten weisen diese Fische Kampfspuren aus gefährlichen Begegnungen mit großen Heringshaien auf.

 

Angeln am Hochseewrack Angeln am Hochseewrack

Zwergdorsche und Franzosendorsche suchen in einem Wrack nach Nahrung. Sie werden von großen Raubfischen wie Dorschen, Pollacks und Köhlern gejagt.

 

 

 

 

 


Kleine Wracks:

Auch wenn oft nicht mehr als nur ein Haufen von verbogenem Metall übriggeblieben ist, von einer dicken Schicht Unterwasserflora überwuchert, so können hier doch riesige Conger heranwachsen. Der britische Rekord steht gegenwärtig bei 49,61 kg, aber viele Wracks beherbergen noch weit größere Exemplare – Gewichtsangaben von bis zu 90 kg sind keine Übertreibung. Es ist bekannt, dass Conger dieser Größe bereits gehakt wurden und sich dadurch befreien konnten, dass sie sich mit ihrem kräftigen Schwanz einfach im Wrack festgeklammert und so ihre Kraft gegen den Angler ausgespielt haben.

 

So verfing sich 1989 ein Conger von 108,4 kg in der Nähe von Falmouth im Netz eines Trawlers. Viele kommerziell gefangenen Fische wie der vor einigen Jahren ins Netz gegangene 28,12 kg schwere Steinbutt hätten mit Leichtigkeit bestehende Angelrekorde brechen können – wären sie nur einem Angler vergönnt gewesen.

 

Ärmelkanal

Im Ärmelkanal besteht der Meeresboden überwiegend aus einer einheitlichen, sich in etwa 80 m Tiefe ausbreitenden Schlammfläche. Wracks, Sandbänke und Steilabfälle bieten in dieser eintönigen Unterwasserlandschaft den Fischen willkommene Abwechslung. Da überrascht es nicht, wenn Charterboote über solch attraktiven Fischgründen enorme Fänge verbuchen können – manchmal Tausende Kilo Fisch.

 

Eine der bekanntesten Bodenformationen des Ärmelkanals ist „Hurd Deep“ – ein 140 km langer und 4 km breiter Einschnitt mit Tiefen zwischen 90 und 110 m. An seinem nordöstlichen Ende, nahe den Casquets (einer Inselgruppe vor Alderney), fällt er bis auf 185 m ab – die tiefste Stelle des Ärmelkanals.

 

Unterseeboot H.M.S. „Affray“

Im Jahr 1951 lief das Unterseeboot H.M.S. „Affray“ von Star Point in Devon aus. Es wurde erst vier Monate später gefunden, als ein Unterwassersuchtrupp das U-Boot scheinbar unbeschädigt am Steilabhang von The Hurd liegen sah. Sämtliche Ausstiegsluken waren dicht, das Unglücksboot war für 75 Matrosen zum Grab geworden. Es liegt 16 Seemeilen nördlich von Alderney: Tauchen ist dort verboten, Angeln jedoch erlaubt. Noch viele andere, langsam vor sich hinrostende Schiffe sind im unwirtlichen Tal von Hurd Deep zu finden, und jedes bietet einzigartige Angelmöglichkeiten.

 

Auch Trawlerskipper staunen immer wieder über die Größe mancher Fische, die sich in ihren Netzen verfangen, und wiegen sie manchmal aus Neugier. Einen besonders spektakulären Fang bildete ein Pollack von 25 kg, der fast eineinhalbmal so schwer war wie der gültige britische Angelrekord. Mit Netzen und Langleinen wurden schon Köhler bis zu 27 kg und Dorsche bis zu 36 kg Gewicht gefangen. Ein Charterskipper muss das Wasser lesen können: Dabei verlässt er sich einerseits auf seine Erfahrung und bedient sich andererseits modernster Elektronik, um die Sicherheit von Schiff und Anglern garantieren zu können.

 

Angeln am Hochseewrack Farbecholot-Aufnahme

Diese FarbecholotAngeln am Hochseewrack-Aufnahme zeigt den Abhang von Hurd Deep im Querschnitt. Die kleinen Punkte sind die Reflexionen großer Fische.

 

 

 

 

 


 

Wetterlage

Die Wetterlage ist der entscheidende Faktor bei der Wrackangelei auf hoher See, und jeder Skipper muss vor dem Auslaufen erst eine genaue Wettervorhersage einholen. Wirklich gute Skipper, die die größten Boote steuern, stechen auch bei vorhergesagter Windstärke 5 in See, und manche von ihnen lassen sich auch durch stärkere Winde nicht abschrecken. Doch obwohl ein Schiff fernab vom Land mit der rauen See gut zurechtkommen mag, haben viele Angler da ihre Probleme und werden rasch seekrank. Wer zwölf Stunden lang leiden muss, kann schon in Gefahr schweben.

 

Angeln am Hochseewrack Angeln am Hochseewrack 

Ein schöner Wrackdorsch kommt aus dem ruhigen, blauen Wasser des Ärmelkanals zum Vorschein. Solche Fische können auf Dauer den Arm des Anglers ganz schön ermüden.

 

 

 

 

 

 


 

Zeichen der Natur

Die Zeichen der Natur deuten können gute Skipper dank ihrer Jahre- oder jahrzehntelangen Erfahrung und bemerken rechtzeitig den bevorstehenden Wetterumschwung.

 

Nicht allein die Geschwindigkeit von Wind und Flut machen die See gefährlich, sondern auch deren Richtung. Kommt ein Wind der Stärke 5 auf, der gegen die Flut weht, ist dies meist bedrohlicher als ein Wind, der Stärke 7 erreicht und mit der Flut weht. Bei gleicher Richtung bilden sich tiefe, aber glatte Wellentäler, die in endloser Folge am Boot vorbeigleiten. Befinden sich aber Wind und Flut auf Kollisionskurs, dann krachen Steilseen aufeinander, und das Boot schlingert und rollt dabei unbarmherzig.

 

Angeln am Hochseewrack Wrack finden

Der Skipper verwendet seine ganze Erfahrung, um das Wrack zu finden und das Boot über der richtigen Stelle zu halten. Aber auch die Gäste haben alle Hände voll zu tun!

 

 

 

 


Einfluss der Gezeiten

Der Einfluss der Gezeiten kann enorm sein. Manchmal entdeckt man ein Wrack allein durch die Strudelbildung an der Wasseroberfläche. Sie entsteht dadurch, dass schnellfließendes Wasser vom Schiffsrumpf nach oben abgeleitet wird. Diese Strudel kann man selbst noch eine Seemeile vom Wrack entfernt an der Wasseroberfläche beobachten.

 


Bei reißender Strömung ist es unmöglich, die Endmontage vom verankerten Boot aus über oder auch nur in der Nähe des Wracks zu halten. Vier Pfund Blei können dabei ohne weiteres an die Oberfläche getrieben werden – insbesondere bei Verwendung einer schweren Angelschnur. Wenn die Flut dermaßen kräftig ist, hat man meist nur mit Treibfischen Erfolg.

 

Bei niedriger oder mittelhoher Flut nähert man sich mit der Strömung dem Angelplatz und wirft rechtzeitig Anker, damit das Boot zwischen Anker und Wrack zum Liegen kommt. Man wirft dann die Angel in Richtung Wrack aus und lässt sie mit der Strömung dorthin treiben.

 

Der Skipper muss Wind und Strömung genau einschätzen; wird der Anker nur um 5 oder 6 Meter versetzt, kann sich dies schon deutlich auf die Fangergebnisse niederschlagen.

 

Angeln am Hochseewrack

Bei diesem urtümlich aussehenden Exemplar handelt es sich um einen Anglerfisch. Er geht Wrackanglern gelegentlich als Beifang an die Angel und ist äußerst schmackhaft.

 

Wetterfest

Auf offener See kann das Wetter sehr rau sein. Nehmen Sie ausreichend warme Kleidung, eine Kopfbedeckung und Ölzeug mit und tragen Sie Stiefel, damit Sie keine nassen Füße bekommen. Aber niemals Watstiefel anziehen!

 

Top-Häfen zum Wrackangeln

Die englische Südwestküste ist das Mekka der Tiefsee-Wrackangler. Größere Ausflüge werden von den Häfen Plymouth, Salcombe, Dartmouth und Brixham an der Kanalküste von Devon aus unternommen. Fast das ganze Jahr über stehen mindestens 30 lizenzierte und mit allen nur denkbaren elektronischen Geräten ausgerüstete Boote zur Verfügung. Auf den Charterfahrten zwischen Devon und St. Peter’s Port (Insel Guernsey) können Angler zahlreiche Tiefseewracks befischen. Es gibt so viele davon, daß das Hochseeangeln dadurch um eine Dimension reicher geworden ist. Erwähnenswert sind auch die Häfen Whitby und Swansea.

 

Angeln am Hochseewrack

Lengfisch

Dieser Lengfisch hat einen unstillbaren Appetit und zerreißt jeden Köder mühelos mit seinen rasiermesserscharfen Zähnen. Er ist leicht zu fangen und kann sehr zahlreich vorkommen.

 


Seebeine

Wer leicht seekrank wird, hat 50 Seemeilen vor der Küste nichts zu lachen. Kaum ein Skipper fährt die seekranke Landratte in den Hafen zurück, es sei denn, es geht um Leben und Tod. Druckbänder und Tabletten gegen Seekrankheit helfen manchmal. Wenn nicht: am Strand angeln!

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